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Türöffner für alle Neu-Stuttgarter

Seit seiner Eröffnung hat das Welcome Center Stuttgart (WCS) bis zum 31. März 2016 insgesamt 4971 Beratungen durchgeführt, drei viertel davon im Rahmen persönlicher Gespräche im WCS im Alten Waisenhaus. Das geht aus dem Abschlussbericht der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd hervor, den der Verwaltungsausschuss am 12. Oktober zur Kenntnis genommen hat.
Die Wissenschaftler haben das WCS in den ersten 18 Monaten seines Bestehens von Oktober 2014 bis März dieses Jahres begleitet. Es ist nicht nur eine Erstberatungsstelle für Neubürger, die sich über Leben, Deutschlernen, Arbeiten und Wohnen in Stuttgart informieren wollen. Es ist ­zugleich ein Ort, an dem sich Neubürger und internationale Studierende regelmäßig treffen und über Erfahrungen austauschen können. Es gibt mehrsprachige Informationsveranstaltungen, im Berichtszeitraum waren es 65.

Welcome CenterVergrößernDas Welcome Center ist Anlaufstelle und Treffpunkt für Neubürger. Foto: martinlorenz.net/StadtDas Welcome Center ist Anlaufstelle und Treffpunkt für Neubürger. Foto: martinlorenz.net/Stadt
75 ehrenamtliche Willkommenspaten

Zugewanderte, die eine persönliche Unterstützung in den ersten Monaten benötigen, etwa bei Behördengängen, Wohnungssuche, kultureller Teilhabe, Kontakte zu Einheimischen, bekommen ­einen der 75 ehrenamtlichen Willkommenspaten als "Türöffner" in die Gesellschaft. Bisher wurden 110 Willkommen-Tandems gebildet.

Die Mitarbeiterinnen be­raten auch zur nachhaltigen Mobilität in Stuttgart, zu ­Möglichkeiten des Bürgerengagements, darunter zum Thema fairer Handel und globales Lernen im engen Zusammenwirken mit dem Welthaus Stuttgart. Die Einzelberatung ist im WCS Kernelement und Ausgangspunkt eines wesentlich umfassen­deren Programms zur gesellschaftlichen Integration und Teilhabe, das in dieser Form bundesweit einmalig ist.

Besucherdelegationen aus dem In- und Ausland sind vom Stuttgarter Ansatz be­eindruckt. Einige Städte überlegen, Willkommenszentren in ähnlicher Form einzurichten, darunter München, ­Düsseldorf und Göteborg.

Über 6000 Beratungen

In den ersten 18 Monaten führten die Mitarbeiterinnen 4971 Beratungen durch, monatlich im Schnitt 276. Ende Juli 2016 waren es bereits 6142 Beratungskontakte. Die durchschnittliche Be­ratungsdauer liegt bei drei viertel der Ratsuchenden bei bis zu 30 Minuten, bei den meisten anderen bei bis zu 60 Minuten. Bei einigen Be­ratungskontakten sind schriftliche Nachbearbeitungen erforderlich.

Die meisten Ratsuchenden kamen aus den EU-Ländern Italien (11,9 Prozent), Kroatien (8,3 Prozent) und Spanien (6,7 Prozent). An fünfter Stelle stehen bereits Ratsuchende aus Syrien (4,8 Prozent, Tendenz steigend). Insgesamt wandten sich Menschen aus 126 Herkunftsländern an das WCS.

Hälfte der Ratsuchenden aus Drittstaaten


60 Prozent der Ratsuchenden waren weniger als sechs Monate in Deutschland. Zu­gewanderte aus Drittstaaten machten etwa die Hälfte der Ratsuchenden aus. Wegen der rechtlichen Fragen dieser Personengruppe, wie Aufenthaltsrecht oder Anerkennung der Bildungsabschlüsse aus dem Herkunftsland, sind die Beratungen zeitaufwendiger als bei Unionsbürgern.

Der Anteil der Menschen mit Hochschulabschluss war bei Drittstaatsangehörigen höher als bei Unionsbürgern. Fachkräfte in technischen und handwerk­lichen Berufen kamen am häufigsten aus Italien, Spanien und Kroatien. Fachkräfte im Gesundheitswesen kamen überwiegend aus Bosnien-Herzegowina, Brasilien, Bulgarien und Griechenland.

Beratung über Spracherwerb und Arbeitsplatz

Bei den Beratungsthemen liegen der Spracherwerb (30,7 Prozent) und die Arbeitsplatzsuche (18,9 Prozent) deutlich vorne. Dementsprechend konzentrieren sich die Weitervermittlungen des WCS auf die Träger von Sprachkursen ­sowie die Agentur für Arbeit und das Jobcenter.

Viele andere Beratungs­themen betreffen das Leben in Stuttgart und die gesellschaftliche Integration mit Wohnen, Kultur, Sport, Bildung, Kinderbetreuung und Freizeit­aktivitäten.

Für ausländische Studierende wurde im November 2014 der Welcome Club eingerichtet, mit 19 Treffen und 521 Teilnehmern bis März dieses Jahres. Hinzu kommen Informations- und Kulturveranstaltungen (zwölf Termine mit 892 Teilnehmern). Seit Januar 2016 gibt es auch einen informellen Neubürgerstammtisch.

Welcome Center als Gemeinschaftsprojekt von Landeshauptstadt und Region


Das Welcome Center Stuttgart wird ab 2017 als dauerhafte Einrichtung betrieben. Die städtischen Mitarbeiterinnen sind künftig in einer Dienststelle der Abteilung ­Integrationspolitik dem Referat Soziales und gesellschaftliche Integration von Bürgermeister Werner Wölfle zu­geordnet. Bis zur Änderung des Verwaltungsgliederungsplans der Stadt im August war die Abteilung Integrationspolitik im Geschäftskreis des Oberbürgermeisters angesiedelt.

Vom vordringlichen Personalbedarf in Höhe von ­einer Planstelle in Entgeltgruppe (EG) 13 und einer halben Planstelle in EG 11 nahm der Verwaltungsausschuss ebenfalls Kenntnis. Die Stellen werden im Vorgriff auf den Stellenplan 2018 geschaffen und betreffen die städtischen Mitarbeiterinnen im WCS.

Personlakosten momentan noch aus Drittmitteln

Die Personalkosten für diese Stellen werden befristet aus Drittmitteln finanziert, mit 140 000 Euro von der Robert Bosch Stiftung und mit 105 000 Euro vom Integrationsministerium Baden-Württemberg. Diese Finanzierung ist voraussichtlich im August 2017 ausgeschöpft. Eine wei­tere ­Finanzierung der Personalstellen aus Drittmitteln ist nicht möglich. Die Stellenschaffungen müssten somit nach Be­endigung der Dritt­mittel-Förderung aus städtischen Mitteln erfolgen.

Eine Voraussetzung für den vollständigen Abruf der Mittel ist die Verlängerung der Arbeitsverträge für die städtischen Mitarbeiterinnen bis Ende September 2017, sie haben derzeit bis Ende 2016 befristete Arbeitsverträge. Laut dem Evaluationsbericht 2016 ist die Schaffung der 1,5 Stellen dauerhaft notwendig, um die starke Nachfrage an Beratung der Neubürger zu decken.

Stadt und Wirtschaftsförderung als Träger

Die Landeshauptstadt und Wirtschaftsförderung ­Region Stuttgart (WRS) be­treiben in gemeinsamer Trägerschaft das Welcome Center Stuttgart. Sie teilen sich die Betriebskosten zur Hälfte, bei der Stadt sind dafür 50 000 Euro pro Jahr eingestellt. Beide Betreiber haben für die ­individuelle Beratung im Welcome Center je 1,5 Personalstellen bereitgestellt. Während der Öffnungszeiten beteiligen sich die Migrationsdienste der freien Träger AWO, Caritas, AGDW und Verein für Inter­nationale Jugendarbeit mit ­zusammen 0,5 Stellenanteilen an der Beratungsarbeit. 2016 wurde eine weitere Mitarbei­terinnenstelle geschaffen, sodass 4,5 Stellen zur Verfügung stehen, davon 2,5 städtische.

Die Kosten für den WRS-Anteil werden wie bei anderen Welcome Centern für internationale Fachkräfte im Land vom Wirtschaftsministerium des Landes getragen, vorerst bis Ende 2016 mit der Option der Verlängerung.

Externe Kooperationspartner

Zu den externen Kooperationspartnern des WCS gehören die Agentur für Arbeit, die Akademie der Ingenieure und das Welcome Center Sozialwirtschaft der Diakonie BW jeweils mit Sprechstunden vor Ort sowie der benachbarte Verein Welthaus Stuttgart. Zahlreiche Veranstaltungen des WCS finden im Weltcafé oder im Globalen Klassenzimmer statt.

Die Beratungsangebote des Welcome Centers richten sich an alle Neubürger in der Stadt sowie an internationale Fachkräfte und Studierende in der Region.

Welcome Center Stuttgart, Charlottenplatz 17, 70173 Stuttgart. Telefon 76 16 46 40. Geöffnet montags und freitags 8.30 bis 13 Uhr, dienstags und donnerstags 14 bis 18 Uhr. www.welcome.stuttgart.de.


Donnerstag, 13.10.2016
 

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