Aktuelles
  •  

Projektversuch "Mooswand": Moos hat hitzefrei

Es ist ein Projektversuch, den es in dieser Art bisher nicht gab: Erstmals in Baden-Württemberg wurde eine Wand mit Moosen errichtet, um Schadstoffe aus der Luft zu filtern. Die Mooswand befindet sich auf einem Grünstreifen direkt an der Cannstatter Straße und ist 100 Meter lang und drei Meter hoch. Insgesamt wurden 3,6 Tonnen Moos an der Wand befestigt.

In den Sommermonaten färbt sich das eigentlich grüne Moos braun - eine Schutzfunktion der Moose: "Die Moose befinden sich bei hohen sommerlichen Temperaturen in einer witterungsbedingten Trockenstarre. Das heißt, die Feinstaub-Aufnahme ist zwar reduziert, aber die Moose leben und arbeiten trotzdem", erklärt Rainer Kapp vom Amt für Umweltschutz.

Projektversuch 'Mooswand': Moos hat hitzefreiIn den Sommermonaten färbt sich das eigentlich grüne Moos braun - eine Schutzfunktion der Moose. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

"Es sieht zwar vertrocknet aus, ist es aber nicht"

Das Naturkundemuseum, das den Projektversuch wissenschaftlich begleitet, überprüft die Vitalität der Moose wöchentlich. "Trotz der hohen Temperaturen in den letzten Tagen ist das Moos in einem vitalen Zustand. Es sieht zwar vertrocknet aus, ist es aber nicht", so Sonja Thielen vom Naturkundemuseum.

Die unteren, älteren Blätter des so genannten Widerton-Mooses, das an der Wand angebracht ist, färben sich nämlich bei Trockenheit braun. Gleichzeitig verdecken sie die oberen, jüngeren Blätter, die noch grün sind und zusammenklappen. Bei Nässe gehen die Blätter von der Trockenstarre in einen aktiven Zustand über und die Blätter entfalten sich wieder. Deshalb sei es wichtig, die Moose regelmäßig zu bewässern, erklärt Thielen.

Bewässerungssystem und Beschattungsnetze

Dies geschieht mithilfe eines eigens für die Mooswand entwickeltes Bewässerungssystem, das hinter der Mooswand angebracht wurde. Es besprüht die Moose morgens und abends mit Regenwasser ähnlichem Wasser. Bei besonders heißen Temperaturen besteht zudem die Möglichkeit, die Mooswand mithilfe von Beschattungsnetzen abzuhängen. Aktuell wird der Sonnenschutz aber aufgrund von laufenden Probenahmen der Biologen und Messungen an der Wand nicht heruntergerollt.

Im Herbst, wenn aufgrund der Wetterlage die Tage mit hoher Feinstaub-Belastung wieder zunehmen, nehmen die Moose wieder in vollem Umfang "ihren Dienst auf": "Weniger Sonne, mehr Feuchte und mehr Kühle bedeuten bessere Bedingungen für die Moose. Schadstoffe wie Feinstaub und Stickoxid können dann wieder besser gebunden werden", erklärt Rainer Kapp vom Umweltamt. Bis dahin habe das Moos eben "hitzefrei".

Erste Ergebnisse voraussichtlich Ende des Jahres

Der Projektversuch "Mooswand" ist zunächst auf zwei Jahre angelegt. Zur Durchführung hat der Gemeinderat Mittel in Höhe von 388.000 Euro bereitgestellt. Zudem fördert das Verkehrsministerium Baden-Württemberg die Studie mit 170.233 Euro.

Unter wissenschaftlicher Begleitung soll herausgefunden werden, ob sich Moose dazu eignen, auch unter Realbedingungen, etwa an vielbefahrenen Straßen, Feinstaub-Partikel aus der Atmosphäre zu filtern. Dies konnte bislang nur im Labor nachgewiesen werden. Mit ersten Ergebnissen rechnen die Experten bis Ende des Jahres.