57. Kompositionspreis 2012

Der 57. Kompositionspreis der Landeshauptstadt Stuttgart 2012 wurde am 7. Februar 2013 an den in Karlsruhe lebenden Komponisten Vito Zuraj und den in Berlin lebenden Komponisten Héctor Moro verliehen.

Zuraj wurde für das Werk "Changeover" für Instrumentalsolisten und Sinfonieorchester (2011) mit dem ersten Preis ausgezeichnet, und Moro für "Lichtzwang" (2002-2008) mit dem zweiten Preis. Der erste Preis war 8000 Euro dotiert, der zweite mit 4000.

Das Preisträgerkonzert und die Übergabe der Urkunden erfolgten im Rahmen des Festivals Neue Musik Stuttgart ECLAT am 7. Februar 2013 im Kunstmuseum Stuttgart. Aufgeführt wurden Moros "Lichtzwang" und Zurajs Komposition "Top Spin" für Schlagzeugtrio. Die Aufführung des mit dem Kompositionspreis ausgezeichneten Werks "Changeover" durch das Radiosinfonieorchester Stuttgart (RSO) musste wegen des erforderlichen Aufwands auf den 15. März 2013 in ein Konzert des RSO in der Reihe Attacca des SWR geschoben werden.

Um den 57. Kompositionspreis der Landeshauptstadt Stuttgart 2012 hatten sich 20 Komponistinnen und 66 Komponisten mit insgesamt 163 Werken beworben.

Kompositionspreis 2012 - Ehrung 2013Vergrößern
Nach der Preisübergabe. Von links nach rechts: OBM Fritz Kuhn, Héctor Moro, Vito Zuraj, Hans-Peter Jahn (SWR, Musik der Jahrhunderte). Foto: Tom Hoerner

Aus der Begründung der Jury

Vito Zurajs "Changeover" für großes Orchester ist eine brillant gesetzte Partitur für insgesamt 114 Instrumente, von denen einige um das Publikum im Raum verteilt sind. In seiner blockartigen Gesamtstruktur erfindet das Werk Klangwelten und Klangwechsel, die von großer Kennerschaft zeugen. Die Klangsprache ist spektakulär, die Dramaturgie der Komposition überraschend und die Materialbeherrschung in der Behandlung unerwarteter Geräuschsäulen und -orkane beeindruckend.

Hector Moros "Lichtzwang" für Bassklarinette, Akkordeon und Posaune schafft mit diesen drei Instrumenten eine Klangsensibilität vom Feinsten und überrachende Mixturen. Innerhalb der Komposition werden verschiedene Stadien durchwandert. Dabei ist jede Aktion subtil ausgehorcht und dennoch in einen dramatischen, logisch konsequenten Fortlauf eingebettet, ohne jemals dabei die expressive Komponente zu verlieren. In der Einfachheit der Mittel entfacht die Komposition eine raffinierte und zugleich klangsinnliche Aura.

Vito Zuraj

Vito Zuraj, geboren am 7. Mai 1979 in Maribor, Slowenien, studierte 1997 bis 2002 Komposition und Musiktheorie bei Prof. Marko Mihevc an der Musikakademie Ljubljana, Slowenien. Das Erasmusprogramm ermöglichte ihm ein Kompositionsstudium bei Prof. Jörg Herchet an der Hochschule für Musik "Carl Maria Weber" in Dresden.

Nach Kompositionskursen bei Prof. Michael Jarrell (Lugano), Prof. Lothar Voigtländer (Dresden) legte er 2004-2006 sein Solistenexamen Komposition bei Prof. Wolfgang Rihm an der Hochschule für Musik in Karlsruhe mit Auszeichnung ab.

Von 2006 bis 2009 bildete sich Zuraj durch ein Studium für Musikinformatik bei Prof. Dr. Thomas A. Troge an der Hochschule für Musik in Karlsruhe ab. Dieses schloss er mit dem Master of Arts ab. Anschließend erwarb er den Master of Arts beim Kompositionsstudium bei IEMA in Frankfurt am Main. Er war 2010 Stipendiat des Experimentalstudios des SWR Freiburg und 2010 bis 2012 der Akademie Musiktheater der Deutsche Bank Stiftung. Seit 2007 hat er außerdem einen Lehrauftrag für Instrumentenkunde, Instrumentation und Gregorianischen Choral an der Hochschule für Musik in Karlsruhe.

Zuraj wurde unter anderem mit dem Orchesterpreis der Saarbrücker Orchesterwerkstatt (2009), dem 3. Preis beim Kompositionswettbewerb Düsseldorfer Orgelbuch (2007) sowie 2007, 2008 und 2009 mit den Förderpreisen VERS 1.3, VERS 1.4 und VERS 1.5 der Stiftskirche Stuttgart ausgezeichnet.

Sein Werkverzeichnis umfasst neun Werke für Sinfonieorchester, 22 Kammermusiken, sechs Solowerke und sieben Elektro-Akustische Werke.

57. Kompositionspreis 2012 - Vito ZurajVergrößern
Vito Zuraj. Foto: privat

Héctor Moro

Héctor Moro, geboren am 29. September 1065, in Calama, Chile, studierte 1983 bis 1990 Schlagzeug und Komposition an der Katholischen Universität Santiago de Chile. Nach dem Abschlussdiplom mit Auszeichnung für Orchestermusik folgten 1991 bis 1994 auf der Basis eines DAAD-Stipendiums ein Aufbaustudium Schlagzeug bei Prof. Bernhard Wulff an der Musikhochschule Freiburg und 1996 bis 2000 für Komposition bei Prof. Mathias Spahlinger und Elektronische Musik bei Prof. Mesías Maiguashca an der Staatlichen Musikhochschule in Freiburg, das er mit dem Konzertexamen "mit Auszeichnung" abschloss.

Moro wurde 1988 und 1989 an der Katholischen Universität Santiago de Chile als bester Student seines Jahrgangs ausgezeichnet. 1992, 1994, 1998 und 2002 erhielt er Stipendien der "Internationalen Kurse für Neue Musik", Darmstadt, 2000 bis 2001 an der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart, 2003 am "Akiyoshidai International Art Village" in Japan und 2004 am "Künstlerhof Schreyahn" in Niedersachsen.

1996 wurde Moro für das vom Ensemble Modern und der Gesellschaft für Neue Musik organisierten "2. Nachwuchsforum für Junge Komponisten" ausgewählt und 2000 mit dem Ersten Preis beim "6. Internationalen Wettbewerb für Junge Kultur" in Düsseldorf ausgezeichnet. Seit 1997 erhielt er zudem  Kompositionsaufträge vom Ensemble Modern, SWR Vokalensemble, der Pro-Helvetia-Stiftung, den Neuen Vocalsolisten Stuttgart und anderen. Er nahm unter anderem an den Festivals "Eclat" in Stuttgart, "Musica Viva" in München, und "Neue Musik Rümmelingen" in Basel teil.

Moro hat sich durch eine Intensive Zusammenarbeit mit Solisten wie Uwe Dierksen, Sascha Armbruster und den verstorbenen Wolfgang Stryi; und als Mitbegründer des Trio Frissons, mit der Improvisierten- bzw. Elektronischen Musik auseinandergesetzt. Er war mehrmals Lehrbeauftragter für Experimentelle Musik an der Universität der Künste in Berlin, Stadt in der 2012 auch lebt.

57. Kompositionspreis 2012 - Héctor MoroVergrößern
Héctor Moro. Foto: privat