Gedichte von Mascha Laenger (2. Preis beim Jugend-Lyrik-Wettbewerb 2014, Altersklasse 13 bis 20 Jahre)

Die Kinder von Treblinka

Eines Tages erhielt Janusz Korczak von den Deutschen einen Bescheid.
Und er sagte zu seinen Waisen: "Wir werden zusammen verreisen. Meine Kinder, macht euch bereit!

Wenn die Deutschen uns morgen holen, werden wir aufgereiht stehn.
Hand in Hand durch die Straßen hinunter zum Bahnhof gehen.

Ihr tragt eure festlichsten Kleider und bekommt etwas Proviant.
Keine Angst, meine Kinder, seid heiter - und freut euch, wir fahren aufs Land."

Die Kinder bestiegen die Züge, vertrauten der schützenden Lüge
Und hofften auf neues Glück.

Sie fragten: "Wohin geht die Reise? Und wohin führen die Gleise?"
Und die Antwort des Lokführers hieß: "Der Zug fährt ins Paradies."

Keine Grenzen kannte die Freude der Kinder in ihrem Waggon.
Sie konnten es kaum erwarten. Los, hin zum himmlischen Garten!
Der Zug verließ die Station.

Doch das Glück nahm ein jähes Ende, als das Ziel in Sichtweise war.
Der Zug hielt auf dem Gelände des Lagers von Treblinka.

Korczak ging mit den Kleinen hinaus aus dem Zug, ins Verderben
um dann mit ihnen zu sterben.

In der Gaskammer bleiben die Kinder zusammen bis zuletzt.
Dann versagten die Lungen, sie starben eng umschlungen
- ihr Vertrauen bleib unverletzt.

Wölfe um Tschernobyl

Die Wölfe sind zurückgekehrt
Sie kamen wieder, irgendwann
Sie leben frei und unbeschwert
Dort, wo kein Mensch mehr leben kann.

Die Zone ist jetzt ihr Revier
Sie nutzen Pripyats Straßen
Die Häuser sind nun ihr Quartier
Von Menschen längst verlassen.

Die Natur holt sich zurück
Alles, was der Mensch ihr nahm
Sie wird wieder, Stück für Stück
Wie sie war, bevor er kam.

Der Mensch ist hier Vergangenheit
Die Strahlung ist noch da
Sie bleibt für die Ewigkeit
Für die Natur keine Gefahr.

Die Wölfe sind zurückgekehrt
Hat es den Menschen je gegeben?
Die Natur ist unversehrt
Und in der Todeszone Leben.