Aktuelles
  •  

Bahndirektion im Schwebezustand

Die ehemalige Bundesbahndirektion an der Heilbronner Straße stand lange auf zahlreichen Bohrpfählen. Stück für Stück werden diese entfernt, sodass das Gebäude zu "schweben" beginnt.

Die DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH kommt bei einer der technisch komplexesten Teilmaßnahmen innerhalb des Gesamtprojekts am Nordkopf der Talquerung zügig voran. Das Gebäude der früheren  denkmalgeschützten Bundesbahndirektion, unter der die Züge in den zukünf­tigen Hauptbahnhof rollen, ist ­soweit unterfangen, dass bereits mit dem Aushub für den Bahnhofstrog begonnen werden konnte.
 
Baustelle S21Überblick über die Baustelle: Die zwei Röhren des Durchgangsbahnhofs sollen direkt unter der zwischen 1911 und 1912 gebauten ehemaligen Bahndirektion hindurchführen. Teile des Gebäudes wurden auf gut 500 Mikropfähle gesetzt, die jeweils nur 20 Zentimeter Durchmesser haben. Foto: DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH Der Komplex der Bahndirektion liegt mit seinem nördlichen, 15 000 Tonnen schweren ­Gebäudetrakt innerhalb des Baufeldes des künftigen Hauptbahnhofs und ragt dadurch später in die Baugrube hinein. Aus diesem Grund musste der Bau in mehreren Stufen neu gegründet und ­abgefangen werden.

In einem ersten Schritt gab es vorbereitende Arbeiten, um die einstige Bundesbahndirektion inklusive ihrer Keller abfangen zu können. Danach wurden neben den ursprünglichen Fundamenten und tragenden Wänden Mikropfähle (Durchmesser: jeweils 20 Zentimeter) zwischen fünf und neun Meter tief in den Untergrund getrieben und mit sogenannten Streichbalken überbetoniert. Auf den Streichbalken und Mikropfählen lastete dann das Gewicht des ganzen Gebäudes.

Erdaushub für den Bau des Bahnhofstrogs hat begonnen

Im Anschluss an diese erste Lastumlagerung konnte die gesamte Fläche unterhalb des Gebäudes etwa zwei Meter tief ausgehoben werden. Dieser Bereich war somit frei, um - ebenfalls aus Beton - eine vorgespannte Abfangplatte herstellen zu können, die wiederum auf zuvor eingebrachten und mit hydrau­lischen Pressen versehenen Großbohrpfählen lagert.

Nach Fertigstellung der ­Abfangplatte wurde die Last der einstigen Bahndirektion ein zweites Mal umgelagert. In diesem Stadium befindet sich das Gebäude aktuell. Mit dem Erdaushub für den Bau des Bahnhofstrogs unmittelbar ­unterhalb des Gebäudekomplexes wurde bereits begonnen. Die nicht mehr benötigten Mikropfähle aus der ersten Lastumlagerung sind inzwischen weitgehend gekappt. Nach erfolgtem Aushub bis zu einer Tiefe von ­circa elf Meter entsteht dort jener Abschnitt der Talquerung, der die Bahnsteighalle mit ihren charakteristischen Lichtaugen und den Tunnel Richtung Feuerbach und Bad Cannstatt verbindet.

Ist der Durchgangsbahn-hof für Stuttgart 21 in diesem Bereich fertig, wird der Spalt zwischen der Abfangplatte und der Bahnhofsdecke "kraftschlüssig verpresst", so die Fachleute. Die Lasten werden in dieser letzten Phase der Maßnahme auf den späteren unterirdischen Bahnhof umgelagert. Dieses aufwen­dige Verfahren kombiniert Brückenbau und Spezialtiefbau in spektakulärer Weise.

Mit der 50 Millionen Euro teuren Baumaßnahme am Nordkopf wird der Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudetrakts gewährleistet. Ursprünglich hat die Bahn das Gebäude abreißen wollen, um den Tunnel in offener Bauweise kostensparender bauen zu können. Sie war ­damit jedoch unter anderem auf den Widerstand von Gemeinderat und Stadtverwaltung gestoßen.