Katastrophenschutz

Der Katastrophenschutz umfasst den Schutz von Menschen, Sachgütern, sowie der natürlichen Umwelt vor dem Eintritt und den Folgen einer Katastrophe (z.B. nukleare oder chemische Großschadensereignisse, Hochwasser, Waldbrände, Erdbeben).

Katastrophenschutz in der Umgebung kerntechnischer Anlagen: Jodprophylaxe

In der Umgebung von kerntechnischen Anlagen kann die Gefahr bestehen, dass bei einem Störfall radioaktive Stoffe freigesetzt werden. Eine der vielen Maßnahmen des Katastrophenschutzes wäre in diesem Ereignisfall die Ausgabe von Jodtabletten an die Bevölkerung. Entsprechend werden in Städten und Gemeinden rund um Kernkraftwerke Jodtabletten für diesen Zweck eingelagert oder von Zentrallagern zugeführt.

Jodtabletten

Jodtabletten sättigen in der angegebenen Dosierung und bei Einnahme zum empfohlenen Zeitpunkt die Schilddrüse mit Jod und verhindern damit die Speicherung radioaktiven Jods (sogenannte Jodblockade). Ansonsten würde die Schilddrüse das radioaktive Jod aus der Luft über die Atmung aufnehmen und einlagern, was Jahrzehnte später zu Schilddrüsenkrebs führen könnte. Durch die Strahlenschutzkommission wurde ein bundeseinheitlicher Rahmenkatalog erstellt, der von den Ländern und Gemeinden in besonderen Katastropheneinsatzplänen umgesetzt wurde. Hierbei ist die Entfernung zum jeweiligen Kernkraftwerk ausschlaggebend. Die Maßnahmen und Planungen für Stuttgart sind nachfolgend beschrieben.

JodtablettenVergrößern
Foto: Branddirektion

Fernzone (25 - 100 km Umkreis)

Stuttgart liegt jeweils innerhalb des 100 km-Umkreises der Kernkraftwerke (KKW) Neckarwestheim (ca. 25 km), Philippsburg (ca. 75 km) sowie Gundremmingen (ca. 95 km) - jeweils Luftlinie - . Entsprechend befindet sich Stuttgart in der jeweiligen Fernzonenplanung (25 - 100 km) dieser KKWs.

Karte Baden-Württemberg mit Kernkraftwerken



lila Kreis: 100 km um Stuttgart
roter Kreis: 25 km-Umkreis um das Kernkraftwerk Neckarwestheim (GKN)

In der Fernzone erhalten Kinder und Jugendliche von 0 bis 18 Jahren sowie Schwangere innerhalb von 12 Stunden nach Anordnung durch das Regierungspräsidium Stuttgart Jodtabletten. Die Jodtabletten (Blister mit 6 Tabletten) werden von Zentrallagern nach Stuttgart zugeführt und in den hierfür festgelegten Ausgabestellen im Stadtgebiet verteilt.

Die jeweiligen Ausgabestellen sind im "Stuttgarter Strassenverzeichnis der Ausgabestellen von Jodtabletten" aufgeführt:
Stuttgarter Straßenverzeichnis der Ausgabestellen von Jodtabletten für das KKW Neckarwestheim (PDF - 1,4 MB)

Ausgabestellen in Ihrer Nähe:

Kreuzen Sie zuerst ein Kernkraftwerk an, bevor Sie Ihre Straße in das Suchfeld oben auf der linken Seite der Karte eingeben.
Empfehlung: Wählen Sie die Vollansicht.

Außenzone (10 - 25 km Umkreis)

Das Kernkraftwerk Neckarwestheim (GKN) liegt nur rd. 25 km von Stuttgart entfernt, was dazu führt, dass sich die nördlichen Stadtbezirke Weilimdorf, Feuerbach, Stammheim, Münster, Mühlhausen und Bad Cannstatt innerhalb des 25 km-Umkreises befinden und somit zur Außenzone (10 - 25 km) gehören. Die übrigen Stadtbezirke sind außerhalb dieser Zone und fallen somit in die vorstehend beschriebene Fernzone (25 - 100 km).

Stadtbezirke Stuttgart - Außenzone Neckarwestheim


In der Außenzone erhalten Kinder und Jugendliche von 0 - 18 Jahren sowie Erwachsene bis 45 Jahre innerhalb von 4 Stunden nach Anordnung durch das Regierungspräsidium Stuttgart Jodtabletten. Die in Stuttgart bereits eingelagerten Jodtabletten werden in den hierfür festgelegten Ausgabestellen in sogenannten Haushaltspackungen (Blister mit 20 Tabletten) im nördlichen Stadtgebiet verteilt. Die jeweiligen wohnortnahen Ausgabestellen sind im "Stuttgarter Strassenverzeichnis der Ausgabestellen von Jodtabletten" aufgeführt.

Einnahme und Dosierung der Kaliumjodidtabletten

Die Tabletten aus der Notfallbevorratung enthalten 65 mg Kaliumjodid/Stück (entspricht 50 mg Jodid).

Dosierung
Säuglinge bis zum 1. Lebensmonat 1/4 Tablette
Kleinkinder vom 1. bis 36. Lebensmonat 1/2 Tablette
Kinder von 3 bis 12 Jahren 1 Tablette
Personen von 13 bis 45 Jahren 2 Tabletten

Die Jodtabletten sollen möglichst nicht auf nüchternen Magen eingenommen werden. Die Tabletten können geschluckt oder in Flüssigkeit gelöst eingenommen werden. Schwangere und Stillende erhalten die gleiche Joddosis wie Erwachsene (2 Tabletten). Erwachsene über 45 Jahren sollen keine Jodtabletten einnehmen, da bei ihnen das Gesundheitsrisiko für schwerwiegende Schilddrüsenerkrankungen ( z. B. durch Jod ausgelöste Schilddrüsenüberfunktion) infolge der Tabletteneinnahme höher ist als das Strahlenrisiko durch Einatmen von radioaktivem Jod.

Information der Bevölkerung

Im Ereignisfall wird die Bevölkerung über Rundfunk und Fernsehen sowie über Lautsprecherdurchsagen informiert. Hören Sie gut zu und folgen Sie den Anweisungen. Wenn Sie dazu aufgefordert werden, gehen Sie bitte zu Fuß zu den Ausgabestellen.

Bei einem Ereignis im Kernkraftwerk Neckarwestheim (GKN) erhalten Sie im nördlichen Stadtgebiet (Außenzone 10 - 25 km) die sogenannte Haushaltspackung mit 20 Tabletten, die für 10 erwachsene Personen ausreicht. Deshalb sollte nur ein Familienmitglied die Ausgabestelle aufsuchen. Im übrigen Stadtgebiet (Fernzone 25 - 100 km) werden nur Kinder und Jugendliche sowie Schwangere/Stillende mit Jodtabletten versorgt. Da die Tabletten hier erst von den Zentrallagern angeliefert werden müssen, bevor sie zur Verteilung in die Ausgabestellen kommen, vergehen mehrere Stunden. Sie werden entsprechend informiert, wenn die Ausgabestellen geöffnet sind. Hier erhalten Sie für Kinder bzw. Schwangere/Stillende 6 Tabletten.

Bei einem Ereignis in den Kernkraftwerken Philippsburg und Gundremmingen werden im gesamten Stadtgebiet gemäß der Fernzonenplanung 25 - 100 km nur an Kinder, Jugendliche, Schwangere und Stillende Jodtabletten ausgegeben.

Die Ausgabe der Tabletten bedeutet nicht gleichzeitig die Einnahme. Bitte verfolgen Sie die Rundfunk- und Fernsehdurchsagen bis die Einnahme der Tabletten angeordnet wird.


Die Informationsbroschüre der EnBW zum Notfallschutz für die Bevölkerung in der Umgebung des Kernkraftwerks Neckarwestheim "Sicherheit für uns alle" erhalten Sie über den Link:

Weitere Informationen:

 
 

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