Aktuelles
  •  

Schütteln für Babys lebensgefährlich

In Deutschland erleiden 100 bis 200 Babys pro Jahr ein Schütteltrauma, weil ihre Eltern in einem Moment der Überforderung die Beherrschung verlieren. Für einen Teil der ­Babys hat dies tödliche Folgen, bei vielen anderen bleiben dauerhafte Hirnschädigungen zurück.
SäuglingBei Säuglingen ist die Nackenmuskulatur nur schwach ausgeprägt und der Kopf in Relation zum Körper sehr groß. Durch Schütteln kommt es zum Einriss von Blutgefäßen im Gehirn und in der Netzhaut des Auges. Diese Blutungen können zu Entwicklungsstörungen mit Seh-, Hör- oder Sprachausfällen, zu körperlichen und geistigen Behinderungen, zu Verhaltensstörungen und sogar zum Tod des Babys führen. Foto: kwangmo/Fotolia
Über das Risiko eines Schütteltraumas wollen das Klinikum Stuttgart, das Ministerium für Soziales und Integra­tion Baden-Württemberg und die Techniker Krankenkasse gemeinsam aufklären. Staatssekretärin Bärbl Mielich sagte bei einer Pressekonferenz, die gemeinsame Kampagne leiste einen wichtigen Beitrag für die Gesundheit von Kindern. "Jedem betroffenen Baby mit Schütteltrauma werden wesentliche Entwicklungschancen geraubt - dazu darf es nicht kommen, dafür müssen wir uns alle einsetzen."

"Für das Klinikum Stuttgart mit dem Olgahospital als bundesweit größtem Kinderkrankenhaus gehört es zum Selbstverständnis, Eltern nicht alleine zu lassen", betonte der Geschäftsführende Ärztliche Direktor, Jan Steffen Jürgensen. "Unser Sozialpädiatrisches Zentrum bietet effektive Hilfe, Information und Aufklärung. Seit kurzem steht auch ein Baby-Simulator für Elterninformationsveranstaltungen zur Verfügung, mit dem die lebensgefährlichen Folgen für das Gehirn des Babys durch Schütteln eindrucksvoll demonstriert werden können."

Das Zusammenleben mit ­einem Baby gestalte sich nicht immer so harmonisch, wie Mütter und Väter es sich wünschen, vor allem, wenn das Baby viel schreie oder zurückweisend auf Körperkontakt reagiere, sagte der Ärztliche Direktor des Sozialpädiatrischen Zentrums, Andreas Oberle. Frühzeitige Hilfe trage dazu bei, belastende Situationen zu entschärfen und die Beziehung zwischen Mutter, Vater und Kind positiv zu beeinflussen.

Professionelle Hilfe - abgestimmt auf das Kind und die Situation der Eltern - bietet die Baby-Sprechzeit im Sozialpädiatrischen Zentrum mit einem interdisziplinären Team aus Psychologen, Kinderärzten und Therapeuten. Neben Information und Beratung sowie kinderärztlichen Untersuchungen gibt es dort Eltern-Kind-Therapien. Zudem werden unterstützende Angebote eingeleitet. Die Überweisung ins Sozialpädiatrische Zentrum erfolgt durch den Kinderarzt.

Ein aktualisiertes Faltblatt mit dem Titel "Babys nicht schütteln! Schütteln ist lebensgefährlich" hilft ebenfalls, die Kleinsten zu schützen und Eltern aufzuklären. Das Papier wird von Geburtsstationen, Kinderkliniken, Ärzten und Beratungsstellen der Landratsämter an Eltern ausgegeben.
Donnerstag, 18.05.2017