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Der Neckar bleibt sauber

Das Hauptklärwerk Stuttgart-Mühlhausen, das 2016 sein 100-jähriges Bestehen feiert, kann auf viele Innovationen zurückblicken: etwa die feinblasige Belüftung der Belebungsbecken, die Sandfiltration bei Großkläranlagen und die europaweit erste kommunale Mono-Klärschlammverbrennung.
Das Einzugsgebiet umfasst ein Kanalnetz von rund 1750 Kilometern und eine Fläche von 163 Quadratkilometern, wobei neben dem Stuttgarter Abwasser auch die Abwässer von Esslingen, Fellbach, Korntal, Kornwestheim und Remseck behandelt werden.

Blick über das Hauptklärwerk Mühlhausen in Richtung Stuttgart.VergrößernBlick über das Hauptklärwerk Mühlhausen in Richtung Stuttgart. Foto: SESBlick über das Hauptklärwerk Mühlhausen in Richtung Stuttgart. Foto: SES

Täglich durchlaufen rund 200.000 Kubikmeter Abwasser die Reinigungsstufen, bevor die Einleitung in den Neckar erfolgt. Jährlich fallen als Endprodukt 16 000 Tonnen Klärschlamm in der Trockenmasse an. Dieser wird in der Klärschlammverbrennung vor Ort thermisch behandelt.

Verursacher von Verschmutzung schnell ermitteln

120 Mitarbeiter werden von einem modernen Prozessleitsystem unterstützt, das alle Anlagenteile überwacht und steuert. Das ebenfalls auf dem Gelände untergebrachte Zentrallabor der Stadtentwässerung Stuttgart (SES) untersucht täglich eine Vielzahl von Abwasserproben auf die wichtigsten Inhaltsstoffe. Anhand eines Indirekteinleiterkatasters, in welchem die relevanten gewerblichen Einleitungen erfasst sind, kann bei auffallend hohen Schadstoffkonzentrationen der Verursacher der Verschmutzung meist relativ schnell ermittelt und weiterer Schaden für den Klärwerksbetrieb abgewandt werden.

Grenzwerte eingehalten

Dank fortlaufender Investitionen in die Anlagentechnik und einer kontinuierlichen Verbesserung der Reinigungsleistung können die Grenzwerte für sauerstoffzehrende Stoffe und für die Nährstoffe Stickstoff und Phosphor gesichert eingehalten werden. Dies kommt natürlich dem Neckar zu Gute, dessen Sauerstoffgehalt vor und nach dem Ablauf des Hauptklärwerks in etwa gleich hoch ist. Auch weist der Neckar hier eine gute Gewässerqualität auf.

Bildete Anfang des 20. Jahrhunderts die mechanische Stufe, das heißt die Entfernung von Feststoffen aus dem Abwasser, das Kernstück der Abwasserreinigung, gilt dies heute für die biologische Stufe. In deren Belebungsbecken befinden sich unzählige Mikroorganismen, welche die Fähigkeit besitzen, die im Abwasser vorhandenen organischen Verbindungen sowie Stickstoff und Phosphor aufzunehmen und zu verwerten.

Abwasser kommt gereinigt in den Neckar

Um den Sauerstoffeintrag optimal gestalten zu können, wurde im Hauptklärwerk Mühlhausen bereits 1958 die feinblasige Belüftung eingeführt. Im Zuge der biologischen Reinigung fällt Belebtschlamm an, der in den Nachklärbecken vom Wasser getrennt und später der Klärschlammverbrennung zugeführt wird. Bevor das so gereinigte Abwasser dann endgültig in den Neckar eingeleitet wird, durchläuft es die 1984 in Betrieb genommene Sandfiltration. Hier werden die noch verbleibenden Feststoffteilchen ausgefiltert.

Kostenfaktor Energie

Eine auf hohem Niveau arbeitende Abwasserreinigung benötigt viel Energie. Um die Energiekosten gering zu halten, sind im Hauptklärwerk Mühlhausen derzeit leistungsfähige Blockheizkraftwerke sowie eine Dampfturbine im Einsatz. In den Blockheizkraftwerken wird das bei der Ausfaulung des Schlamms in den Faultürmen entstehende Methangas in elektrische Energie und Wärme umgewandelt.

Die Dampfturbine nutzt die freigesetzte Energie aus der Klärschlammverbrennung zur Stromerzeugung. Mit beiden Systemen ist es möglich, den Wärmebedarf des Hauptklärwerks vollständig und den Strombedarf zu fast 30 Prozent selbst zu decken und so die CO²-Emissionen effektiv zu minimieren.

Blockheizkraftwerke und eine Dampfturbine sorgen dafür, dass die Energiekosten niedrig bleiben.VergrößernBlockheizkraftwerke und eine Dampfturbine sorgen dafür, dass die Energiekosten niedrig bleiben. Foto: SESBlockheizkraftwerke und eine Dampfturbine sorgen dafür, dass die Energiekosten niedrig bleiben. Foto: SES

Lag der Fokus im 20. Jahrhundert auf dem Neu- und Ausbau des Hauptklärwerks, so sind heute neben einzelnen Neubauten der Bauwerkserhalt und die Instandhaltung ein wichtiges Element.

Außerdem gilt es, nachhaltig zu agieren, das heißt ökologisch durch die Einführung neuer Technologien die Reinigungsleistung des Hauptklärwerks langfristig zu halten und noch zu verbessern. Und gleichzeitig sinnvoll und verantwortungsbewusst mit dem Geld der Bürgerinnen und Bürger zu wirtschaften.

Tag der offenen Tür am 25. Juni

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Hauptklärwerks Mühlhausen lädt die Stadtentwässerung Stuttgart zum Tag der offenen Tür am Samstag, 25. Juni, von 10.30 Uhr bis 17 Uhr in das Hauptklärwerk ein. Hinter den Kulissen können die Besucher moderne Abwasserreinigung bei einer Fahrt mit dem Bähnle über das Klärwerksgelände erleben. Es besteht Gelegenheit, die Klärschlammverbrennung zu besichtigen und sich im SES-Zentrallabor über die chemischen Analysen zu informieren. Für Kinder bieten Spiel- und Erlebnisstationen Vergnügen. Natürlich ist auch für das leibliche Wohl und die musikalische Unterhaltung gesorgt. Weitere Informationen unter stuttgart-stadtentwaesserung.de.

Die Anfahrt mit dem ÖPNV wird empfohlen, da es nur wenige Parkplätze gibt. Der Fußweg zum Hauptklärwerk ist ab den U14-Haltestellen Mühlhausen und Hornbach aus­geschildert. Ab Haltestelle Hornbach fährt ein Shuttlebus.