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Start ins Berufsleben geglückt

Kinder und Beruf unter einen Hut zu bekommen, fällt vielen Frauen nicht leicht. Noch schwieriger ist die Situation, wenn eine Mutter keine Ausbildung hat, schlecht Deutsch spricht oder alleinerziehend ist. Hier möchte das Netzwerk Qualifizierung und Ausbildung für Frauen (QuAF) helfen. Elga Alves und Huma Khan sind zwei Beispiele, wie das gelingen kann.
"Seien wir ehrlich, viele Betriebe tun sich schwer, eine ­alleinerziehende Mutter zu beschäftigen", sagt Gudrun Rößler-Edelmann, Sprecherin des Netzwerks QuAF. Das sei auf der einen Seite verständlich, immerhin müsse die Mutter Kind und Beruf gerecht werden. "Viele sehen aber die andere Seite nicht." Die meisten Frauen seien hochmotiviert, gut organisiert und belastbar. "Meiner Erfahrung nach sind Betriebe sehr zufrieden, wenn sie einer alleinerziehenden Frau eine Chance gegeben haben."

Elga Alves?fand einen?Ausbildungplatz, bei dem sie die Arbeitszeiten und ihre kleine Tochter Darleen unter einen Hut bekommt.VergrößernElga Alves fand einen Ausbildungplatz, bei dem sie die Arbeitszeiten und ihre kleine Tochter Darleen unter einen Hut bekommt. Foto: Cornelia VillaniElga Alves fand einen Ausbildungplatz, bei dem sie die Arbeitszeiten und ihre kleine Tochter Darleen unter einen Hut bekommt. Foto: Cornelia Villani
Ausbildungsplatz mit Kleinkind?

So wie bei Elga Alves. Die 26-Jährige absolviert mittlerweile ihr drittes Lehrjahr als Kauffrau für Büromanagement bei einem großen Stuttgarter Modehaus. Und hat jetzt schon gute Aussichten auf eine Übernahme. "Das würde mich freuen", erzählt die lebhafte junge Frau. Vor einigen Jahren sah ihre Situation noch anders aus.

Die Kölnerin wurde kurz vor dem Abitur schwanger, machte ihren Abschluss mit Babybauch. Als ihre Tochter Darleen ein Jahr alt war, zog Alves mit ihr nach Stuttgart, um näher bei ihrem Partner zu sein. Darleens Vater kommt aus Esslingen und ist Berufssportler. Auch seine Freundin hoffte, ins Berufsleben einsteigen zu können. "Mutter zu sein ist zwar schön, aber ich wollte auch noch etwas anderes vom Leben." Doch wie an einen Ausbildungsplatz kommen, noch dazu mit Kleinkind?

Netzwerk mit 13 Mitgliedern

Mehr Unternehmen zu ­erreichen, die Frauen in bestimmten Lebenssituationen beschäftigen, ist eines der ­Ziele des Netzwerks. Gegründet im Jahr 2008, zählt es 13 Mitglieder. Von Anfang an dabei waren neben der Agentur für Arbeit die beiden städtischen Institutionen Jobcenter mit Rößler-Edelmann als Beauftragte für Chancengleicheit am Arbeitsmarkt und die Abteilung für individuelle Chancengleichheit unter Leitung von Ursula Matschke.

Mütter qualifizieren

Gemeinsam mit Trägern beruflicher Frauenförderung, Unternehmerverbänden und Betrieben möchte die Stadt über das Netzwerk zweierlei erreichen. Zum einen, dass sich mehr Betriebe für Mütter öffnen. Dazu gehört, dass ­Arbeit und auch Ausbildung in Teilzeit möglich sind. Zum anderen arbeiten die Netzwerkmitglieder handfest darauf hin, gering qualifizierten Frauen den  Weg zur Fachkraft zu ebnen.

Welche Programme die Träger dafür anbieten, wird bei den Informationsveranstaltungen für Alleinerziehende deutlich. Dreimal im Jahr veranstaltet das Jobcenter solche Messen im Rathaus. Vereine wie Berufliche Förderung für Frauen (BeFF) oder das Christliche Jugenddorfwerk (CJD) stellen dort ihre Inhalte vor. Hier wurde auch Elga Alves fündig. "Bei BeFF wurde mir ein Kurs angeboten, der mich auf den Einstieg ins Berufsleben vorbereiten sollte."

Sechs Monate lang lernte sie halbtags, wie man sich ­aktuell bewirbt, welche Umgangsformen am Arbeitsplatz geeignet und welche Kenntnisse am Computer wichtig sind. "Hätte ich nicht gut Deutsch gesprochen, wäre auch Sprachförderung möglich gewesen."

Die zweifache Mutter Huma Khan?hat im September eine Ausbildung in Teilzeit begonnen.VergrößernDie zweifache Mutter Huma Khan?hat im September eine Ausbildung in Teilzeit begonnen. Foto: Cornelia VillaniDie zweifache Mutter Huma Khan?hat im September eine Ausbildung in Teilzeit begonnen. Foto: Cornelia Villani
Alleinerziehende unterstützen


Auch Huma Khan besuchte einen ähnlichen Aufbaukurs, im Rahmen des Programms FAMOS - Teilzeitausbildung für Alleinerziehende des CJD. Die Mutter zweier Kinder trennte sich vor zwei Jahren von ihrem Mann. "Ich habe direkt nach der Schule ge­heiratet und Kinder bekommen", erzählt die 26-Jährige. Nach der Trennung stand für sie fest, dass sie arbeiten gehen möchte. "Am liebsten als ­medizinische Fachangestellte."

Schon während der Schulzeit hatte sie Praktika bei zwei Ärzten gemacht. Sabine Schwefel vom CJD unterstützte sie bei ihrem Berufswunsch. "Durch sie hatte ich das gute Gefühl, da ist jemand, der mir helfen will." Als sich die junge Frau um eine Ausbildung ­bewerben will, empfiehlt ihr eine Bekannte eine Praxis in Weilimdorf. "Frau Schwefel hat dort nachgehakt, ob eine Ausbildung in Teilzeit möglich ist."

Anderen Frauen Mut machen


Das war der Fall. Khan wurde zur Probezeit eingeladen. "Nach drei Tagen wurde mir gesagt, dass sie mich behalten wollen", sagt die Stuttgarterin strahlend. Im September startete die Ausbildung in Teilzeit. So bekommt Huma Khan ihre Kinder, Berufsschule und Praxistage unter einen Hut. Natürlich auch dank des Ganztagesangebots in Schule und Kindergarten.

Die junge Frau empfiehlt ­jedem in einer ähnlichen Situation, sich helfen zu lassen. "Man fühlt sich leicht abgestempelt, doch das ist nicht so. Es gibt immer einen Weg."

Das Netzwerk Qualifizierung und Ausbildung für Frauen - Hintergründe


Das Netzwerk Qualifizierung und Ausbildung für Frauen hat mehrere Ziele:
Chancenarme Frauen sollen auf ihrem Weg zur Fachkraft begleitet werden. Dazu dienen die einzelnen Projekte der Netzwerkmitglieder, die Beratung und Betreuung der Frauen umfassen.

Außerdem möchte das Netzwerk Betrieben zusätzliche Wege zu qualifizierten Mitarbeiterinnen aufzeigen. Unternehmen werden informiert, dass etwa das Angebot einer Teilzeitausbildung Erfolg bringen kann. Nicht zuletzt möchte das Netzwerk auf die Thematik aufmerksam machen.

Die Stadt ist mit im Boot


Bei der Stadt kümmern sich das Jobcenter und die Abteilung für individuelle Chancengleichheit um das Netzwerk. Gudrun Rößler-Edelmann vom Jobcenter ist derzeit dessen Sprecherin und leitet die Treffen des Netzwerks.

Zusammen mit Kirsten Plew von der Abteilung für ­individuelle Chancengleichheit kümmert sie sich um die Öffentlichkeitsarbeit. Die Abteilung unter Leitung von Ursula Matschke koordiniert zudem den Kontakt der Netzwerkmitglieder untereinander sowie mit Betrieben und anderen Ansprechpartnerinnen und ­Ansprechpartnern.

Über die Internetseite ­stuttgart.de/netzwerk-quaf liefert sie aktuelle Informa­tionen und ist Anlaufstelle für Interessentinnen und In­teressenten.

Nächste Fachveranstaltung im März 2017

Pro Jahr erreicht das Netzwerk durch die Programme etwa 300 Frauen in Stuttgart. Regelmäßige Veranstaltungen sind dabei Pflicht. Am 23. März 2017 findet die nächste Fachveranstaltung für Betriebe mit dem Thema "Ausbildung lebensphasenortientiert" statt.

Ursula Matschke hofft, dass dadurch noch mehr Unternehmen und Betriebe mit ins Boot genommen werden können. "Da gibt es noch viel Luft nach oben", lautet ihre Einschätzung.


Donnerstag, 03.11.2016