Gedichte von Mascha Laenger, 2. Preis 2015, Altersklasse 13-20

Morgens in Sils Maria


Als würde er glühen, so leuchtet der ewige Schnee
unter der freundlichen Morgensonne
deren goldene Finger das tälerne Dunkel streicheln
und aus taufeuchten Wiesen
die nächtliche Starre lösen
Eine Brise lässt den azurblauben Spiegel
in unzählige Diamanten zerspringen
Ein gleißendes, funkelndes, kreiselndes Tanzen
das sich an den Schatten der Berge bricht

Die Halbinsel legt ihren schützenden Arm
um die Fischerboote in der gluckernden Bucht
Ein frühes Gespann trabit mit feinen Klingen
ufernah ins benachbarte tal
und die erste Bahn des Tages gondelt himmelwärts
Die Dorfrglocken verkünden frohes Erwachen
der Wind lässt sie schwingen
trägt sie mit sich fort

Ein Vogelschwarm zieht erwartungsvoll
mit glimmenden Schwingen
dem Morgen entgegen

Gefangen im Netz


Immer online
Immer da sein
Jeden Tag und jede Nacht
unaufhörlich überwacht
Jeder Anruf wird studiert
Jeder Mausklick registriert

Du bist tausendfach vernetzt
bald bemerkst auch du entsetzt
dass es kein Entrinnen gibt
Zu viel gesurft, gerippt, getippt.

Du bist gefangen in den vielen zarten
Fäden aus Millionen Daten
Du kannst die Spuren nicht verwischen
Es ist zu spät zum Datenlöschen

Längst schon hat sie dich gewittert
Das virtuelle Netz erzittert
Kein Passwort wird noch was taugen
Ein kalter Blick, acht schwarze Augen -
Die Spinne kommt. Sie hüllt dich ein

Du wirst die nächste Mahlzeit sein