Böden als Archiv

Boden konserviert Zeugnisse aus der Vergangenheit. Durch sie gewinnen wir Erkenntnisse zur Natur- und Kulturgeschichte.

Archiv der Naturgeschichte

Zum Archiv der Naturgeschichte im Stuttgarter Stadtgebiet zählen beispielsweise Dolinen (trichterförmige Einbrüche der Erdoberfläche über Lösungshohlräumen der Kalk- und Gipsgesteine) oder geologische Aufschlüsse, die einen Einblick in die Erd- und Landschaftsgeschichte geben. Der hier abgebildete Löss enthält zahlreiche Schneckengehäuse. Nadelfeine Poren rühren von ehemaligen Pflanzenstengeln und -wurzeln her. Er gibt damit Auskunft zur Ökologie in den Kaltzeiten des Pleistozäns.

Auch Steinbrüche zeigen Besonderheiten der Erdgeschichte. Der für Stuttgart bekannte und als Baumaterial begehrte Travertin (Sauerwasserkalk) wurde während der letzten 500.000 Jahre vor allem in den Warmzeiten des Pleistozäns aus dem kohlensäurereichen Mineralwasser ausgeschieden. Für altsteinzeitliche Jäger stellten die Travertinterrassen über dem Neckar bevorzugte Aufenthaltsorte dar. Dieses belegen zahlreiche Knochen- und Werkzeugfunde.


Lößwand MünsterVergrößern
Eiszeitliche Löß-Ablagerung im Keefertal bei Münster. Foto: Amt für Umweltschutz
Sauerwasserkalk (Travertin) im Steinbruch Haas, Bad CannstattVergrößern
Sauerwasserkalk (Travertin) im Steinbruch Haas, Bad Cannstatt. Foto: Amt für Umweltschutz

Archiv der Kulturgeschichte

Der Boden konserviert auch archäologisch bedeutsame Relikte und stellt somit ein Archiv der Kulturgeschichte dar.

Aus dem Gebiet um den Viesenhäuser Hof bei Stuttgart-Mühlhausen kennt man Gräber der "Bandkeramik" (älteste Jungsteinzeit, 2. Hälfte des 6. Jahrtausend v. Chr.).

Das Gräberfeld gehörte zu einer ausgedehnten Siedlung der ersten Ackerbauern in der Region und belegt die frühe Nutzung der besonders ertragreichen Lößböden.



Skelett mit Steinbeil und 2 Tongefäßen
Skelett mit Steinbeil und 2 Tongefäßen. Foto: Amt für Umweltschutz

Böden mit kulturhistorischer Bedeutung

Böden mit kulturhistorischer Bedeutung findet man ferner in alten Weinberganlagen. Die ältesten Anbauzeugnisse datieren in das 1. Jh. n. Chr., als Cannstatt römische Garnison und Badeort war.

WeinbergVergrößern
Weinberg. Foto: Amt für Umweltschutz

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