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Unfallstatistik 2016: Weniger Unfälle mit Personenschaden

Insgesamt 26.704 Unfälle haben sich im vergangenen Jahr im Stuttgarter Stadtgebiet ereignet. Dies sind genau zwei mehr als im Vorjahr (26.702) und damit der höchste Stand seit 1979, wie Polizeipräsident Franz Lutz bei der Vorstellung des Berichts zur Unfalllage 2016 bekanntgab.

Unfall in PlieningenMehr Unfälle, aber weniger Verletzte: Es krachte 2016 immer öfters auf Stuttgarts Straßen - gleichzeitig bleibt es immer häufiger bei Blechschäden. Archivfoto: Host RudelLandesweit hat die Zahl der Unfälle um 1,4 Prozent zugenommen. "Die Verkehrsdichte in Stuttgart ist enorm, gleichzeitig ist der Verkehrsraum eng und aufgrund von Baustellen permanent verändert", sagte Lutz. Das "komplexe Verkehrsgeschehen" in der Großstadt sei ein wichtiger Grund für die seit Jahren konstant hohen Unfallzahlen.

Gesunken ist die Zahl der Unfälle mit Personenschäden. Sie liegt in Stuttgart bei 1985 und damit um 7,5 Prozent niedriger als im Vorjahr. Insgesamt sind im Stuttgarter Straßenverkehr 2537 Menschen zu Schaden gekommen, ein Rückgang um 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies ist der niedrigste Wert in den vergangenen vierzig Jahren. Die Zahl der Schwerverletzten allerdings hat sich gegenüber dem Vorjahr von 257 auf 300 erhöht und liegt damit in etwa wieder auf dem Niveau von 2014 (301 Schwerverletzte). Wie im Vorjahr starben acht Menschen im Stuttgarter Straßenverkehr: Fünf Fußgänger, zwei Autofahrer und ein Pedelec-Fahrer. Statistisch betrachtet gibt es täglich 73 Unfälle im Stadtgebiet, bei denen durchschnittlich sieben Menschen zu Schaden kommen.

Häufige Unfallursache: Missachten der Vorfahrt

Einen Wechsel gab es bei den häufigsten Unfallursachen. Auf dem ersten Platz liegt nun das Missachten der Vorfahrt mit 12,4 Prozent. Zurückgegangen sind Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren, die für 11,4 Prozent der Unfälle verantwortlich waren. Auf dem dritten und vierten Platz der häufigsten Unfallursachen liegen Fehler beim Abstandhalten und beim Fahrstreifenwechsel.

Gemeinsam haben die vier häufigsten Unfallursachen, dass sie oft durch Ablenkung oder Unaufmerksamkeit ausgelöst werden. Hier spielen vor allem elektronische Geräte und insbesondere Handys eine große Rolle. "Das Hantieren mit elektronischen Geräten am Steuer ist hochgefährlich und verantwortungslos. Dies muss den Verkehrsteilnehmern bewusst werden, sie müssen selbst die Regeln einhalten und dürfen sich nicht ablenken lassen", sagte Franz Lutz. Zwar gebe es keine verlässlichen Zahlen zur Unfallursache Handy, aber die Polizei gehe von einer hohen Dunkelziffer aus.

Wie im Vorjahr ging die Zahl der Unfälle mit Kindern zurück. 2015 waren es noch 100 gewesen, im vergangenen Jahr 94. 26 Kinder wurden schwer und 121 leicht verletzt. Vor allem bei Kindern setze die Polizei Stuttgart mit ihren Präventionsmaßnahmen an, wie Ludwig Haupt, Leiter des Referats Prävention, erläuterte. Eine besonders erfolgreiche Maßnahme sei der "Kinderfußgängerschein", bei dem Erstklässler lernen, wie sie sicher zur Schule kommen.

Unfälle mit Fußgängern und Radfahrern gestiegen

Die Zahl der Unfälle mit Fußgängern stieg 2016 um 15,5 Prozent auf 268 an. Trotz des hohen Anstiegs ist dies der zweitniedrigste Wert der vergangenen zehn Jahre. 40 Prozent der Unfälle wurden von den Fußgängern selbst verursacht. Auch hier waren Unaufmerksamkeit und Ablenkung Einflussfaktoren. In den meisten Fällen hatten Fußgänger den Verkehr nicht beachtet oder rote Ampeln ignoriert.

Bei den Radfahrern gab es einen leichten Zuwachs der Verkehrsunfälle. Bei 81 Prozent der Unfälle mit Fahrrädern verletzten sich Personen. Auffällig sei, so Polizeivizepräsident Norbert Walz, dass 51 Prozent der Unfälle von den Fahrradfahrern selbst verursacht worden seien.  Ähnliche Tendenzen gebe es bei den Pedelec-Fahrern.

Als erschreckend bezeichnete Norbert Walz die gleichbleibend hohen Zahlen bei der Unfallflucht. Bei beinahe jedem vierten Unfall sei einer der Beteiligten geflüchtet, meist der Verursacher. In 137 Fällen mit Personenschaden hätten sich Unfallverursacher unerlaubt von der Unfallstelle entfernt. "Da kann man von krimineller Energie sprechen", sagte Walz. Es müsse jedem klar sein, dass Unfallflucht ein Straftatbestand ist.

Donnerstag, 16.03.2017