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"Erst Information, dann Sanktion"

Wenn die Stadt den Feinstaubalarm ausruft, dürfen "Komfort-Kamine" nicht mehr betrieben werden. So hat es das Land Anfang Februar 2017 verordnet. Was das für die Stadt bedeutet, erläutert der Leiter des Amts für Umweltschutz, Dr. Hans-Wolf Zirkwitz, im Interview.

Hans-Wolf ZirkwitzLeiter des Amts für Umweltschutz, Dr. Hans-Wolf Zirkwitz Foto: Stadt Stuttgart

stuttgart.de: Herr Zirkwitz, was sind denn eigentlich Komfort-Kamine?

Hans-Wolf Zirkwitz: Der Experte spricht von "Einzelraumfeuerungsanlagen für feste Brennstoffe". Es geht also nicht um Heizungen, die den Grundbedarf an Wärme decken. Sondern Schwedenöfen oder auch offene Kamine, die zwar hübsch ausschauen, aber ganz erheblich Feinstaub produzieren. Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) schätzt, dass es etwa 20.000 dieser Kamine in Stuttgart gibt.

stuttgart.de:
Warum muss der Ofen ausbleiben?

Hans-Wolf Zirkwitz:
Bei Feinstaubalarm  haben wir ja bislang dazu aufgerufen, freiwillig auf den Betrieb von Komfort-Kaminen zu verzichten. Das wird mit dem Verbot, wie es das Land in seiner Verordnung beschreibt, jetzt verbindlich und ist eine weitere Maßnahme, um die Feinstaubbelastung in Stuttgart zu senken.

stuttgart.de:
Warum? Der meiste Feinstaub wird doch durch den Verkehr verursacht.

Hans-Wolf Zirkwitz:
Auspuffe und Schornsteine sind die größten Quellen der Schadstoffe. Was den Feinstaub anbetrifft ist die Lage am Neckartor so: 51 Prozent verursacht der Verkehr, wobei der Großteil vom Bremsabrieb stammt. Kleine und mittlere Feuerungsanlagen machen ein Sechstel aus. Gerade an den Tagen, an denen der Feinstaub-Grenzwert nur knapp überschritten wird, macht es Sinn, auch den Holzfeuerungsbeitrag zu berücksichtigen. Die LUBW geht davon aus, dass 2015 etwa 12 bis 16 Überschreitungstage durch die kleinen und mittleren Feuerungsanlagen mit verursacht wurden. Das bedeutet, es kommt auf jede Maßnahme an. Schließlich geht es um die Gesundheit aller.

stuttgart.de:
Bürger fragen schon, warum sie in Weilimdorf oder Heumaden ihren Ofen auslassen sollen. Das Neckartor ist doch zehn Kilometer weg.

Hans-Wolf Zirkwitz:
Bei der Ursachenanalyse der Feinstaubkonzentration wird zwischen lokaler Belastung an der Messstation, dem städtischen Hintergrund und dem außerstädtischen Hintergrund unterschieden. Der lokale Beitrag der kleinen und mittleren Feuerungsanlagen beträgt etwa 5 Prozent und über die Hintergrundbelastung tragen diese nochmals 11 Prozent bei.

stuttgart.de:
Was passiert, wenn Bürger gegen die Verordnung verstoßen?

Hans-Wolf Zirkwitz: Für uns gilt: erst Information, dann Sanktion. Wir vertrauen auf die Rechtstreue der Stuttgarter. Bei den Stichproben wollen wir vor allem aufklären und beraten. Sollte die Beratung wiederholt ergebnislos verlaufen, ist mit einem Bußgeld zu rechnen. So ist es mit dem Land besprochen.

stuttgart.de:
Die Verordnung des Landes ist seit einigen Tagen rechtskräftig. Wie geht Ihr Amt damit um?

Hans-Wolf Zirkwitz:
Mit dem Verbot betreten wir Neuland. Wir haben unter Federführung der Unteren Immissionsschutzbehörde eine amtsinterne Arbeitsgruppe eingerichtet, in der gemeinsam mit den Klimatologen, der Umweltberatung und der Verwaltungsabteilung mit Hochdruck daran gearbeitet wird, diese Verordnung mit Leben zu füllen. Dabei sind unter anderem personelle und rechtliche Fragen zu klären.
 
Hintergründe zum Betriebsverbot von Komfort-Kaminen

www.feinstaubalarm.stuttgart.de

Dienstag, 14.02.2017