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Reise in den Tod: Am 22. August 1942 wurden mehr als 1000 Juden vom Sammellager auf dem Killesberg nach Theresienstadt deportiert

Am Dienstag, 22. August 2017, jährt sich zum 75. Mal der Tag, an dem mehr als 1000 Juden aus Württemberg vom Sammellager auf dem Killesberg in das von den Nazis propagierte "Altersghetto" Theresienstadt deportiert wurden.
Die Deportation nach Theresienstadt war die letzte einer übergroßen Zahl an Opfern, die auf dem Killesberg in einem Sammellager zusammengetrieben wurden. Auf der Gestapo-Liste waren unter dem "Betreff: 'Abschiebung von Juden' 1087 Personen, vornehmlich Alte und Kranke, aus ganz Württemberg aufgeführt. 356 Personen kamen aus Stuttgart.

Sammellager auf dem KillesbergWährend ihres Aufenthalts im Sammellager auf dem Killesberg waren die jüdischen Mitbürger unter den erbärmlichsten und unwürdigsten Bedingungen untergebacht. Foto: Stadtarchiv Stuttgart
Schon ab dem 18. August waren sie in das Lager eingewiesen worden. Um den Wohnungsmarkt der Stadt zu entlasten, hatte die Gestapo im Hotel Silber die meisten von ihnen in den Jahren vorweg in die provisorischen Altersheime nach Dellmensingen, Haigerloch oder Eschenau zwangsumgesiedelt.
 
Mit dem Eintritt ins Sammellager verloren die jüdischen Mitbürger (laut der 11. Verordnung zum Staatsbürgergesetz) die deutsche Staatsbürgerschaft. Ihr gesamter Besitz, seien es Hausrat oder Erspartes, Wohneigentum oder Grund und Boden, fiel an das Deutsche Reich. Ein jeder auf der Liste hatte den Finanzbeamten den Verfall seiner Habe mit seiner Unterschrift zu "besiegeln". Zwar blieb jedem einzelnen von ihnen ein Anspruch auf 55 Reichsmark Handgeld, doch sie alle wurden gleichzeitig gezwungen, für die Reisekosten 50 Reichsmark und für den Proviant fünf Reichsmark zu bezahlen.

Zudem regelte die Verwaltung im Sammellager, dass die wenigen, welche noch über eine Summe von 2000 Reichsmark sowie ein monatliches Pflegegeld von 180 Reichsmark verfügen konnten, gezwungen wurden, einen "Heimeinkaufsvertrag" abzuschließen. Ihnen wurde zugesagt, dass sie für dieses Entgelt in Theresienstadt für fünf Jahre Anspruch auf Unterkunft, Verpflegung und ärztliche Betreuung haben sollten. Alles war in diesem Kauf geregelt, selbst die Verwaltungskosten für die Zustellungsurkunde stellte man ihnen in Rechnung: 0,90 Reichsmark für die Zustellung, 0,20 Reichsmark für den Gerichtsvollzieher und 0,05 Reichsmark für den Vordruck.
 
Im Sammellager waren sie, meist Alte, Kranke und Verzweifelte unter den erbärmlichsten und unwürdigsten Bedingungen untergebacht. In den drei Nächten bis zur "Reise in den Tod" müssen sich furchtbare Szenen abgespielt haben.

(Quelle: Zeichen der Erinnerung e.V.)
Dienstag, 22.08.2017