Gedichte von Andrea Friedel (3. Preis beim Jugend-Lyrikwettbewerb 2013)

Tier der Traurigkeit

Du hast durch mich hindurch gesehen mit deinen Wimpern, die schwer sind.

Rauch über uns

Ich sagte: Ich will mich nicht verlieben.

Du hast mich nur ausgeweitet, ausgehöhlt — der Reißverschluss tat weh, dir war es egal.

Du hast nicht gefragt... nur
wei
ter
ge
ris
sen
Lächelnd entzwei geschnitten.

Ich breche an dir wie altes Porzellan - niemand will, nicht einmal ich selbst.

Du zerschneidest unsere Brustkörbe, biegst Rippen zu deinen,
durchwühlst Haar.
Schmeißt Gedanken fort — Ungefragt.

Ich hasse dich.

Herzschlag morgens, Herzschlag abends

In deinen Pupillen lauern verstorbene Tiere...
Glück mit Rotwein am Kinn
Ich weine durch dich hindurch und sage: Ich mag die Nacht nicht.

Das Mondmädchen

Der Mond malt ein Mädchengesicht mit
Herzwasser
Dünne Strichfinger reißen wunden
pflanzen Narbenwurzeln hinter die Stirndecke
Blasse Mädchenaugen haben
Rohrwurzeln
Verstopfte Herzklappen
Schwarzgefleckte Himmel

Jeden Abend

Der Mond hat es lieb