Gedichte von Maja Merz (2. Preis beim Jugend-Lyrikwettbewerb 2013)

Depression

Ich kann sie nicht spüren
die Farben, die Klänge,
das pochende Lied der lebendigen Welt.
Geschlossene Türen,
die Narben, die Strenge,
die Schwermut der Wochen, ein Blatt, das fällt.

Ich brauche Geborgenheit, Wärme im Wissen,
dass alles was lebt nicht nur ist, sondern lebt!
Ich brauche die Sehnsucht nach Nähe, nach Ferne,
die Brust der Erde, die sich senkt und hebt.

Wie trotzt man der schreienden, schweigenden Stille,
der Leere, die gähnend, schleichend sich legt?
Wie treibt man den weinenden, scheintoten Willen,
das sterbende Herz, das lähmend kaum schlägt?

Ich suche Musik in den endlosen Weiten
der zweisamen, einsamen Einsamkeit.
Hier wo ich liege auf meinen schlechtesten Seiten
und hoffe - auf den Anfang .der Zeit.

Technik von heute

Jeder ist verkabelt und verkettet und vertaut.
Wohin man auch schaut,
man schreit nur noch laut ins Telefon, oder schreibt.
Wer redet schon? Wer hat Zeit?

Das Telefon ist ausgebrochen aus seiner Zelle.
Ausgeschlossen, dass ich wähle!
Mein Speicher ist ja schließlich voll!
Das ist Technik von heute! Das ist ungeheuer toll.

Wer will sich da noch sehen? Wer bewegt sich da vom Fleck?
Wer will da denn noch gehen? Wen stört das bisschen Speck?

Wer geht da noch nach draußen,
wenn er online surfen kann?
Und wer geht an sein Handy ran,
sieht er wer anruft doch schon von außen.

Wen kümmert die Natur,
wenn wir in virtuellen Welten
schön und stark sind nur- von Wahrheit keine Spur...
Doch was kann die noch gelten?

Man merkt, wie die Lust am Leben verschwindet,
aber Hauptsache ist doch, man verkabelt, verbindet,
vernetzt und hetzt den Planeten.
Ich habe nie darum gebeten.