"Obwohl Stuttgarts Einwohnerzahl bis 2025 weitgehend stabil auf heutigem Niveau bleiben dürfte, zeigen sich innerhalb der Stadtgebiete doch beträchtliche Unterschiede in der Einwohnerentwicklung", betonte Bürgermeister Dr. Martin Schairer, der die neue Stadtbezirksprognose zusammen mit dem Leiter des Statistischen Amts, Thomas Schwarz, vorgestellt hat.
Die Einwohnerentwicklung in den Stadtbezirken
Die kleinräumige Vorausberechnung der Einwohnerzahl in den Stadtbezirken stützt sich auf eine Prognosevariante der Gesamtstadtprognose, die als wahrscheinlichste Entwicklung angesehen wird, weil hierin die erwartete Neubauentwicklung Berücksichtigung findet. Hiernach ist bis zum Jahr 2013 mit einem Anstieg der in Stuttgart gemeldeten Einwohner auf 598 000 zu rechnen, anschließend wird die Einwohnerzahl stagnieren und ab 2018 wieder sinken. Für 2025 werden rund 594 500 Einwohner erwartet, was in etwa dem heutigen Niveau entspricht.
Die kleinräumige Prognose der Einwohnerzahlen ergibt zum Teil große Unterschiede in der Einwohnerentwicklung in den 23 Stuttgarter Stadtbezirken. Während einige Stadtbezirke - nicht zuletzt aufgrund der angenommenen Neubautätigkeit - vor deutlichen Einwohnerzuwächsen stehen, werden für die meisten Stadtbezirke stagnierende bis zurückgehende Einwohnerzahlen erwartet.
Abbildung 1 und Tabelle 1 im Anhang zeigen, dass die Stagnation der Einwohnerzahlen für Stuttgart insgesamt bis zum Jahr 2025 nur durch starke Zuwächse in den Stadtbezirken Mitte und Nord, hauptsächlich infolge von Stuttgart 21, erreicht wird und dass die Einwohnerzahl ohne diese Zuwächse zwischen 2008 und 2025 zurückgehen würde.
Im Stadtbezirk Nord wächst die Zahl der Einwohner unter Annahme der entsprechenden Bautätigkeit von rund 26 000 im Jahr 2008 auf über 38 000 im Jahr 2025 an, im Stadtbezirk Mitte kommen knapp 5000 neue Einwohner hinzu.
Positive Entwicklungen der Einwohnerzahlen sind neben den beiden genannten innerstädtischen Bezirken - in deutlich geringerem Ausmaß - auch in Feuerbach, Möhringen und Zuffenhausen zu erwarten.
In Mühlhausen, Obertürkheim, Stammheim und Untertürkheim wird die Einwohnerzahl im Jahr 2025 trotz einer leichten Zunahme des Wohnungsangebotes in etwa auf dem heutigen Niveau liegen. Hier reichen die neu entstehenden Wohneinheiten nicht aus, um die Einwohnerverluste in Folge der Entdichtung bestehender Wohnungen auszugleichen.
In allen anderen Stadtbezirken ist mit zum Teil deutlichen Rückgängen zu rechnen. Diese fallen mit über sechs Prozent in Süd und West besonders stark aus. Für die Stadtbezirke Süd und West zusammen wird bis zum Jahr 2025 ein Verlust von rund 7000 Einwohnern prognostiziert. Weitere Stadtbezirke wie Botnang, Münster, Plieningen, Sillenbuch und Weilimdorf werden ebenfalls durch Rückgänge gekennzeichnet sein. Sie verlieren zwischen 2008 und 2025 zwischen fünf und sechs Prozent ihrer Einwohner.
Altersstruktur
Die Alterung schreitet in Stuttgart vergleichsweise langsam voran. Insgesamt erwartet das Statistische Amt für den Zeitraum zwischen 2008 und 2025 eine Erhöhung des durchschnittlichen Alters von einem knappen Jahr von 42 auf 43 Jahre. Tabelle 2 zeigt die Entwicklung des Durchschnittsalters zwischen 2008 und 2025 differenziert nach dem Geschlecht. Hierbei zeigt sich, dass sich der Wert bei Frauen weniger verschieben wird als bei männlichen Einwohnern. Zwar wird das durchschnittliche Alter von Frauen im Jahr 2025 aufgrund ihrer längeren Lebenserwartung nach wie vor höher liegen als das der Männer, der Unterschied nimmt jedoch ab.
Vor allem in Stadtbezirken mit starkem Zuzug wird sich das Durchschnittsalter bis zum Jahr 2025 entgegen dem dominierenden Trend sogar leicht verringern. So sind insbesondere die Stadtbezirke Mitte und Nord durch vorübergehende Verjüngungstendenzen gekennzeichnet (vgl. Tabelle 2).
In Stuttgart-Nord wird sich das durchschnittliche Alter der Männer um ein Jahr und das der Frauen sogar um zwei Jahre verringern. Aber auch in Botnang, Wangen und Möhringen geht das Durchschnittsalter leicht zurück, wenngleich Botnang und Möhringen heute zu den Stadtbezirken mit besonders hohen Anteilen älterer Einwohner gehören und somit trotz dieses Rückgangs auch im Jahr 2025 mit überdurchschnittlichen Werten gerechnet werden kann.
In einigen Stadtbezirken sind kaum Veränderungen des durchschnittlichen Alters festzustellen. Dazu gehören Degerloch, Mühlhausen, Plieningen und Untertürkheim. Für das Jahr 2025 wird das höchste Durchschnittsalter im schon 2008 zu den ältesten Stadtbezirken gehörenden Sillenbuch erwartet. Die dort lebenden Einwohner werden im Schnitt über 46 Jahre alt sein (vgl. Tabelle 2).
Die absolut höchsten Alterungstendenzen wird Münster erfahren. Hier steigt das Durchschnittsalter von 43,4 im Jahr 2008 auf 45,5 Jahre im Jahr 2025. Aber auch in Bad Cannstatt, Obertürkheim, Stammheim, Vaihingen und Zuffenhausen nimmt das Durchschnittsalter überdurchschnittlich stark zu.
Tabelle 3 zeigt die Anteile der Kinder unter 15 Jahren, der Erwerbsfähigen zwischen 15 und unter 65 Jahren sowie der mindestens 65-Jährigen in den Jahren 2008 und 2025 für die Stuttgarter Stadtbezirke im Vergleich. Die Zahl der unter 15-Jährigen wird im Jahr 2025 in Stuttgart insgesamt in etwa auf dem heutigen Niveau liegen. Allerdings unterscheiden sich die Stadtbezirke stark hinsichtlich dieses Wertes:
In den Bezirken Mitte, Nord, West und Möhringen ist mit einer Zunahme der Kinderzahl zu rechnen, in allen anderen Stadtbezirken nimmt sie ab oder bleibt in etwa konstant. Die Zahl der Erwerbsfähigen nimmt insgesamt leicht zu, der Anteil dieser Altersgruppe an der Gesamtbevölkerung bleibt jedoch nahezu konstant.
Die Zahl der 65-Jährigen und älteren Personen wird im Jahr 2025 in Folge von altersstrukturellen Verschiebungen geringer ausfallen als Ende des Jahres 2008. In der Gesamtstadt geht diese Altersgruppe um rund 2,4 Prozent zurück (vgl. Tabelle 4), ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung sinkt von 18,6 Prozent im Jahr 2008 auf 18,1 Prozent im Jahr 2025.
Besonders deutliche Rückgänge des Anteils älterer Personen werden für die Stadtbezirke Nord, Botnang, Möhringen und Plieningen erwartet. Umgekehrt gibt es auch Stadtbezirke, in denen die Zahl der mindestens 65-Jährigen weiterhin zunimmt. Neben den innerstädtischen Bezirken Mitte und Nord, in denen die Zahl älterer Einwohner absolut um rund 20 Prozent wächst, werden auch in Stammheim und Münster deutliche Zuwächse erwartet. Die höchsten Anteile älterer Personen werden im Jahr 2025 in Sillenbuch (24,5 Prozent), Münster (23,0 Prozent), Birkach (20,9 Prozent), Degerloch (20,4 Prozent), Mühlhausen und Botnang (jeweils 20,3 Prozent) zu verzeichnen sein.
Fazit
"In Folge der hohen Zuwanderung nach Stuttgart und einer gleichzeitig ausgeglichenen natürlichen Bevölkerungsbilanz aus Geburten und Sterbefällen wird Stuttgarts Einwohnerzahl bis 2025 leicht über dem heutigen Niveau liegen. Damit würde sich Stuttgart vom bundes- und landesweiten demografischen Trend absetzen", fasst Bürgermeister Dr. Martin Schairer die Ergebnisse der Einwohnerprognose des Statistischen Amts zusammen. "Wie sich diese gesamtstädtische Entwicklung kleinräumig niederschlägt - das zeigt die Prognoserechnung für die 23 Stuttgarter Stadtbezirke sehr eindrucksvoll - ist in besonderem Maße abhängig vom Wohnungsangebot und der Wohnattraktivität einzelner Quartiere. Mit dem Projekt Stuttgart 21 hat die Stadt die einmalige Chance, innenstadtnahe Wohnungen anzubieten und damit vom aktuellen Trend der 'Renaissance´ des innerstädtischen Wohnens zu profitieren", so Dr. Martin Schairer weiter.
Auf der anderen Seite zeigt die Stadtbezirksprognose für Schairer auch, "dass in Stadtbezirken ohne oder mit nur geringer Neubautätigkeit aufgrund des allgemeinen Trends der Verkleinerung der Privathaushalte und der weiterhin zunehmenden Inanspruchnahme von Wohnflächen nicht mehr ausreichend Wanderungsgewinne erzielt werden können, um die Fortzüge und die Sterbeüberschüsse auszugleichen".
Hintergrundinformationen zur Prognose
Die Einwohnerprognose 2009 des Statistischen Amts wurde auf der Grundlage des SIKURS-Prognosemodells erstellt, indem der Einwohnerbestand zwischen 2009 und 2025 in Jahresschritten aus dem Vorjahresbestand und den erwarteten Einwohnerbewegungen errechnet wird. Die in das Modell eingehenden Verhaltensparameter wurden aus den Bevölkerungsbewegungen der Jahre 2004 bis 2008 abgeleitet. Die Basis bildet der Stuttgarter Einwohnerbestand zum 31. Dezember 2008, gegliedert nach 100 Altersjahren, Geschlecht und Staatsangehörigkeit.
Die Berechnung der Einwohnerprognose erfolgt auf Ebene der 319 Stadtviertel. So können städtebauliche (zum Beispiel Wohngebiete, Gewerbegebiete), soziale und demografische Strukturunterschiede angemessen berücksichtigt werden. Um gleichzeitig eine ausreichende Basis für die Prognoseparameter zu erhalten, wurden die Stadtviertel für die Verarbeitung der Quell/-Zielbeziehungen der innerstädtischen Umzüge mithilfe einer Clusteranalyse zu sechs Typen mit ähnlichen Wanderungsmustern zusammengefasst. Für die Darstellung der Ergebnisse wurden die Werte der einzelnen Stadtviertel zu Stadtbezirken aggregiert.
Die wichtigsten Grundannahmen der Einwohnerprognose lassen sich so zusammenfassen: Die Geburtenentwicklung resultiert aus der Geburtenhäufigkeit (Anzahl der Geburten je Frau) und der Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter. Die sich aus dem Referenzzeitraum ergebenden Geburtenhäufigkeiten wurden - differenziert nach deutschen und nichtdeutschen Müttern - bis zum Jahr 2025 fortgeschrieben.
Die Sterblichkeit berechnet sich aus der Altersstruktur der Einwohner und den altersspezifischen Sterberaten. Für den Prognosezeitraum wurde eine konstante Lebenserwartung von 81,7 Jahren bei Frauen und von 76,8 Jahren bei Männern angenommen.
Die Entwicklung der Wanderungen über die Gemeindegrenzen hinweg zeigte in den vergangenen Jahren keinen eindeutigen Trend. Insgesamt war der Wanderungssaldo im Referenzzeitraum vergleichsweise ausgeglichen und schwankte zwischen plus 1723 (2005) und minus 581 (2006). Für die Jahre bis 2025 wird angenommen, dass nur über den Zuzug in neue Wohnungen ein positiver Wanderungssaldo erreicht werden kann. Der Zuzug in bestehende Wohneinheiten reicht aufgrund des anhaltenden Trends der Entdichtung nicht aus, um positive Wanderungssalden zu generieren. Dementsprechend entwickelt sich die Frage danach, wie viele neue Wohnungen entstehen, zu einer entscheidenden Determinante der Einwohnerprognose.
Zur Abschätzung künftiger Neubautätigkeit wurde die "Zeitstufenliste WOHNEN FNP 2010" des Amtes für Stadtplanung und Stadterneuerung in ihrer Fassung aus dem Jahr 2008 räumlich differenziert ausgewertet. Darin sind rund 22 000 im Prognosezeitraum realisierbare Wohnbaukapazitäten verzeichnet. Im Rahmen der Vorausberechnung wird angenommen, dass diese Wohneinheiten tatsächlich erstellt und bezogen werden. Ein Großteil der berücksichtigten Wohneinheiten liegt im Projektgebiet Stuttgart 21. So werden allein für das Rosensteinviertel im Stadtbezirk Nord gut 7000 zusätzliche Wohnungen angenommen. Darüber hinaus wird auch der Bezirk Mitte von den neuen Wohnungen profitieren.
Weitere kleinere Schwerpunkte befinden sich in Bad Cannstatt, Möhringen, Feuerbach und Zuffenhausen.
Um die Herkunft und Struktur der Neubaubezieher abzuschätzen, wurde eine Auswertung des Neubaubezugs der vergangenen Jahre vorgenommen. Hieraus ergab sich, dass rund 25 Prozent der neu hinzukommenden Wohnungen von Personen bezogen werden, die zuvor außerhalb Stuttgarts lebten und dass die Wohnungen durchschnittlich mit 2,25 Personen belegt werden. Entsprechend wird für den Prognosezeitraum erwartet, dass rund 49 000 Personen in die neu errichteten Wohnungen ziehen, ein Viertel davon von außerhalb Stuttgarts.
Deutliche Zunahmen des Wohnungsangebots werden vor allem für die Jahre 2013 erwartet, wobei im Rahmen von Stuttgart 21 auch für die Zeit zwischen 2020 und 2025 mit weiteren Baufertigungsstellungen in den Stadtbezirken Mitte und Nord gerechnet wird. Bezüglich ihrer Altersstruktur unterscheiden sich Neubaubezieher deutlich von den übrigen Umziehenden. Während bei Zuzügen in Neubauten Eltern und Kinder vergleichsweise stark vertreten sind, überwiegen bei Zuzügen in Bestandsimmobilien junge Erwachsene. Entsprechend werden in der Prognose unterschiedliche Alterszusammensetzungen der jeweiligen Zuzugsform unterschieden.
Die Bevölkerung in Sonderbereichen wie Altersheimen oder Studentenwohnheimen wird über den Prognosezeitraum hinweg konstant gehalten. Bei kleinräumigen Prognosen erhöht sich dadurch die Treffsicherheit bei der Altersstruktur. Studentenwohnheime würden beispielsweise die Zahl der Kinder verfälschen, die aufgrund der Altersstruktur in diesem Stadtquartier prognostiziert würden.
Andererseits würde die hohe Zahl alter Menschen in einem Altersheim die Zahl der Gestorbenen und somit auch die Altersstruktur stark beeinflussen. Tatsächlich wird ein durch Tod frei werdender Altersheimplatz wieder mit einem alten Menschen belegt, sodass die Altersstruktur nahezu gleich bleibt.
Weitere Hinweise
Die "Einwohnerprognose 2009 bis 2025. Die Entwicklung der Zahl der Einwohner in Stuttgart bis zum Jahr 2025" ist im Monatsheft Nr. 11/2009 und die "Einwohnerprognose 2009 bis 2025". Die Entwicklung der Einwohnerzahlen in den Stuttgarter Stadtbezirken" ist im Monatsheft Nr. 12/2009 der Reihe "Statistik und Informationsmanagement" des Statistischen Amt der Landeshauptstadt Stuttgart erschienen.
Die Monatshefte Nr. 11/2009 und 12/2009 sind beim Statistischen Amt, Eberhardstraße 39, 70173 Stuttgart, Telefon 216-3440, Fax 216-3900, im Internet unter www.stuttgart.de/statistik oder per E- Mail an komunis@stuttgart.de zum Preis von jeweils 4 Euro erhältlich.