Die kluge Stadt der sprudelnden Kinderideen

"Eine Stadt ohne Krankenhaus funktioniert nicht!", erklärt Melissa, während sie die Außenwände ihres Krankenhauses bemalt. Sie nahm beim Evangelischen Kirchentag mit ihren beiden Geschwistern am Mitmachangebot "Stadt der klugen Kinderideen" im Stadtgarten teil. Unter fachkundiger Anleitung von Profis entwarfen die Kinder hier ihr eigenes Stadtmodell und präsentierten ihre Ideen am Samstag, 6. Juni, zum Abschluss der Kinderwerkstatt.

Geleitet wurde das Projekt von der Kinderbeauftragten der Landeshauptstadt Stuttgart, Maria Haller-Kindler, und der Sozialpädagogin und Musiktherapeutin Tina Schweizer, beide Mitglieder der Projektleitung des Kinderzentrums. "Ich finde es großartig, wie gut unsere Idee funktioniert hat", bilanzierte die Kinderbeauftragte. "Im Schnitt blieben die Kinder zwei bis drei Stunden an ihrem Ideen-Modell und waren sehr konzentriert dabei." Häufig arbeiteten zwei oder drei Kinder zusammen an einem Modell. 25 Helfer begleiteten die Aktion. Sie versuchten so wenig Hilfestellung und Input wie möglich zu geben, denn die Kinder sollten selbst ihre Stadt gestalten.



Nach und nach entstand auf einer 20 Quadratmeter großen Platte aus den einzelnen Elementen der Kinder eine Stadt.

"Mit so einem Ansturm hätten wir nicht gerechnet", sagte Haller-Kindler. "Wir mussten anfangs die Bastelteile rationieren, damit die Holzbausteine und anderen Bastelmaterialien auch für alle Kinder reichten." Mit einer regelmäßigen Einführung wurde die Fantasie der neu hinzugekommenen Kinder geweckt. Sie wurden darauf eingestimmt, was in ihrer Stadt wichtig sein könnte. Impulsfragen dazu waren: Wie will ich wohnen? Wie soll meine Schule aussehen, wie stelle ich mir Plätze und wichtige Gebäude vor? Wie soll meine Stadt in 20 Jahren aussehen? Ihre eigenen Wünsche, Ideen, Visionen für eine kluge Stadt der Zukunft bauten die Kinder dann im Modell nach. Nach und nach entstand auf einer 20 Quadratmeter großen Platte aus den einzelnen Elementen der Kinder eine Stadt. Um die Ideen der Kinder festzuhalten, wurden die Gestaltungselemente der Kinder auf Kärtchen kommentiert.

Während der drei Projekttage und bei einer Abschlusspräsentation am 6. Juni stellten die Kinder ihre Ideen Vertretern des Stuttgarter Gemeinderates, der Kirchen und des Landes vor. "Wir haben gesehen, dass die Kinder gerne mehr Grünflächen in der Stadt hätten und Platz für Tiere fordern", sagte Peter Pätzold, Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen. Sabine Mezger (CDU), Bezirksvorsteherin Stuttgart-Nord, betonte, wie wichtig Bewegungsfreiheit für Kinder ist: "Dieser Wunsch zieht sich wie ein roter Faden durch viele der Entwürfe."

In vielen Modellen hatten die kleinen Stadtplaner großzügige Parks und Schwimmbäder angelegt. Dr. Ralph Schertlen, für die Stadtisten im Stuttgarter Gemeinderat, meinte: "Den Kindern scheinen Orte der Begegnung sehr wichtig zu sein, genauso wie ein gefahrloses Bewegen in der Stadt. Ich bin beeindruckt von den vielen kreativen Ideen." Zum Abschluss versprach Maria Haller-Kindler den Projektteilnehmern: "Ich werde eure Ideen in die Ämter und Ausschüsse tragen und als Kinderbeauftragte für euch eintreten."