Gustav-Siegle-Haus: Bauauftrag bis 1944

Bau durch Prof. Theodor Fischer

Im Jahr 1907 wurde der Architekt Theodor Fischer mit dem Bau eines Kulturhauses beauftragt - gemäß dem Stiftungszweck der Gustav-Siegle-Stiftung. Fischer war Professor an der Stuttgarter Technischen Hochschule und zählte vor dem ersten Weltkrieg zu den bedeutendsten deutschen Architekten.

Von ihm stammen die Erlöserkirche und die Prinzregentenbrücke in München sowie das Bismarckdenkmal am Starnberger See. In Stuttgart war er für den Umbau der Landesbank, den Bau einer Schule an der Heusteigstraße und der Erlöserkirche an der Birkenwaldstraße verantwortlich. Fast gleichzeitig mit dem Gustav-Siegle-Haus konnte auch das Kunstgebäude am Schloßplatz, Siegles bedeutendste Stuttgarter Schöpfung, fertig gestellt werden.

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Das Gustav-Siegle-Haus 1930. Fotos: Stadtarchiv

Einweihung 1912

Das Gustav-Siegle-Haus wurde 1912, fünf Jahre nach Beginn des Baus, fertig gestellt. Die feierliche Einweihung des repräsentativen Gebäudes am Leonhardsplatz 28 zwischen Bohnenviertel und Leonhardskirche war am 6. Oktober 1912. Dr. Johann von Pischek, damaliger Innenminister und Leiter der Stiftung, hielt die Einweihungsrede.

Das Gebäude konnte in seinem großen Saal 1.200, im kleinen Saal ca. 200 Personen aufnehmen. Auch die Musikalische Volksbibliothek, der Graphische Klub sowie die Künstlergesellschaft Schlaraffia fanden im Gustav-Siegle-Haus eine neue Heimstätte. Im Erdgeschoss befand sich in mehreren Räumen ein Postamt.

1912 bis 1944

Die Idee, dass das Gustav-Siegle-Haus ein Ort der Kulturvermittlung für alle Bürgerinnen und Bürger sei, wurde gleich in die Tat umgesetzt:
Bis zur Zerstörung 1944 fanden zahlreiche Veranstaltungen in dem Gebäude statt. Namenhafte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur referierten im Gustav-Siegle-Haus, beispielsweise Gustav Stresemann, der damalige Außenminister der Weimarer Republik, Rudolf Steiner, der Kulturphilosoph und Begründer der Anthroposophie, und der Politiker Franz von Liszt. Gerhart Hauptmann las hier aus seinen Schriften ebenso wie Albert Schweitzer, der 1929 im Gustav-Siegle-Haus auftrat und anschließend in der Stiftskirche ein Orgelkonzert spielte.

Im Juli 1944 wurde das Gustav-Siegle-Haus bei einem Fliegerangriff weitgehend zerstört und konnte nicht weiter genutzt werden.



Zerstörtes Dach des Gustav-Siegle-HausesVergrößern
Das zerstörte Dach des Siegle-Hauses, um 1945-49. Foto: Stadtarchiv Stuttgart

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