Darmkrebs und Nutzung der Darmspiegelung zur Darmkrebsvorsorge in Stuttgart

Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebsform - mit der zweithöchsten Sterblichkeitsrate. In Deutschland werden nach Angaben des Robert-Koch-Instituts 2014 voraussichtlich ca. 36.000 Männer und 28.000 Frauen an Darmkrebs erkranken. Damit gehört die Erkrankungsrate in Deutschland zu den höchsten innerhalb der Länder der Europäischen Union.

Darmkrebs ist eine schleichende Erkrankung, die meist unbemerkt fortschreitet. Sie entsteht aus Vorstufen, die aus Veränderungen in der Darmschleimhaut - Polypen oder Adenomen -hervorgehen. Lange Zeit spüren Betroffene nichts von einem Tumor im Darm. Symptome wie Blut im Stuhl, länger anhaltender Durchfall, chronische Verstopfung oder andere Veränderungen bei der Verdauung treten erst zu einem sehr späten Zeitpunkt auf. Das Risiko für eine Darmkrebserkrankung steigt ab dem 50. Lebensjahr an. Ein besonders hohes Risiko besteht, wenn bereits nahe Verwandte an Darmkrebs erkrankt sind. Weitere Risikofaktoren sind Tabak- und hoher Alkoholkonsum, Übergewicht und übermäßiger Genuss von Fleisch.

Wie viele Personen in Stuttgart jährlich an Darmkrebs erkranken, ist nicht bekannt. Aufgrund der Todesursachenstatistik kann jedoch die Zahl der Sterbefälle an Darmkrebs ermittelt werden. Sie lag im Jahr 2012 in Stuttgart bei 151, davon 73 Frauen und 78 Männer. Das mittlere Sterbealter an Darmkrebs lag bei den Frauen bei 82 Jahren, bei den Männern bei 73 Jahren. Mit zunehmendem Alter nimmt die Darmkrebssterblichkeit zu. Insgesamt sind die Sterbefälle an Darmkrebs in den letzten 25 Jahren in Stuttgart jedoch zurückgegangen, von über 200 pro Jahr in den 1980-er und 1990-er Jahren auf nun etwa 150 pro Jahr.

Seit 2002 gibt es ein Früherkennungsprogramm für gesetzlich Versicherte. Sie haben ab dem 55. Lebensjahr Anspruch auf eine Darmspiegelung zur Früherkennung von Darmkrebs. Im Rahmen dieser Untersuchung werden gegebenenfalls Polypen entfernt, die ein Risikofaktor für die Entstehung von Darmkrebs sind. Das Gesundheitsamt empfiehlt allen Betroffenen, den Hausarzt auf diese Vorsorgeuntersuchung anzusprechen.

Seit Einführung der vorsorglichen Darmspiegelung wurden in den Jahren 2003 - 2010 bundesweit fast 100.000 Fälle von Darmkrebs verhindert und weitere fast 50.000 Fälle in einem frühen, heilbaren Stadium entdeckt. Eine flächendeckende Früherkennung könnte noch mehr erreichen!

Im Rahmen der Erhebungen für den Alterssurvey 2012 "Älter werden in Stuttgart -Generation 50 plus" wurden die Stuttgarter unter anderem zur Teilnahme an Krebs- Früherkennungsuntersuchungen befragt. 59 % der befragten Männer und 53 % der Frauen im Alter von 55 Jahren und älter gaben an, die Darmspiegelung in Anspruch zu nehmen. Am besten nutzt die Altersgruppe von 65 bis 74 Jahren die Darmspiegelung zur Darmkrebsvorsorge. 60 % der Frauen und 65 % der Männer in diesem Alter gaben an, die Darmspiegelung zur Vorsorge zu nutzen.

Ärmere Bevölkerungsgruppen nutzen die Darmspiegelung seltener. Allein lebende Männer nutzen die Darmspiegelung seltener als Männer, die in einer Partnerschaft leben. Dieser Effekt ist bei den Frauen nicht zu beobachten. Ein Zusammenhang zur Nutzung der Darmspiegelung besteht auch mit der Nutzung von anderen Gesundheitsleistungen wie Arztbesuch und der Vorsorgeuntersuchung Gesundheits-Check-Up 35+.

 

 
 

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