Gedichte von Clara Thomas, 3. Preis 2015, Altersklasse 13-20


Tick, tack, tickt die Stundenuhr. 24 kurze Stunden nur.

Himmelblau mit Tasse Kaffee. Alle vier Meter eine  Tür, die ich seh.
Rotes Lämpchen am Fahrstuhlknopf. Sicherheitskette. Angst um den eigenen Kopf,
denn in den aufeinanderaufgestapelten Schubladen, leben wir wie Bienen in Bienenwaben.
Neidisch, weil du nichts Besonderes bist, weil du die Weite der Freiheit vermisst.
Verboten zu träumen und doch ist's erlaubt. Vereinheitlicht der eigenen Fantasie beraubt.
Triefende Zeitungen werden verteilt. Hastende Gestalten. Zeit, die vorübereilt.
Steh. Geh. Auf Abbieger achten. Vorbei an Anzeigen, die nach Aufmerksamkeit trachten.
Rolltreppe runter. Vordermann, hat einen graukarierten Mantel an.
Drehkreuz. Karte. Blondine hinter Glas. Vorne nur Hüte, glänzend und nass.
Wie müdes Vieh in den Waggon geschwemmt.  Jeder in seine eigene Ecke geklemmt.
Im Kreislauf des Gleichen  festgefahren. Immer die selben Gewohnheiten bewahren.

Es läuft die Zeit, im Kopf hörst du's nur. Das leise Ticken der Lebensuhr.


graue Straßen.
verlaufene Menschen.
Massig und doch jeder allein.

papierdünne Wände,
an denen wir horchen,
um, in Gewissheit von Andren, zu sein.