Deutscher Wetterdienst und Amt für Umweltschutz erkunden künftiges Klima

In den vergangenen 130 Jahren ist es in Deutschland um rund ein Grad Celsius wärmer geworden. Diese Entwicklung macht sich besonders in Städten bemerkbar. Wie entwickelt sich das das Stadtklima bis 2050?

"Das Stuttgarter Stadtklima wird durch die charakteristische Kessellage geprägt. Im Guten wie im Schlechten. Deshalb ist es umso wichtiger, die klimatischen Veränderungen im Blick zu behalten und sie in der Stadtplanung zu berücksichtigen", sagt der Bürgermeister für Städtebau und Umwelt, Matthias Hahn.

Aus diesem Grund erarbeiten das Amt für Umweltschutz und der Deutsche Wetterdienst (DWD) eine Stadtklima-Studie 2050 für Stuttgart, die unter anderem flächendeckende Erkenntnisse über die gefühlte Temperatur liefert.

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Bürgermeister Hahn und Paul Becker von Deutschen Wetterdienst (rechts) starten Klimamessungen. Foto: Stephan Boskop

Basis für weitere Stadtplanung

Der DWD untersucht detailliert in den kommenden zwei Jahren das lokale Klima in Stuttgart. Die Ergebnisse werden mit Erkenntnissen des globalen Klimawandels verknüpft und in einem Modell für das zukünftige Stadtklima zusammengetragen.

"Wir untersuchen die Lufttemperatur, die Luftfeuchte, die Windgeschwindigkeit sowie die atmosphärische Strahlung und setzen die Werte in Relation zueinander. So erhalten wir objektive Erkenntnis über das Wärmeempfinden des menschlichen Körpers", sagt Vizepräsident und Mitglied im Vorstand des Deutschen Wetterdienstes Dr. Paul Becker. 

Diese Daten fließen in die Stadtplanung ein und sollen dazu beitragen, das vom Gemeinderat erst kürzlich beschlossene Klimawandelanpassungskonzept KLIMAKS umzusetzen.

"Durch die Stadtklima-Studie 2050 können wir die lokalen Auswirkungen des Klimawandels bewerten und letztlich ein günstiges Stadtklima sichern. Eine nachhaltige Stadtplanung kann so rechtzeitig und zukunftsweisend vorangebracht werden", sagt Hahn.

Erstmals in Deutschland

Der DWD misst in Stuttgart schwerpunktmäßig bei sommerlichen Hochdruckwetterlagen, weil diese oft zu einer erhöhten Wärmebelastung führen.

Weiterhin werden lokale Windsysteme vermessen, die durch Temperaturunterschiede zwischen dem Talkessel und den angrenzenden Hang- und Kuppenlagen entstehen. Anschließend wird analysiert, welchen Einfluss darauf die städtische Bebauung hat.

Becker: "Dass wir dies für eine ganze Stadt ermitteln, ist deutschlandweit einmalig. Auch für uns ist die Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt Stuttgart ein enormer Gewinn. Wir können die Auswirkungen des Klimawandels in verschiedenen Stadtstrukturen betrachten und das unter dem besonderen Aspekt der auf das Stadtklima von Stuttgart wirkenden lokalen Windsysteme."

Die Stadt und der DWD investieren für das Projekt insgesamt einen fünfstelligen Betrag. Gemessen wird an drei temporären Stationen im Talkessel, einer Halbhöhenlage und der den Talkessel umschließenden Hochfläche in Hohenheim.

Ein mit meteorologischen Messgeräten ausgestattetes Spezialfahrzeug des DWD wird daneben bei ausgewählten Wetterlagen im Stadtgebiet Temperatur und Feuchte entlang verschiedener Fahrtrouten messen.

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