2013 - Leopold Paul Rosenkranz

Am Montag, 4.März 2013, wurde Leopold Paul Rosenkranz mit der Otto-Hirsch-Auszeichnung 2013 geehrt.

Die Reden zum Anhören

Otto-Hirsch-Auszeichnung für Leopold RosenkranzVergrößern
Oberbürgermeister Fritz Kuhn übergibt die Otto-Hirsch-Auszeichnung an Leopold Paul Rosenkranz
Leopold Paul RosenkranzVergrößern
Foto Paul Rosenkranz. Foto: privat

Biographie von Leopold Paul Rosenkranz

Leopold Paul (Leibisch Pejssach) Rosenkranz wuchs nach seiner Geburt am 10. September 1922 in Radom in Polen auf; sein Vater war Rabbiner. Nach dem Besuch der jüdischen Grundschule und der polnischen Volksschule folgte das humanistische Gymnasium in Radom. Unter deutscher Besatzung wurde Leopold Paul Rosenkranz zunächst im Ghetto und später im Zwangsarbeits- und Konzentrationslager Radom interniert. Danach kam er in das Konzentrationslager Auschwitz, wo ihm sein 3 ½ jähriger Neffe Israel entrissen wurde, und danach in das KZ Vaihingen/Enz. Am 7. April 1945 befreiten ihn und die anderen Insassen französische Soldaten. Leopold Paul Rosenkranz verlor seine ganze Familie: "Das waren an die dreißig Personen, zum Schluss blieb nur ich übrig", äußerte er später in einem Interview.

In München, Tübingen und Stuttgart studierte er Philosophie, Psychologie und Kunstgeschichte sowie Geschichtswissenschaft; seit 1948 wurde er zum Gebrauchsgrafiker in Stuttgart ausgebildet. 1975 erlangte er das Diplom als Heilpädagoge. Seit 1992 ist Leopold Paul Rosenkranz Mitarbeiter des Alfred Kröner Verlags. Von 1977 bis 1994 wirkte er in unterschiedlichen Aufgabenfeldern in der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs.

Als Zeitzeuge der Shoah wandte sich Leopold Paul Rosenkranz in Vorträgen an Hochschulen, Volkshochschulen und Akademien, in Kirchengemeinden, als Autor und in den Medien, vor allem aber in der Begegnung mit Schüler/-innen aller Schularten an die Öffentlichkeit im Sinne eines aktiven christlich-jüdischen Dialogs über die Grenzen der Religionen hinweg. Das Werben für Toleranz und gegenseitigem Respekt als Grundlage eines gedeihlichen Zusammenlebens sind ihm ein Herzensanliegen und bis ins hohe Alter brachte er Besucherinnen und Besuchern der Gemeinde den jüdischen Glauben im Rahmen von Synagogenführungen nahe.

Die Kraft, über das Geschehene zu berichten, sich für einen Dialog und für die Verständigung von Juden und Nicht-Juden einzusetzen, bezog er aus seinem Schicksal, welches sein Leben zutiefst geprägt hat und welches er künftigen Generationen ersparen will. So hatte sich Leopold Paul Rosenkranz als Häftling im KZ geschworen, dass er für den Fall seines Überlebens den ersten Deutschen umbringen würde, dem er "draußen" begegnen würde. Doch dieser war ein kleines Kind, das nach seiner Mutter rief. Was tat er? Er nahm es an der Hand und suchte mit ihm die Mutter. Für den 23 jährigen Leopold Paul Rosenkranz ergab sich hier ein Schlüsselerlebnis: die Hoffnung darf man nicht aufgeben. Trotz allem.

Er steht damit stellvertretend für eine bereits weitestgehend verschwundene Generation. Eine Generation, die die KZ überlebt hatte, nach Stuttgart kam und hier blieb. Frauen und Männer der ersten Stunde, die die Gemeinden in Deutschland aufbauten und diese mit ihrem zumeist profunden jüdischen Wissen über Jahrzehnte nachhaltig geprägt haben.