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OB Kuhn: "Ökologische und ökonomische Qualität unseres Waldes erhalten"

Das 1. Stuttgarter Waldgespräch war Auftakt zum Start des Hauses des Waldes ins Jubiläumsjahr.

Wie sieht der Stadtwald der Zukunft aus? Wie wird er sich in den nächsten Jahrzehnten entwickeln?

Beim 1. Stuttgarter Waldgespräch spürte der Oberbürgermeister mit einem Impulsvortrag und eine Podiumsrunde diesen Fragen im Haus des Waldes nach. Oberbürgermeister Fritz Kuhn stellte einleitend fest:  "Wir müssen die ökologische und ökonomische Qualität unseres Waldes erhalten."

Kuhn lobte die Arbeit und das langjährige Engagement des Hauses des Waldes, seit 25 Jahren werden hier Jahren waldpädagogische Programme für Kinder, Jugendliche und Erwachsene angeboten: "Auch meine Söhne haben hier Kurse belegt, und es hat ihnen gut gefallen."

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OB Kuhn beim 1. Stuttgarter Waldgespräch. Foto: Stadt Stuttgart / Julia Ebling

Kuhn: Stuttgart ist Waldstadt

Der OB betonte: "Stuttgart ist eine Waldstadt, und ich will, dass das so bleibt." Den Großstadtbewohnern diene der heimische Wald hauptsächlich zur Erholung: "Auf den Höhen um das Tal kann man Stuttgart umrunden und dabei ausschließlich im Wald laufen."

Als sechstgrößte Stadt Deutschlands verfüge Stuttgart neben 13 Prozent landwirtschaftlich genutzter Fläche allein über 24 Prozent Waldfläche, 80 Prozent davon seien Laubwald, so Kuhn.

Die 5100 Hektar Wald werden in der Landesmetropole von 45 Mitarbeiter und sechs Auszubildende bewirtschaftet.  Aus den Waldflächen erzielt die Stadt pro Jahr 710 000 Euro Einnahmen, dem gegenüber stehen 1,9 Millionen für Aufwendungen.

Multifunktionale Nutzung

Der OB stellte vor allem die "multifunktionale" Bedeutung des Waldes heraus: Holznutzung, Lebensraumschutz und Erholung sind die Stichworte "Der Wald dient der wirtschaftlichen Nutzung, das heißt, es muss auch gefällt werden. Wir haben 14 000 Kubikmeter nachhaltigen Einschlag pro Jahr", rechnete Kuhn vor. Eingriffe seien zudem aus Sicherheitsgründen notwendig.

Die Abwägung der verschiedenen Interessen seien die tägliche Herausforderung, etwa bei der Einrichtung der Downhill-Strecke für Mountainbiker.

Um zu veranschaulichen, wie sich das Bild des Waldes in der Wahrnehmung der Menschen verändert hat, zitierte Kuhn Verse von Ingeborg Bachmann und Erich Kästner. "Der Wald steht auch immer für die Seelenlage der Menschen, und diese hat sich seit der Romantik deutlich gewandelt", sagte er.

Dass sich Stadt und Wald aber noch näher kommen könnten, verbildlichte der Oberbürgermeister mit einer augenzwinkerten Vision: "Auf manche Frage, was denn mit den frei werdenden Flächen am Bahnhof geschehe, antworte ich manchmal scherzend, dass man da doch Wald anlegen könne."

Und: Mit dem  alten Slogan "Stuttgart - Stadt zwischen Wald und Reben" könnten sich heute wieder viele identifizieren. "Auf diese Botschaft können wir stolz sein."

Wald-Visionen

Zum "Wettstreit der Visionen" lud Moderator Stefan Rösler, ehemaliger Landesvorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu), dann die anschließende Podiumsrunde ein und forderte: "Lassen Sie uns den Blick einmal nach vorn richten: Wie sieht der Wald 2040 aus?"

Differenziert beleuchteten die Teilnehmer unterschiedlicher Fachrichtungen die künftige Bedeutung von Holz und Forst. Soziologieprofessor Tilmann Harlander glaubt vor allem an eine Renaissance des Baustoffes Holz: "Die Marktanteile steigen, doch ich wünsche mir mehr Experimente, insbesondere mit gemischten Bauformen."

Harlander sieht ein wachsendes Bedürfnis nach Natur bei den Menschen, damit verbunden aber auch Gefahren: "Die zunehmende Ökonomisierung macht auch vor dem Wald nicht halt." Für den Soziologen ist der Wald die "letzte nicht kommerzialisierte Zone", ein Ort der "Entschleunigung", den es zu erhalten gilt. Viele brauchten den Wald als "Gegengewicht", so auch Migranten und ältere Menschen.

Spannend für Kinder und Jugendliche

Konrad Willar von der Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft ist begeisterter Radsportler und betreut Kinder und Jugendliche beim Mountainbike fahren im Wald. "Die nehmen beim Sport auch die Schönheiten des Waldes wahr und sammeln viele Eindrücke und Erfahrungen."

Willar wünscht sich mehr ausgewiesene Strecken und dass die Sportart ernster genommen wird. "Mountainbike fahren ist umweltfreundlich, verbraucht keine Flächen und man braucht auch kein Auto", meint er.

Auch Thordis Bethlehem, Vorstandsmitglied des Waldkindergartens Rohr, hat die Wirkungen des Waldes insbesondere auf Kinder beobachtet: "Wenn sie sich den ganzen Tag im Wald aufhalten, gibt es immer was Neues zu entdecken."

Nach Auffassung der Psychologin sollte der Wald der Erholung und dem Wohlbefinden dienen, allerdings nicht als Spielplatz, sondern als Erfahrungsraum. Bethlehem will, wie der Oberbürgermeister, den Wald noch stärker in die Stadt integrieren.

"Bürgerwald"

Der Nabu-Landesvorsitzende Dr. André Baumann wirbt "als Naturschützer für die vielfältige Nutzung des Waldes". Er hofft auf noch mehr Interesse der Menschen am Wald und die Entwicklung von Leitbildern. "Für viele bedeutet Wald Heimat, deshalb müssen wir den 'Bürgerwald' stärken, der für alle da sein soll."

Baumann warnt vor der zukünftigen beziehungsweise vermehrten Nutzung von Brennholz. "Davon müssen wir wegkommen, dafür ist Holz zu schade."

Der Landtagsabgeordnete Patrick Rapp ist forstpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion und unterstreicht die "ökonomisch-ökologisch-soziale Komponente". "Der Schwarzwälder lebt vom Wald, der Stuttgarter erholt sich eher." Doch künftig müsse man vor dem Hintergrund von Energiewende und Klimawandel den Wald auch ehrlich und funktional bewerten.

Ort des Naturerlebens

Für Ministerialdirigent Wolfgang Reimer vom Ministerium Ländlicher Raum und Ernährung hat der Staatswald Vorbildfunktion. "Neben dem Naturschutz müssen wir auch Geld verdienen." Die unterschiedlichen Ansprüche an den Wald müssten abgestimmt werden. Reimer prognostiziert: "Aus Sicht der Verwaltung wird sich der Wald als Ort des Naturerlebnisses fortentwickeln."

Das Quartett "Dein Theater" umrahmte die Veranstaltung unter anderem mit gesanglichen Darbietungen. Der Leiter des Hauses des Waldes, Berthold Reichle, referierte die waldpädagogische Arbeit der vergangenen 25 Jahre, Landesforstpräsident Max Reger stellte in Aussicht: "Wir machen weiter, 2015 wir es das nächste Waldgespräch geben.

Freitag, 11.04.2014