Grußwort von OB Fritz Kuhn zum Deutschen Evangelischen Kirchentag

Oberbürgermeister Fritz Kuhn: "Ich wünsche uns allen einen gelungenen Kirchentag in Stuttgart"

Am Mittwoch, 3. Juni, wird der 35. Deutsche Evangelische Kirchentag in Stuttgart eröffnet. Bei einem Empfang im Vorfeld brachte Oberbürgermeister Fritz Kuhn im Hospitalhof seine Freude über dieses große Ereignis zum Ausdruck. Hier die Rede von OB Kuhn.

Treffen im Vorfeld des KirchentagesVergrößernIm Hospitalhof haben sich Landesbischof Frank Otfried July, die Generalsekretärin des Kirchentags Ellen Ueberschär (von links) und Kirchentagspräsident Andreas Barner (rechts) gemeinsam mit OB Fritz Kuhn auf das große Glaubensfest eingestimmt. Foto: Thomas HörnerIm Hospitalhof haben sich Landesbischof Frank Otfried July, die Generalsekretärin des Kirchentags Ellen Ueberschär (von links) und Kirchentagspräsident Andreas Barner (rechts) gemeinsam mit OB Fritz Kuhn auf das große Glaubensfest eingestimmt. Foto: Thomas Hörner

Stuttgart ist ein Ort der Begegnungen

"Die Landeshauptstadt Stuttgart freut sich auf den Deutschen Evangelischen Kirchentag. Wir empfangen unsere Gäste mit allem, was wir bieten können: mit den Schönheiten Stuttgarts und mit offenen Armen. Wir sind stolz, zum nunmehr vierten Mal nach 1952, 1969 und 1999 Veranstaltungsort eines Kirchentags zu sein.

Stuttgart ist ein Ort vieler großer Begegnungen. Dieses Jahr ist es der Evangelische Kirchentag, nächstes Jahr haben wir das Deutsche Chorfest zu Gast, mit vielen Laien- und Berufschören, die die ganze Stadt zum Klingen bringen werden. Und 2019 begrüßen wir Turnerinnen und Turner aus aller Welt, die bei uns ihre Weltmeisterschaft austragen werden.

Wir heißen Flüchtlinge willkommen

In Stuttgart wird viel über die Themen diskutiert, die auch beim Kirchentag von zentraler Bedeutung sind wie 'Frieden und Flüchtlinge', 'Wirtschaft und Werte' oder 'Demokratie und Daten'.

Ich greife beispielhaft das Thema Flüchtlinge heraus. Unser Stuttgarter Weg bedeutet, dass wir die Menschen willkommen heißen und dezentral in den Stadtbezirken unterbringen. Deshalb errichten wir schnell Systemfertigbauten, in denen die Flüchtlinge gut wohnen können.

Und Stuttgarter Weg heißt vor allem, dass sich, noch ehe die Flüchtlinge eintreffen, Sportvereine, Kirchengemeinden und andere Gruppen zusammenfinden, die die Flüchtlinge vor Ort aufnehmen und betreuen. Das ist elementar: Wir haben 800 Ehrenamtliche, die sich in Freundeskreisen für die Flüchtlingsbetreuung engagieren. Eine starke Zahl, auf die wir stolz sein können.

'Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen'

Ich persönlich habe mich sehr gefreut über das Motto des Kirchentags: 'damit wir klug werden'. Und ich habe eine Bitte an den Kirchentag und seine Besucherinnen und Besucher: Widmen sie sich auch dem Vorsatz in Psalm 90-12: 'Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen'. Darauf folgt ja: 'auf dass wir klug werden'.

Ich glaube, dass die Todesverdrängung in modernen Gesellschaften, die ja in der Psychoanalyse sehr gut untersucht ist oder bei den französischen Existenzialisten, ganz wesentlich dazu beiträgt, dass Menschen so viel Unheil anrichten.

Ich habe in dem Psalm sofort für mich verstanden, welch enormer Klugheitszuwachs, man kann auch sagen, welcher Freiheitszuwachs daraus resultieren kann, dass man all den überflüssigen Tand, der aus Todesverdrängung erwachsen kann, reduziert.

Der Begriff Klugheit ist ein schöner Begriff. Kant dagegen hat Klugheit als instrumentelle Vernunft betrachtet, die wir aus Egoismus verwenden, um Eigenzwecke zu erreichen. Aber die phrónesis im aristotelischen Sinne ist ein umfassender Begriff aus dem wir Erkenntnis und Ethik - also wie wir handeln sollen - gewinnen können. Hier ist Klugheit ein ganz weicher und umfassender Begriff.

Es ist interessant zu schauen, wie in der Geschichte mit dem Wort Klugheit umgegangen wurde. Daran lässt sich sehr, sehr viel erkennen.

Klüger, reifer, freier werden

Den Vorsatz im Psalm, dass wir sterben lernen, während des Kirchentags ausgiebig zu betrachten, zu bedenken und zu bearbeiten, halte ich für wichtig. Diesen Passus zu verstehen, ist gerade für die heutige Zeit nötig.

Viele der Themen und Probleme, die beim Kirchentag erörtert und diagnostiziert werden, haben damit zu tun, dass wir Menschen ein bisschen entschleunigen sollten, um klüger, reifer, freier zu werden. Das jedenfalls ist für mich die Botschaft des Psalms.

Ich freue mich als Oberbürgermeister, dass der Kirchentag als ein Ort der Glaubensbegegnung, der intellektuellen Auseinandersetzung und auch der menschlichen Begegnung in Stuttgart stattfindet.

Ich wünsche uns allen einen tollen, gelungenen Kirchentag, der dann auf seine besondere Art in die Geschichte der Kirchentage eingehen wird."