Gedichte von Lotta Ortheil (3. Preis beim Jugend-Lyrikpreis 2011)

Römischer Nachmittag


Hitze, staubige Sphären -
sehen, mit dem Stift in der Hand.

Ein Fischgerippe, eine Pinie, Augustus.

Das Astwerk des Baumes -
seine feinen grünblauen Adern.

Blutströme, Schlachten des Christentums.
Wann war das noch gleich?

Die Gladiatoren von Kämpfen errieben -
ihre purpurnen, wehenden Umhänge.

Neugierig blicken die Gaffer.
Die ganze Welt versammelt sich hier.

Und eiskaltes Wasser gibt es an jeder Ecke.

Wo dieser Fisch wohl herkommen mag?
Tot starrt er mich an, liegt da und glotzt.

Vom Fischdunst angelockt,
schleichen Katzen herbei.

Und ich?

Ich sitze
und skizziere in dieser Stadt -

Ein Fischgerippe, eine Pinie, Augustus.



Kleine Geschichte des Wassers


Der Bachquell
entspringt der Spalte des Felsens
im Reich der finsteren Fichten,
quält sich äüber spitz und hart
rasend
steilstes Gelände hinab.

Plötzlich satte Wiesen und Felder -
sich wiederfindend
mäandert der Bach träge und ruhig,
bewässert das Land,
sättigt das Korn und das tiefgrüne Gras

Hausboote kämpfen dann gegen den Strom,
mit schweren Lasten beladen,
unter glänzenden Brücken hindurch.

Bis sich die Wasser und Flüsse vereinen
Im unendlichen Tiefblau der See
Eben und weit
Der fiebernde Horizont.