Aktuelles
  •  

Vom Pflänzchen zum monströsen Baumriesen

Im zweiten Teil der Azubi-­Serie geht es in den Wald: Hier absolviert Fumihiko Ito seine Ausbildung als Forstwirt bei der Stadt.
"Ein genaues Augenmaß ist wichtig", sagt Ausbilder Karl Romankiewicz, während er seinem Schützling prüfend über die Schulter blickt. Fumihiko Ito ist gerade dabei, die Zacken seiner Motorsäge zu feilen, die er fest an der Werkbank eingespannt hat. Das Werkzeug muss im rechten Winkel gehalten werden, präzise Millimeterarbeit.

Seit September ist der 33-Jährige Forstwirt-Azubi beim städtischen Garten-, Friedhofs- und Forstamt. Für die Ausbildung im Büsnauer "Bruderhaus" ist er weit gereist, denn Ito kommt aus Japan und hat dort bereits ein Masterstudium absolviert. Als Experte für "Remote Sensing" (Fern­erkundung) arbeitete er im Anschluss in einer Firma in Kawasaki, für die er komplexe Forstkarten mit Hilfe von Satellitenbildern zeichnete.

Fumihiko Ito feilt die Zacken seiner Motorsäge. Ausbilder Karl Romankiewicz leistet dabei Hilfestellung.VergrößernFumihiko Ito feilt die Zacken seiner Motorsäge. Ausbilder Karl Romankiewicz leistet dabei Hilfestellung. Foto: Ferdinando IannoneFumihiko Ito feilt die Zacken seiner Motorsäge. Ausbilder Karl Romankiewicz leistet dabei Hilfestellung. Foto: Ferdinando Iannone
"Ländle" für fortschrittliche Forstarbeit bekannt

Wieso also Stuttgart? "Ich wollte wissen, wie man einen Wald aufbauen kann. Aber die Forstwirt-Ausbildung in Japan ist nicht besonders gut", sagt Ito. Karl Romankiewicz ergänzt: "Außerdem wurde unser Betrieb schon mehrmals ausgezeichnet und ist jedes Jahr unter den besten Ausbildungsstellen in Baden-Württemberg."

Tatsächlich ist das "Ländle" in Japan für seine fortschrittliche Forstwirtschaft bekannt und oft Ziel von Austausch- und Studienreisen. So wurde auch Ito nach Deutschland vermittelt und konnte nach einem fünfmonatigen Sprachkurs mit der Ausbildung starten.

Spielplätze und Waldwege kontrollieren


"Schwäbisch ist natürlich immer noch schwer", lacht er. Aber seine Kollegen hätten ihn trotz mancher Verständnisprobleme sehr herzlich aufgenommen. Der Tag beginnt für ihn schon morgens um 5 Uhr, ab 7 Uhr ist Arbeitsbeginn: Sägen feilen, Werkzeuge richten. Nach einer kleinen Pause fahren die angehenden Forstwirte beispielsweise zur Spielplatzkontrolle oder setzen Wald­wege in Stand. Zur Haupt­tätigkeit zählt die Holzernte, die Fumihiko Ito am meisten Spaß macht: "Wenn man einen großen Baum fällt, der bis zu 150 Jahre alt ist, braucht es die richtige Technik."

Auch kümmern sich Forstwirte um die Jungbestandspflege, sie sorgen also dafür, dass gut entwickelte Bäume die Nährstoffe bekommen, indem sie schwächere wegschneiden. Die jungen Pflänzchen müssen dann durch Zäune vor Unkraut und Wild geschützt werden, bis sie zu stattlichen Baumriesen herangewachsen sind.

Überbetriebliche Ausbildung in Königsbronn


Ein Schwerpunkt in Stuttgart liegt zudem auf der Pflege von Erholungseinrichtungen: Bänke, Sportpfade, Grill- und Spielplätze werden gebaut, kontrolliert und repariert. Um 16 Uhr kann Azubi Ito meist Feierabend machen. Die überbetriebliche Ausbildung im Forstlichen Bildungszentrum Königsbronn ergänzt die praktische Arbeit im Wald, viermal zwei Wochen im Jahr.

Noch ist Fumihiko Ito "grün" hinter den Ohren, doch für die Zeit nach der Ausbildung hat er schon Pläne: "Ich würde gerne in Deutschland bleiben, vielleicht fünf bis zehn Jahre. Meine Erfahrung nehme ich dann wieder mit nach Japan, um dort die Forstwirtschaft zu verbessern. Vielleicht bin ich dann ja sogar selbst ein Ausbilder."         

Jetzt bewerben für 2018

Ausbildungsinteressierte können sich jetzt für das Jahr 2018 bewerben. Ein guter Hauptschulabschluss wird gefordert. In den Herbstferien folgt ein praktischer Test, der zwei bis drei Tage dauert.

Ausbildungsbeginn ist der 1. September. Die Ausbildung dauert regulär drei Jahre und kann mit Abitur oder wenn zuvor schon ­eine Ausbildung gemacht wurde, auf zwei Jahre verkürzt werden.


Donnerstag, 23.03.2017