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"Trolliger" Abend zu Ehren des Schriftstellers Thaddäus Troll im Rathaus

Ja, dieser Abend hätte Thaddäus Troll wohl gefallen. Der Abend im Rathaus zu Ehren seines 100. Geburtstags war kein steifer Festakt, sondern eine muntere Troll-Versammlung, wie es Festredner und Weggefährte Jürgen Lodemann formulierte.

Dafür sorgten gleich zu Beginn Bassistin Leonie Hägele mit ihrem Trio Brillance und SWR 2-Moderater Reinhard Hübsch, der flott durch den Abend führte.

Und vor allem auch die von Marion Kadura vom Kulturamt gut ausgesuchten Gesprächsgäste: Jürgen Lodemann, Literaturpreisträger der Landeshauptstadt, Manuela Bayer, eine der drei Töchter Trolls, Biograf Jörg Bischoff, Eberhard Jäckel, wie Troll Mitglied des Stammtischs "Tisch der Dreizehn", Historiker und Autor Gerhard Raff, Eleonore Lindenberg, Trolls langjährige Sekretärin, und Regisseur Alfred Kirchner.

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Bild mit Troll: (v. l) Trolls Sekretärin Eleonore Lindenberg, OB Fritz Kuhn, Tochter Eva-Suzanne Bayer, Regisseur Alfred Kirchner und Tochter Manuela Bayer. Foto: Piechowski

"Ein stolzes, freches Schwäbisch"

Oberbürgermeister Fritz Kuhn, der mit einem ganzen Stapel Troll-Bücher unterm Arm gekommen war, sagte: "Heute finden Troll alle toll - aber das war nicht immer so." Er sei nicht immer und bei allen beliebt gewesen, ein linker Intellektueller und Wahlkämpfer für Willy Brandt im damals tiefschwarzen Württemberg.

"Troll ist schwer zu fassen, er hatte so viele Facetten." Kuhn zollte Troll mehrfachen Respekt: für seinen offenen Umgang mit seiner Vergangenheit als Kriegsberichter, aber auch für seine schriftstellerische und soziolinguistische Leistung: "Thaddäus Troll hat das Schwäbische stark gemacht. Er hat es vom Dumpfen befreit und ein stolzes, knitzes, freches und widersprechendes Schwäbisch präsentiert."

"Schiefbahnhof"

Der stellvertretende Ministerpräsident Nils Schmid sagte, Troll habe viel zur "Völkerverständigung" innerhalb Deutschlands getan. Er sei nicht nur Humorist gewesen, sondern habe den Nachkriegsalltag mit spitzer Feder kommentiert.

Für den weiteren, sehr munteren Verlauf des Abends sorgte Jürgen Lodemann, Literaturpreisträger der Landeshauptstadt. Er hatte mit Troll im Schriftstellerverband eng zusammengearbeitet und nutzte seine Festrede, um auszuloten, welche Haltung sein Freund wohl dem Projekt Stuttgart 21 gegenüber eingenommen hätte.

Unter viel Beifall kam er zum Schluss: Er wäre gegen den "Schiefbahnhof" gewesen. "Ein 'Andersherum-Geher' war der Troll, ein Obenhalter. Sein Scharfblick täte jetzt Not. So einen wie Dich brauchen wir hier dringend. Oder könnte es sein, dass Du noch hier lebst?"

"Er hätte Spaß gehabt"

Der emeritierte Geschichtsprofessor Eberhard Jäckel sagte, es ehre Troll sehr, dass und wie er sich später mit seinen Jahren als Kriegsberichter auseinandergesetzt habe.

Er wandte sich dagegen, Troll für politische Ansichten und Situationen in Anspruch zu nehmen, die er nicht erlebt habe. Trolls Tochter Manuela Bayer jedoch dankte Lodemann ausdrücklich für seine Rede. Thaddäus Troll hätte seinen Spaß gehabt an diesem "trolligen" Abend.

Schwäbischer Tucholsky

Gerhard Raff, von Troll selber als sein Erbe bezeichnet, nannte seinen Mentor den "schwäbischen Tucholsky. Er hat das Schwäbische aus der Ebene der Jockele auf die Höhen der Literatur gebracht."

Viele Facetten Thaddäus Trolls wurden an diesem Abend sichtbar: der Feingeist und Hochliterat, der Humorist, der politische Kopf und Kämpfer für die sozialen und finanziellen Belange der Schriftsteller.

Aber auch der zornige Schreier, der er auch sein konnte, und der depressive Mensch, der seine Skepsis und Verzweiflung zur Freude seiner Leser mit Humor überwand. Bis zum 5. Juli 1980, als er seinem Leben selbst ein Ende setzte.

Dienstag, 18.03.2014