Travertinpark

Umgeben von alten Steinbearbeitungsgeräten auf grünen Wiesenflächen bietet der Travertinpark herrliche Blicke auf Bad Cannstatt und das Neckartal. Hier wird die Industriegeschichte Stuttgarts als Park versinnbildlicht. Es ist die erste Grünanlage dieser Art in Stuttgart, die den Charakter des Steinbruchs erlebbar macht.

Travertin - der Stein

Travertin ist ein Stein, welcher sich aus dem reichen Mineralwasservorkommen Stuttgarts gebildet hat. Lange schon wurde das "Cannstatter Gold", der gelblich-bräunlich schimmernde Sauerwasserkalk, als Baumaterial verwendet. Ab ca. 1900 wurde der Stein industriell abgebaut. Der Stein schmückt in der ganzen Welt bedeutende Gebäude, in Stuttgart beispielsweise die Staatsgalerie oder den Mittnachtbau. Nach knapp 100 Jahren endete die Ära der Steinhauer - übrig blieben die Steinbrüche. Diese topographisch interessanten alten Steinbrüche sind nun als Parkanlage erlebbar.

Steinwerk

Im Jahr 2010 wurde das Gelände der Firma Schauffele als Panoramapark umgestaltet. Hier wurden früher vorwiegend Stufen gesägt und verklebt. Man findet noch Spuren und Natursteinscherben von Steinen aus aller Welt; denn die Firma arbeitete weiter, als es schon lange kein Travertin mehr verfügbar war. Die Gebäude wurden entfernt, die Steinbearbeitungsmaschinen und Kranbahnen aus Metall jedoch als Parkelemente belassen. Ein großer Steinblock wartet darauf von einer schwungradbetriebenen Gattersäge geteilt zu werden. Schienen und Loren führen zu der Steinsäge. Die Zeit scheint still zu stehen - und doch ist die Anlage lebendig. Grünanlage,. neue Wege und ein Spielplatz wurden angelegt.

Industriebahn

Den Park durchzieht die ehemalige städtische Industriebahn, die erste elektrisch betriebenen Industriebahn Württembergs. Man findet noch das alte Gleisbett und Weichen. An den Stützmauern und trockenen Schotterflächen kann man wunderbar Eidechsen beobachten.

Ehemaliges Steinbruchgelände Haas

Im Jahr 2014 wurde das Gelände der ehemaligen Firma Haas für die Bevölkerung erschlossen. Bequeme Wege führen sicher um den alten Steinbruch herum. Sitzmöglichkeiten und Steinbrocken laden zum Verweilen ein. Ein auf Abraum errichteter Aussichthügel erlaubt vielfältige Blicke in den Steinbruch, die Tallandschaft und auf das benachbarte Müllheizkraftwerk Münster. Wie Lava schiebt sich der Schleifschlamm auf einer Seite des Bruches in die Tiefe, schon allein die Menge zeugt davon in welchem Umfang hier früher gesägt und geschliffen wurde.

Wer sich auf alpine Gefahren einstellt, kann sich auch vorsichtig  in die Senke des Steinbruches begeben und dort die Ruhe der Steinwände erspüren. Die mächtigen Wände halten den Stadtlärm fern und sind wie eine Kathedrale im Freien. Am Sumpf-Biotop am Fuße der Travertinwände kann man beobachten wie sich Wasserlebewesen entwickeln.

Das Wasser sowie die Flächen hinter den Absperrungen dürfen aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden. Auch Klettern ist nicht erlaubt.

Steinbrüche als Geotop

Da sich Travertin seit 500 000 Jahren bildet, verrät der Naturstein viel über die siedlungs- und kulturhistorische Entwicklung Stuttgarts. In den Travertinwänden wurden Spuren der Urmenschen, Waldelefanten und Fossilien gefunden, welche im staatlichen Museum für Naturkunde dokumentiert und aufbewahrt werden.

An den Schichten im Steinbruch kann man deutlich die Klimaveränderung während der letzten 35.000 Jahre ablesen. Informationstafeln ermöglichen ein vertieftes Studium, wie aus Wasser der Travertin-Stein wurde.