Aktualisierung des Bodenschutz- und Altlastenkatasters

Seit Anfang 2012 wird das Bodenschutz- und Altlastenkataster jährlich auf den neuesten Stand gebracht.

Im Bodenschutz- und Altlastenkataster sind alle ehemaligen Gewerbe- und Industriestandorte, auf denen mit umweltgefährdenden Stoffen umgegangen wurde, sowie Auffüllungen, die mit umweltgefährdenden Abfällen verfüllt sein können, erfasst.
Die flächendeckende Erhebung erfolgte in den Jahren 1993 - 1996 und umfasste ehemalige Gewerbe- und Industriebetriebe und Auffüllungen von 1996 bis zurück in die 1850er Jahre. Die erste Aktualisierung fand von 2002 bis 2004 statt und umfasste die Gewerbeab- und -ummeldungen für die Zeit von Januar 1996 bis Juli 2002.
2012 wurde das Bodenschutz- und Altlastenkataster um die Gewerbeab- und Ummeldungen aus dem Zeitraum Juli 2002 bis Dez. 2009 ergänzt.

Altlastenkataster GIS (Großansicht)VergrößernBodenschutz- und Altlastenkataster Stuttgart. Grafik: Stadt StuttgartBodenschutz- und Altlastenkataster Stuttgart. Grafik: Stadt Stuttgart



Ablauf und Auswertung 2012

Arbeitsgrundlagen waren im Wesentlichen die Gewerbeab- und -ummeldungen aus dem Gewerberegister, Ausscheiderlisten der vorangegangenen Erfassung, die Daten der VAwS-Datenbank sowie die digitale Stadtkarte Stuttgart. VAwS steht für Anlagenverordnung wassergefährdende Stoffe.
Von ursprünglich 133.762 Nennungen in den Listen der Gewerbeab- und -ummeldungen blieben nach verschiedenen Arbeitsschritten ("halbautomatisch" durch die Verwendung von Selektions- und Filterfunktionen in Excel) noch 4198 Nennungen übrig. Anschließend wurde eine individuelle, manuelle Prüfung der verbliebenen Nennungen durchgeführt. Hier wurden Gewerbe ausgeschieden, denen zwar vom Sachbearbeiter beim Amt für öffentliche Ordnung eine Branche zugeordnet wurde, die im Branchenschlüssel als altlastrelevant eingestuft ist,  die Tätigkeitsbeschreibung jedoch keine Altlastenrelevanz erwarten lässt. Typische Beispiele sind Kurierdienst (WZ 49.41 Güterbeförderung im Straßenverkehr) oder Trockenbauer (WZ 41.20 Bau von Gebäuden). Insgesamt ergaben sämtliche Arbeitsschritte der Adresspoolerstellung sowie der Zusammenführung von Ab- und Ummeldungen (ggf. können mehrere Ummeldungen für denselben Betrieb vorliegen) 868 altlastrelevante Gewerbemeldungen.
Bei der anschließenden Relevanzprüfung wurden diese 868 Gewerbemeldungen überprüft, ob eine primäre Altlastenrelevanz besteht und ob letztendlich eine Bearbeitung im Rahmen der terrestrischen Erfassung (mit Ortsbesichtigung) erforderlich wird. Die 868 Gewerbebetriebe verteilten sich (wegen Mehrfachnennungen bei den Adressen) auf insgesamt 766 Flächen.
Für 125 Standorte (16,5 %) der im Adresspool aufgeführten Betriebe war eine terrestrische Erfassung angeraten. Weitere 162 Flächen (21,4 %) sind bereits in ISAS als Altlastverdachtsfläche erfasst. Hier wurden die bisher eingetragenen Betriebszeiträume geprüft und erforderlichenfalls ergänzt. Eine Vor-Ort Recherche ist für diese Flächen nicht notwendig. Weitere 469 Flächen sind entweder irrelevant (Wohn-, Büroadresse, Kleinstbetrieb) oder aktiv.
Nähere Einzelheiten und Details zu Inhalt und Ablauf der Auswertungen der Urliste bis zur Adresspoolerstellung entnehmen Sie dem Abschlussbericht
(Abschlussbericht Adresspoolerstellung zum Download).
Die Zahlen zeigen, dass eine große Anzahl der relevanten Betriebe Folgenutzungen auf bereits als altlastenverdächtig verzeichneten Flächen darstellen (162 Stück). Dies ist zu erwarten, da aufgrund der langen industriellen Nutzungsgeschichte der Stadt Stuttgart bereits viele gewerblich nutzbare Grundstücke im Altlastenkataster erfasst sind. Zukünftig wird sich dieser Trend noch verstärken, da kaum noch gewerblich genutzte/nutzbare "weiße Flächen" vorhanden sind und sofern keine großflächigen Neuausweisungen von Gewerbe/Industriestandorten auf der grünen Wiese stattfinden.

Ergebnisse der Auswertungen (inkl. Ortsbesichtigungen) 2012

OU : Handlungsbedarf = Orientierende Untersuchung
B    : Handlungsbedarf = Belassen zur Wiedervorlage
A    : Handlungsbedarf = Ausscheiden und Archivieren
Im terrestrischen Arbeitsschritt (d.h. mit Ortsbesichtigung) wurden insgesamt 125 Flächen überprüft. 32 Flächen waren bereits im Bodenschutz- und Altlastenkataster bekannt und wurden um Fachinformationen ergänzt. 93 Standorte waren neue Altlastverdachtsflächen. Die 93 neuen Flächen teilen sich auf in 20 OU-Fälle, 28 B-Fälle und 45 A-Fälle. Die Prozentanteile der OU- und B-Fälle lagen bei 22 % für OU-Fälle, bei 30 % für B-Fälle und 48 % für die A-Fälle, d.h. fast die Hälfte der neuen Flächen konnten gleich wieder ausgeschieden und archiviert werden.

Diagramm 2.Aktualisierung (Großansicht)VergrößernGrafik: Stadt StuttgartGrafik: Stadt Stuttgart

Die Verteilung der neuen Flächen auf die einzelnen Stadtbezirke war wie folgt: Weilimdorf hatte 10 neue Flächen, dicht gefolgt von Bad Cannstatt und Möhringen mit je 9, dann Zuffenhausen mit 8, Hedelfingen und West mit je 7, die restlichen Stadtbezirke hatten 5 und weniger neue Flächen.
Bei Flächen mit Handlungsbedarf = OU hatte Bad Cannstatt 6 Fälle, gefolgt von Wangen und Weilimdorf mit je 4 OU-Fällen, dann West und Zuffenhausen mit je 3 Fällen. Alle anderen Stadtbezirke hatten nur 1 oder 2 Flächen mit Handlungsbedarf = OU oder überhaupt keine OU-Fälle.
Nähere Einzelheiten entnehmen Sie bitte der Tabelle.

Tabelle

Ergebnisse der Aktualisierung 2012 von Altlastverdachtsflächen in Stuttgart
Tabelle Ergebnisse der AktualisierungVergrößern

Aufteilung nach Branchen 2012

Standorte, bei denen Handlungsbedarf für eine orientierende Untersuchung (OU) besteht, umfassen im wesentlichen die Branchen Maschinenbau/-fabrik , Großhandel oder Speditionen mit Eigenverbrauchstankstelle, Kfz-Werkstätten sowie wenige chemische Reinigungen und Lackier- bzw. Malerbetriebe.
Flächen mit Handlungsbedarf = A waren meist Wohn- bzw. Büroadressen von Betrieben oder bei den Standorten handelte es sich um gewerbliche Betriebe in kleinem Betriebsmaßstab mit kurzem Betriebszeitraum.

Aufteilung nach Gründungsjahr und Betriebszeitraum 2012

Die Mehrzahl der OU-Fälle umfasste Betriebe, deren Gründungsjahr in die 50er bis 80er Jahre zurückreicht und die im ausgewerteten Zeitraum 2002 bis 2009 ihren Betrieb schlossen oder wesentliche altlastrelevante Anlagen stilllegten.

Fortführung

Die Auswertung des Gewerberegisters im Hinblick auf altlastrelevante ehemalige Gewerbe- und Industriestandorte findet seit 2012 jährlich statt. Die neuen Zahlen werden jeweils im Folgejahr ins Bodenschutz- und Altlastenkataster der Landeshauptstadt Stuttgart eingepflegt.


 
 

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