Gedichte von Isabell Lüder (4. Preis beim Jugend-Lyrikwettbewerb 2013)

Sonne, Stein und Staub

Warme Sonne in Afghanistan.
Verdorrte Grasbüschel zwischen unzähligen Steinen.
Grauer Staub auf schwarzen Kampfstiefeln.

Plötzlich ein Knall.
Die Druckwelle einer Explosion.
Schreiende Menschen.
Verwundete.
Ein toter Soldat.

Ich kann es nicht fassen.
Sinke nieder zu Boden,
auf die Knie.
Sonne verbrennt meinen Rücken.
Steine bohren sich in meine Haut.
Staub weht mir ins Gesicht,
lässt nicht zu, dass meine Tränen auf die ausgetrocknete Erde fallen.

Herr und Diener

Ich sehe Kinder die spielen, einen Hund der bellt,
einen Römer der einem Juden den Weg verstellt.
Er mustert ihn mit durchdringendem Blick.

Alle wissen, worum es dabei geht:
"He du, Sklave!" wird er sagen.
"Du kannst das hier für mich tragen!"
und wird auf das deuten, was vor ihm steht.+

"Herr", hebt der Hauptmann jetzt zu sprechen an,
er hält dabei Kopf und Augen gesenkt;
den Blick voll Dernut zu Boden gelenkt,
flehend, ob er seinen Knecht heilen kann.

Er sei es nicht wert, es sei nicht sein Recht,
doch könnten nicht Hunde uns etwas lehren,
die Krümel fressen vom Tisch ihrer Herren?
So sprach der Jud und gesund ward der Knecht.