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7. Weltkongress der Cities for Mobility - Oberbürgermeister Kuhn: "Wichtig ist die wechselseitige Rücksichtnahme"

"Verkehrspolitik ist mehr als Verkehrspolitik", dieser Grundsatz von OB Fritz Kuhn wurde beim 7. Weltkongress des Städtenetzwerks Cities for Mobility anschaulich an vielen Beispielen mit Leben erfüllt. Rund 200 Experten aus 35 Ländern tauschten vom 1. bis 3. Juni im Rathaus ihre Erfahrungen aus.

"Es war ein sehr ermutigender Kongress", sagte Oberbürgermeister Fritz Kuhn in seinem Schlusswort. "Sie haben zwar alle Probleme mit dem Verkehr in Ihren Städten, aber alle ihre Beiträgen hatten diesen Spirit Wenn Du willst, dann kannst Du auch Lösungen finden", so Kuhn.

Gute Luft geht alle an

In seinem einleitenden Vortrag zum Thema der Tagung "Stadt in Bewegung - Mobilität neu denken, planen, machen" hatte der OB die Herausforderungen an eine nachhaltige Verkehrspolitik am Beispiel der Stadt mit ihren 600000 und der Region Stuttgart mit insgesamt 2,7 Millionen Einwohnern dar. Durch die Kessellage gibt es in der City hohe Lärm- und Feindstaubwerte, zu viel Stickoxide, Stau und Stress.
"Deshalb muss sich grundsätzlich etwas ändern, das gilt für viele Städte in der Welt", sagte Kuhn. Bei seinem Konzept "Nachhaltig mobil in Stuttgart" gehe es nicht um die eine Lösung, sondern um ein ganzes Bündel von Lösungen: von der Verkehrsvermeidung durch gute Nahversorgung über die Stärkung des Radverkehrs und der Fußgänger, die Förderung von ÖPNV, Elektromobilität und Carsharing bis zur Verflüssigung des Verkehrs. "Das Ziel 20 Prozent weniger Autos ist in einer Automobilstadt wie Stuttgart aber nicht gegen, sondern nur gemeinsam mit der Automobilindustrie zu erreichen", sagte Kuhn. Unabdingbar für die nachhaltige Umgestaltung ist dabei für den Oberbürgermeister, eine breite gesellschaftliche Mehrheit zu überzeugen: "Die Qualität der Stuttgarter Luft geht alle an." Dazu gehöre auch eine Wertediskussion, in deren Zentrum die wechselseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer aufeinander steht: "Die Freiheit des Einzelnen ist immer positiv eingeschränkt durch die Rücksichtnahme auf die anderen Verkehrsteilnehmer."

Verkehr vermeiden

Bei dem Kongress sprachen Fachleute aus Europa, Australien und Lateinamerika über nachhaltige Mobilität in Städten. Es ging vor allem darum, wie man durch vorausschauende Stadtplanung, intelligente Verkehrssteuerung und die Nutzung multimodaler Angebote den Verkehr in den Städten vermeiden, auf umweltfreundliche Verkehrsmittel verlagern und insgesamt verbessern kann.

Zwei Projekte aus Stuttgart wurden im Rahmen der Tagung ebenfalls vorgestellt: die ab 2015 erhältliche Servicekarte für Nahverkehr, Sharing, Buchen, Bezahlen und Bürgerservice (Arbeitstitel "Stuttgart Service Card") sowie die Auslieferung aller Buchsendungen der Buchhandlung Osiander in Tübingen und Stuttgart per Fahrrad.
Parallel zu dem Kongress trafen sich Fachleute der Stadt Stuttgart mit Kollegen aus Aachen und Graz sowie dem Deutschen Institut für Urbanistik, um über die Chancen und Risiken der in vielen Städten eingerichteten "Mischverkehrsflächen" zu reden. In Stuttgart gibt es eine solche, auch "shared space" genannte, Flächein der Tübinger Straße. Eines der Ziele des Workshops war es, die auf Falschparker in den Zonen reduzierte Sichtweise zu erweitern und die großen städtebaulichen Chancen durch die Schaffung neuartiger Verkehrsräume für die gleichrangige Nutzung aller Verkehrsteilnehmer zu verdeutlichen.

Dienstag, 03.06.2014