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Lehreraustausch ist Versöhnungs- und Friedensprojekt

Jugendliche aus Israel und Deutschland können an zahlreichen Austauschprogrammen teilnehmen, die mit öffentlichen Mitteln gefördert werden. Aber Lehrer, die an einer Schule des jeweiligen Gastlandes hospitieren und unterrichten dürfen? Möglich macht dies das Projekt Lehreraustausch, das 1996 von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Stuttgart (GCJZ) und dem Oberschulamt Stuttgart ins Leben gerufen wurde.

Deutsch-israelischer LehreraustauschVon links: Bürgermeister Martin Schairer traf sich in seiner Funktion als Vorsitzender und Sprecher der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Stuttgart (GCJZ) zu einem Gespräch mit Wolfgang Maresch, Projektbeauftragter der GCJZ, Renate Bagel, ehemalige Projektverantwortliche des Regierungspräsidiums Stuttgart (RPS), Yonathan Bar-On, Lehrer am Leo Baeck Education Center in Haifa, Eric Sauter, Lehrer am Remstal-Gymnasium Weinstadt und Christana Stengel, Projektverantwortliche des RPS. Foto: Kraufmann/Thomas Hörner "Trotz der Unterschiede zwischen hier und dort ist es dieselbe Leidenschaft auf beiden Seiten, jungen Menschen etwas beibringen zu wollen", berichtet der Pädagoge Yonathan Bar-On aus Israel in einem Gespräch, zu dem der Bürgermeister für Sicherheit, Ordnung und Sport, Martin Schairer, in seiner Funktion als Evangelischer Vorsitzender und Sprecher der GCJZ anlässlich des aktuellen Lehreraustauschs ins Stuttgarter Rathaus eingeladen hatte. Weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren Eric Sauter, Lehrer am Remstal-Gymnasium Weinstadt, Christana Stengel vom Regierungspräsidium Stuttgart (RPS) als Projektverantwortliche, Wolfgang Maresch, Projektbeauftragter der GCJZ und Renate Bagel, die im RPS zehn Jahre für den internationalen Schüler- und Lehreraustausch zuständig war.

Bar-On ist Lehrer am Leo Baeck Education Center (LBEC) in Haifa. Dort werden 2300 jüdische, christliche und muslimisch-arabische Kinder und Jugendliche unterrichtet. Leitgedanke der Schule ist, junge Menschen zu gegenseitiger Achtung und Toleranz zu erziehen. Eric Sauter geht in den kommenden Herbstferien für zwei Wochen als Austauschlehrer nach Haifa und freut sich schon auf den Besuch. "Ich bin gespannt auf die Fragen der jungen Israelis", sagt er. Ein "ehrliches Bild von Deutschland" wolle er in Israel vermitteln, so Sauter, das Bild eines "weltoffenen Landes". Er findet es schade, dass im Unterricht in Deutschlands Schulen das moderne Israel zu wenig thematisiert werde.

Wichtige Zusammenarbeit

Schairer nennt das Programm ein "Versöhnungs- und Friedensprojekt" mit einem "interreligiösen, interkulturellen und interpolitischen" Auftrag. "Der Austausch ist eine ganz wichtige Säule der Zusammenarbeit und funktioniert nur, wenn sich Menschen engagieren", erklärt er.

Renate Bagel und Wolfgang Maresch belebten das Austauschprogramm vor einigen Jahren neu, nachdem es eine Zeit lang ins Stocken geraten war.

Jährlich nehmen eine deutsche und eine israelische Lehrkraft an dem Austausch teil. Ziel des Programms ist es, das Verständnis für die jeweils andere Kultur zu fördern. Bei den Schülern werden die Lehrer zu wertvollen Multiplikatoren. "An den hiesigen Schulen kam ich mit fast 400 Schülern zusammen", berichtet Bar-On, der sich auch in der Rolle eines Botschafters für gegenseitige Verständigung sieht. Der Pädagoge und einstige Protestant stammt aus Holland, konvertierte zum Judentum und wanderte 1995 nach Israel ein. Bar-On besuchte Klassen am Wirtschaftsgymnasium in Leonberg, am Schickhardt-Gymnasium Herrenberg und am Remstal-Gymnasium Weinstadt.

Über das Austauschprogramm

Die Austauschlehrer unterrichten zwei Wochen im Gastland und sind in Projekte eingebunden. Auf baden-württembergischer Seite waren bisher Lehrkräfte aus allen weiterführenden Schularten beteiligt. Partner auf israelischer Seite ist das LBEC in Haifa.

Die Unterrichtssprache in Israel ist neben Hebräisch auch Englisch. Interessierte Lehrer bewerben sich bei der GCJZ in Stuttgart. Das Angebot richtet sich vor allem an Lehrkräfte im Zuständigkeitsbereich des RPS. Über Bewerbungen aus anderen Regierungsbezirken wird im Einzelfall entschieden.

Ermöglicht wird der Austausch durch die finanzielle Unterstützung des Stuttgarter Lehrhauses und der Stifter-Familie Blickle (siehe auch unter www.stuttgarter-lehrhaus.de). Die Flugkosten werden von den Teilnehmern selbst getragen. Ansprechpartner in Deutschland sind Binah Rosenkranz und Wolfgang Maresch für die GCJZ unter www.gcjz-stuttgart.de sowie Christana Stengel für das RPS.

Montag, 09.10.2017