Flüchtlinge: Fragen und Antworten

Mehr als 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Kriege, Vertreibungen, Hunger, Naturkatastrophen - oder die Hoffnung auf ein besseres Leben: Es gibt viele Gründe, warum Menschen ihre Heimat verlassen. In Stuttgart sind 8.670 Flüchtlinge in 124 Unterkünften verteilt auf 22Stadtbezirke untergebracht.  Die Menschen - viele von ihnen haben eine Tortur hinter sich - sollen hier Schutz, Ruhe und Sicherheit finden. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema haben wir hier zusammengestellt. (Stand: Mai 2016).

Wo und wie leben die Flüchtlinge in Stuttgart?

Ab diesem Jahr werden in allen 23 Stadtbezirken Flüchtlinge untergebracht sein, vor allem in bestehenden Wohnheimen und Wohnungen sowie in neuen Systembauten. Weitere Unterkünfte finden sich in leerstehenden Schulen, Containerbauten, Turn- und Versammlungshallen und Waldheimen. Die Menschen leben derzeit in 106 Unterkünften, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind. Die Stadt geht in der Schaffung der Unterkünfte pragmatisch voran - die einzelnen Investitionsschritte werden Tranche genannt. Zudem nutzt das Land Baden-Württemberg eine Erstaufnahmestellen auf dem städtischen Gelände des Reitstadions.


Stuttgart nutzt Systembauten. Warum setzt die Stadt darauf?

Systembauten, die schnell auf- und wieder abgebaut werden können, bieten eine pragmatische und vor allem eine humanitäre Lösung. Wenn die 6. Tranche realisiert ist, wird es rund 80 Systembauten an über 30 Standorten geben.


Warum kommen auch Menschen in Containern unter?

In Degerloch, Sillenbuch und Stuttgart-Nord erstellt die Stadt erstmals eine Unterbringung in Containerbauweise. Die Stadt benötigt Unterkünfte, die schneller verfügbar und kurzfristiger realisiert werden können. Da die Stadt auf diesen Flächen im Wesentlichen andere Projekte verfolgt,  können diese nur vorübergehend zur Flüchtlingsunterbringung genutzt werden. Das ist unwirtschaftlich für Systembauten, die auf mindestens fünf Jahre ausgelegt sind.


Und wie steht es um die Unterbringung in Schulen?

Die Stadt belegt vier Schulgebäude, die derzeit leerstehen. Es handelt sich dabei um die Friedensschule in Stuttgart-West (240 Plätze, befristet bis zur Inanspruchnahme als Ausweichquartier für die Sanierung der Schwabschule), die ehemalige Hedwig-Dohm-Schule in Stuttgart-West (250 Plätze, befristet bis zur Inanspruchnahme als Ausweichquartier für das Eberhard-Ludwig-Gymnasium), die Fasanenhofschule in Möhringen (80 Plätze, befristet bis zur Fertigstellung der Systembauten in der Ehrlichstraße, dann wohnungswirtschaftliche Verwendung des Grundstücks) und die Gorch-Fock-Schule in Sillenbuch (80 Plätze, das Gebäude steht leer). Die Zwischennutzung wird die vorgesehenen Sanierungsmaßnahmen weder beeinträchtigen noch verzögern.


Wie wird entschieden, welche Flüchtlinge nach Baden-Württemberg bzw. nach Stuttgart kommen?

Die erste Station eines Flüchtlings in Deutschland ist stets eine der Landeserstaufnahmeeinrichtungen. Bestimmte Quoten - nach dem "Königssteiner Schlüssel" - regeln die Anzahl der Flüchtlinge, die die Bundesländer aufzunehmen haben.


Was ist der "Königsteiner Schlüssel"?

Das Kontingent der aufzunehmenden Flüchtlinge wird schon seit 1949 an Hand der Steuereinnahmen (2/3 Anteil bei der Bewertung) und der Bevölkerungszahl (1/3 Anteil bei der Bewertung) berechnet. Die Quote wird jährlich neu ermittelt. Im Jahr 2015 hat NRW die höchste Quote und Bremen die niedrigste Quote Asylsuchende aufzunehmen.


Was heißt das für Baden-Württemberg und Stuttgart?

Baden-Württemberg werden derzeit 12,84 Prozent der in Deutschland angekommenen Flüchtlinge zugewiesen. Die Landeshauptstadt übernimmt hiervon 6,92 Prozent. Die Prognosen über die Flüchtlingszuweisungen sind lediglich Anhaltspunkte von Seiten des Bundes und des Landes. Die Entwicklung der Flüchtlingszahlen ist nicht vorhersehbar.

Die Landeshauptstadt verfolgt bei der Unterbringung den sogenannten "Stuttgarter Weg", der aus vier Säulen besteht:

  • Der dezentralen Unterbringung der Menschen in Wohnheimen und Wohnungen verschiedenster Größe.
  • Keine Unterkunft soll mit mehr als 250 Flüchtlingen belegt werden.
  • Eine adäquate Betreuung der Flüchtlinge durch freie Träger mit einem Personalschlüssel sowohl für die soziale Betreuung als auch für die pädagogische Hausleitung von jeweils 1:136. D. h. in den Unterkünften ist faktisch ein Mitarbeiter für 68 Bewohner verantwortlich.
  • Der Hilfe durch örtliche Freundeskreise und ehrenamtlich tätige Bürger.


Wie können sich die Bürger engagieren?

Stuttgart zeichnet sich aus durch das Engagement seiner Bürger. Sie helfen mit, dass die Flüchtlinge hier auch tatsächlich ankommen. Über die Stadt verteilt haben sich 3.000 Bürger in über 30 Freundeskreisen zusammengefunden. Sie helfen dabei, Flüchtlinge in den Stadtbezirk zu integrieren und vernetzen sie mit Vereinen oder anderen Einrichtungen. Sie leisten Alltags- und Behördenbegleitung, geben Sprachkurse, Nachhilfe und Hausaufgabenbetreuung in den Unterkünften. Sie helfen bei der Wohnungs- und Jobsuche oder gestalten gemeinsame Freizeitaktivitäten und Kulturprojekte. Wer Interesse hat sich zu engagieren, meldet sich einfach bei der Koordinatorin der Flüchtlingsfreundeskreise heidi.schaefer@stuttgart.de .

Eine von uns regelmäßig aktualisierte Zusammenstellung der direkten Kontaktmöglichkeiten zu Flüchtlingsfreundeskreisen, Projekten und Initiativen finden Sie hier:
www.stuttgart.de/wir-fuer-fluechtlinge


Welche Art von Hilfe wird benötigt?

Sie können sich für Flüchtlinge auf vielfältige Art und Weise - entsprechend ihrer eigenen Interessen, Fähigkeiten und Möglichkeiten - engagieren. Hierzu gehören u.a. Angebote der Willkommenskultur, die Alltagsbegleitung zu Behörden und Ärzten, die Vermittlung der deutschen Sprache in Form von Sprachunterricht, Nachhilfe und Übersetzungsdienste und die Hausaufgabenbetreuung.

Weitere Möglichkeiten des Engagements sind die Gestaltung von Freizeitangeboten für Flüchtlinge, hierzu gehören spielerische, sportliche, handwerkliche, musische und kulturelle Aktivitäten sowie das gemeinsame Kochen, Feste feiern oder die ganz persönliche Einladung. Sie können Flüchtlinge mit Fahrdiensten und der Bereitstellung von Fahrrädern helfen. Wichtig ist auch die Unterstützung bei der Suche nach einer Wohnung, bei einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Darüber hinaus können Sie sich in Ihrem Verein, mit Ihrer Nachbarschaft oder Ihrem Arbeitgeber für Flüchtlinge einsetzen.


Können Bürger Geld spenden?

Die meisten Flüchtlingsorganisationen sind auf private Spenden angewiesen. Beispiele sind das internationale Flüchtlingshilfswerk der UNO, UNHCR, oder Pro Asyl in Deutschland, aber auch die vielen kleineren Projekte, die es auf kommunaler Ebene gibt.

Spenden können steuerlich als Sonderausgaben abgesetzt werden, im Falle dass die Empfänger als gemeinnützig anerkannt sind. Eine andere Möglichkeit ist es, bei Jubiläen oder Geburtstagen auf Geschenke zu verzichten und Gäste um Spenden für Flüchtlinge zu bitten.  


Können Bürger Flüchtlinge bei sich zu Hause unterbringen?

Ein neu angekommener Flüchtling lebt nach der Registrierung in der LEA (Landeserstaufnahmeeinrichtung) in Baden-Württemberg zunächst in einer Gemeinschaftsunterkunft, wie z. B. in einem unserer Systembauten. Die Unterkunft ist mit Möbeln und Elektrogeräten ausgestattet.

Nach spätestens 24 Monaten darf der Flüchtling in privaten Wohnraum umziehen und einen eigenen Mietvertrag abschließen. In Einzelfällen ist der Auszug, je nach rechtlichem Status, auch früher möglich, wenn dies von den Behörden genehmigt wird.

Falls Sie eine geeignete Wohnung für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung stellen wollen, gibt es auch die Möglichkeit der Anmietung direkt durch die Stadt. Die Wohnung kann dann mit Flüchtlingen belegt werden, die in einer Gemeinschaftsunterkunft leben. Dies ist besonders gut für Familien geeignet.

Hier gibt es weitere Informationen und ein Kontaktformular: www.stuttgart.de/anmietungen-fuer-fluechtlinge


Woher kommen die Flüchtlinge, und wer kommt nach Stuttgart?

Die Flüchtlinge kommen aktuell vor allem aus: Syrien, Irak, Afghanistan, Nigeria und Eritrea. 60 Prozent der Menschen kommen mit ihrer Familie, 40 Prozent kommen alleine.


Wie lange leben die Flüchtlinge in diesen Unterkünften?

Die Flüchtlinge müssen nach dem Flüchtlingsaufnahmegesetz bis zum Ende des Asylverfahrens in der sogenannten vorläufigen Unterbringung bleiben, längstens jedoch 24 Monate. Danach ziehen die Flüchtlinge in kleinere Unterkünfte und in Privatwohnraum.


In der Bevölkerung gibt es Bedenken, Ängste und Kritik an einzelnen Standorten. Wie begegnet die Stadt diesen?

Die Unterbringung der Flüchtlinge ist gesetzliche Pflicht. Geeignete Grundstücke und Bauten prüft die Verwaltung intensiv. Der Stadt ist es wichtig, die Anwohner frühzeitig einzubinden; dies geschieht vor allem durch die örtlichen Bezirksbeiratssitzungen sowie über eine aktive Pressearbeit. Welche Bauten an welchen Standorten tatsächlich realisiert werden, bleibt dann eine Entscheidung des Gemeinderats.


Was tut die Stadt, damit die Flüchtlinge in Stuttgart "ankommen"?

Die Landeshauptstadt fördert durch Öffentlichkeitsarbeit, Transparenz und eine positive Willkommenskultur das gesellschaftliche Verständnis für die Situation der Flüchtlinge. Dazu zählt auch maßgeblich die Initiierung von Flüchtlingsfreundeskreisen.

Die Stadtverwaltung leistet Hilfe in allgemeinen Lebenslagen, z. B. durch Beratung in Rechtsfragen, zur Gesundheitsvorsorge, Familienplanung etc. Sie bietet Sprachkurse und berufliche Qualifizierungsmaßnahmen an oder unterstützt Flüchtlinge bei der Arbeitssuche. Die Stadt vermittelt den Flüchtlingskindern zudem zügig Kita-Plätze und ermöglicht den Schulbesuch.

 
 

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