Rückgang der Übergewichtsrate - jedoch nicht bei allen Kindern

Seit dem Jahr 2006 geht die Anzahl der übergewichtigen Kinder im Alter von 6 Jahren in Stuttgart zurück, nachdem die Zahl zuvor jahrelang angestiegen war. Dies zeigt eine Auswertung der Einschulungsuntersuchungen der Jahrgänge 2001 bis 2009.

2009 waren in Stuttgart 11 % der Sechsjährigen übergewichtig; Jungen und Mädchen sind gleichermaßen betroffen.

Es gibt jedoch auffällige Unterschiede zwischen Kindern mit verschiedenen Familiensprachen: Bei Kindern, die mehrsprachig oder deutsch erzogen wurden, geht die Übergewichtshäufigkeit im fraglichen Zeitraum von 17,8 % auf 12,9 % (mehrsprachig), bzw. von 7,8 % auf 6,3 % (deutsch) zurück. Die Übergewichtsrate bei fremdsprachig aufwachsenden Kindern hingegen bleibt konstant bei circa 18 %.

 
Hintergrund

Seit Jahren wird bei den regional durchgeführten Einschulungsuntersuchungen in Deutschland ein Anstieg der Übergewichtshäufigkeit festgestellt - so auch in der Landeshauptstadt Stuttgart. Das Robert Koch-Institut betätigt diesen Trend und konstatiert für den Zeitraum der letzten 25 Jahre einen Anstieg der Übergewichtshäufigkeit um 50 % deutschlandweit.

 
Zielsetzung

Im Rahmen der Einschulungsuntersuchung wird jedes Kind gemessen und gewogen, woraus der Body Mass Index berechnet und festgestellt werden kann, ob ein Kind für ein Alter und seine Körpergröße zu viel wiegt, also übergewichtig ist.

Da die Daten seit 2001 fast jährlich ausgewertet wurden, wollten wir die Entwicklung der Übergewichtshäufigkeit über die Jahre darstellen. Zweitens werden die Eltern bei der Untersuchung nach der Familiensprache gefragt. Deshalb wollten wir zusätzlich herausfinden, ob die Sprache, die in den Familien gesprochen wird im Hinblick auf das Übergewicht eine Rolle spielt.

 
Ergebnisse

Die Auswertung zeigt einen kontinuierlichen Anstieg der Übergewichtshäufigkeit in Stuttgart von 10,0 % auf 14,3 % im Jahr 2006. Im weiteren Verlauf ergibt sich bis zum Jahr 2009 ein Rückgang auf 11 %.

Die nach Familiensprache getrennten Daten machen deutlich, dass der Rückgang nicht in allen Gruppen gleichmäßig stattfindet, sondern lediglich die Kinder betrifft, die mehrsprachig oder deutsch erzogen wurden. In diesen beiden Gruppen ging die Übergewichtshäufigkeit im ausgewerteten Zeitraum von 17,8 % auf 12,9 % (mehrsprachig), bzw. von 7,8 % auf 6,3 % (deutsch) zurück. Die Übergewichtsrate bei fremdsprachig aufwachsenden Kindern hingegen bleibt konstant bei circa 18 %.

 
Konsequenzen

Die Ergebnisse der getrennten Auswertung nach Familiensprache lassen vermuten, dass hauptsächlich deutschsprachige Kinder von Präventionsprogrammen profitieren und Kinder oder Familien mit geringer deutscher Sprachkompetenz nicht erreicht werden. Dies bedeutet für die Kommunen erstens, dass Präventionsangebote genau dort platziert werden müssen, wo sich diese Kinder und Familien aufhalten, d.h. in Wohngebieten mit Armutsbevölkerung, in Migrantencommunities, usw. (Setting-Ansatz). Und es impliziert zweitens, dass Präventionsangebote neben ihrer eigentlichen Zielsetzung noch mehr sprachliche und kulturelle Unterschiede berücksichtigen müssen.

 

Der "Runde Tisch Prävention von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen" erarbeitete in Stuttgart eine Bestandsanalyse zu Präventionsangeboten sowie ein ganzes Paket an Handlungsempfehlungen zur Prävention von Übergewicht mit dem Oberziel "Stopp des Anstiegs an übergewichtigen Kindern in Stuttgart bis 2012".

 

Und auch das Gesundheitsprojekt "Mit Migranten für Migranten - MiMi" wird in Stuttgart genau hier tätig: Engagierte Migranten werden zu interkulturellen Gesundheitsmediatoren ausgebildet, d.h. sie werden in Gesundheitsthemen geschult und geben ihr erworbenes Wissen in ihrer jeweiligen Muttersprache an ihre Landsleute weiter.

 
 

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