Hegel-Preis 2012 - Prof. Dr. Gertrude Lübbe-Wolff

Die Landeshauptstadt Stuttgart hat den 15. Hegel-Preis am 24. Juli 2012 an die Verfassungsrichterin Professor Dr. Gertrude Lübbe-Wolff. Sie würdigt damit die wissenschaftliche Arbeit der Juristin, die sich in ihren Studien intensiv mit der Hegelschen Rechtsphilosophie befasst. Der Preis ist mit 12.000 Euro dotiert.

Dokumentation

Biographie

Gertrude Lübbe-Wolff wurde am 31. Januar 1953 in Weitensfeld / Kärnten geboren. Sie studierte von 1969 bis 1977 Rechtswissenschaft in Bielefeld, Freiburg und an der Harvard Law School (LLM). Ihre Referendarsausbildung beendete sie in Freiburg. 1980 erfolgte die Promotion in Freiburg.

Von 1979 bis 1987 arbeitete Lübbe-Wolff als wissenschaftliche Assistentin/Hochschulassistentin an der Universität Bielefeld. 1987 folgte die Habilitation an der Universität Bielefeld, mit der Lehrberechtigung für die Fächer öffentliches Recht, Verfassungsgeschichte der Neuzeit und Rechtsphilosophie. 1988 bis 1992 war sie Leiterin des Umweltamtes der Stadt Bielefeld.

Seit 1992 ist sie Professorin für Öffentliches Recht an der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Bielefeld. 1996 bis 2000 war Lübbe-Wolff stellvertretendes Wahlmitglied des Verfassungsgerichtshofs Nordrhein-Westfalen und von 1996 bis März 2002 geschäftsführende Direktorin des Zentrums für interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld.

Den Vorsitz des Rates von Sachverständigen für Umweltfragen nahm sie von 2000 bis März 2002 wahr. Seit April 2002 ist sie Richterin des Bundesverfassungsgerichts. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder.

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Prof. Dr. Gertrude Lübbe-Wolff. Foto: Ralf Stockhoff

Begründung der Jury

Frau Prof. Dr. Gertrude Lübbe-Wolff, die seit dem Jahr 2002 Richterin am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe ist und daher ihre Professur für Öffentliches Recht an der Universität Bielefeld im Augenblick ruhen lässt, hat ihre im engeren Sinne juristische Tätigkeit stets mit einer artikulierten Bezugnahme auf die politische Philosophie Hegels verbunden.

Ihr Werk umfasst neben rechtswissenschaftlichen und rechtspolitischen Monographien eine Reihe von philosophischen Studien, die sich in profunder Weise mit der Absicht, dem Aufbau und den Konsequenzen der Hegelschen Rechtsphilosophie auseinandersetzen.

Die Verbindung zwischen diesen beiden scheinbar weit auseinander liegenden Beschäftigungsfeldern macht das Besondere und Hervorstechende ihres intellektuellen Profils aus: Aus ihrer Interpretation der politischen Philosophie Hegels zieht sie die Konsequenz, das öffentliche Recht vor allem mit der Aufgabe zu versehen, Gemeinwohlorientierungen derart in institutionellen Arrangements zu verstetigen, dass bloß moralische Appelle überflüssig werden. Hierdurch vermag sie Hegels Moralitätskritik und seine Idee einer politischer Sittlichkeit, die das Individuum nicht als den abstrakten Ausgangspunkt moralischer Urteile, sondern als innerhalb von Institutionen gebildet begreift, im Rahmen des freiheitlich-demokratischen Rechtsstaates neu zur Geltung zu bringen.

In dieser rechtspolitischen Umsetzung des Hegelschen Erbes, die in die konkrete Gestaltung unseres Gemeinwesens eingreift, erblickt die Jury eine Leistung, die es aufgrund ihrer beeindruckenden Originalität, ihrer zeitdiagnostischen Hellsichtigkeit und ihrer praktischen Vernunft in besonderem Maße verdient, mit dem Hegel-Preis der Stadt Stuttgart ausgezeichnet zu werden.

Jury

Zur Vorbereitung der Entscheidung über die Preisverleihung fand am 27. Februar 2012 unter dem Vorsitz von Bürgermeisterin Dr. Eisenmann eine Jurysitzung mit dem Präsidenten der Internationalen Hegel-Vereinigung, Herrn Professor Dr. Axel Honneth, der Wissenschaftsjournalistin Dr. Franziska Augstein, dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Heinz Schlaffer und dem Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Michael Stolleis sowie Vertretern der Fraktionen des Gemeinderats und der Verwaltung statt. Die Jury hat sich einstimmig für Prof. Dr. Gertrude Lübbe-Wolff ausgesprochen.

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