Was muss ich alles über Feinstaub & Co. wissen?

Was bedeutet Feinstaubalarm?

Feinstaubalarm wird ausgelöst, sobald der Deutsche Wetterdienst (DWD) an mindestens zwei aufeinanderfolgenden Tagen ein stark eingeschränktes Austauschvermögen der Atmosphäre prognostiziert. Meteorologen sprechen dabei von einer sogenannten austauscharmen Wetterlage: Warmluft in den höher liegenden Luftschichten verhindert das Aufsteigen kalter Luft vom Boden. Im Stadtkessel und in den Tälern wird dadurch die Verdünnung der belasteten Luft erschwert oder verhindert. Dadurch können Luftschadstoffe in Bodennähe nicht mehr abtransportiert werden. An diesen Tagen steigt die Konzentration von Feinstaub und Stickstoffdioxid in Stuttgart stark an. Es besteht die Gefahr von Überschreitungen der Grenzwerte.

Das Land Baden-Württemberg, das Regierungspräsidium und die Stadt Stuttgart appellieren deshalb an die Bevölkerung in Stuttgart und in der Metropolregion bei Feinstaubalarm das Auto im Stadtgebiet Stuttgart möglichst nicht zu nutzen und auf den Betrieb von Komfort-Kaminen zu verzichten.

Autofahrern wird empfohlen, auf den öffentlichen Nahverkehr oder das Fahrrad umzusteigen, zu Fuß zu gehen oder Fahrgemeinschaften zu bilden. Wer die Möglichkeit hat, von zu Hause aus zu arbeiten oder von flexiblen Arbeitszeiten Gebrauch zu machen, sollte dies bei Feinstaubalarm in Absprache mit dem Arbeitgeber tun. Für Pendler, die vom PKW auf das Schienennetz umsteigen, stehen im Gebiet des VVS auf 106 Park-and-Ride-Anlagen (P+R) insgesamt 15.250 Stellplätze zur Verfügung.

Wie lange dauert der Feinstaubalarm an?

Der Feinstaubalarm kann mehrere Tage lang andauern, mindestens aber zwei aufeinanderfolgende Tage. Zur Aufhebung des Feinstaubalarms muss der Deutsche Wetterdienst (DWD) eine nachhaltige und deutliche Verbesserung des Austauschvermögens vorhersagen, eine eintägige Unterbrechung der starken Einschränkung des Austauschvermögens reicht hierbei nicht aus.

Wie lauten die Kriterien für Feinstaubalarm? (Neu)

Austauscharme Wetterlagen sind vor allem im Winter ein Problem, da in dieser Jahreszeit diese Wetterlagen häufiger auftreten und die Ansammlung von Schadstoffen in Bodennähe begünstigen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) definiert das Austauschvermögen anhand folgender schadstoffrelevanter Kriterien:

1. Feinstaubkonzentration mehr als 30 Mikrogramm am Neckartor und fehlender Regen
2. Fehlender Regen
3. Fehlender wirksamer Wind aus günstiger Richtung
4. Nächtliche Bodeninversion                
5. Flache Mischungsschicht tagsüber  
6. Geringe Windgeschwindigkeit        


Je mehr schadstoffrelevante Kriterien erfüllt sind, desto eingeschränkter ist das Austauschvermögen der Atmosphäre. Das Kriterium 1 (Feinstaubkonzentration > 30 µg/m³ und fehlender Regen) ist ein vorrangiges Erfüllungskriterium. Das heißt, die Erfüllung dieses Kriteriums reicht aus, um das Austauschvermögen der Atmosphäre als stark eingeschränkt festzulegen. Die Stadt ruft dann direkt den Feinstaubalarm aus.

Sollte das Kriterium 1 nicht erfüllt sein, müssen mindestens vier der anderen Kriterien vorliegen, damit das Austauschvermögen vom DWD als stark eingeschränkt eingestuft wird. Die Kriterien 2 (fehlender Regen) und 3 (fehlender wirksamer Wind aus günstiger Richtung) sowie mindestens eines der Kriterien 4 (nächtliche Bodeninversion) oder 5 (flache Mischungsschicht) müssen zwingend vorliegen. Das Kriterium 6 (geringe Windgeschwindigkeit) muss erfüllt werden, sollte nur eines der Kriterien 4 oder 5 vorliegen.

Warum soll ich keine Komfort-Kamine benutzen? (Neu)

Ein erheblicher Teil der Feinstaub-Emissionen, die in Stuttgart gemessen werden, entstehen aus der Holzverbrennung. Bei Feinstaubalarm sollte man also auch auf den Betrieb von so genannten "Komfort-Kaminen" verzichten. Das sind Kamine oder Kaminöfen, die eher der Behaglichkeit als der Wärmeerzeugung dienen. Sie werden auch als Einzelraumfeuerungen bezeichnet, da sie nur einzelne Räume beheizen und oft nur als Zusatzheizung zu einer Gas- oder Ölheizung betrieben werden. Diese kleinen Holzfeuerungsanlagen haben häufig erhebliche Probleme mit Luftschadstoffen. Sie produzieren unzählige inhalierbare Staubteilchen - den Feinstaub. Grundsätzlich vom Feinstaubalarm ausgenommen sind Wohnungen, die ausschließlich mit solchen Feuerungen beheizt werden.

Die Feinstaub-Emissionen aus Holzfeuerungsanlagen übersteigen in Deutschland mit etwa 28 Tausend Tonnen mittlerweile die aus den Motoren von Lkw und Pkw. Dies liegt vor allem am verringerten Dieselrußausstoß des Kraftverkehrs, aber auch am Trend zum Heizen mit Holz: So stieg der Feinstaub-Ausstoß aus Holzöfen in den letzten Jahren deutlich an. In Stuttgart registrieren die Schornsteinfeger etwa 20.000 mit Holz betriebene Heizungsanlagen.

Nach Angaben des Landes Baden-Württemberg verursachen Kamine und Öfen in Privathaushalten am Neckartor rund 22 Prozent der dort gemessenen Belastung. Damit sind Feuerungsanlagen nach dem Straßenverkehr der zweigrößte Verursacher.

Das Land erarbeitet aktuell eine Landesverordnung auf der Ermächtigungsgrundlage § 47 Abs. 7 Nr. 3 Bundes-Immissionsschutzgesetz, die den Betrieb von zusätzlichen Einzelraumfeuerungen für Festbrennstoffe (Komfort-Kamine) bei Feinstaubalarm untersagt. Im Einzelfall können auf Antrag Ausnahmen zugelassen werden, z.B. wenn entsprechende Anlagen mit Feinstaubfiltern nachgerüstet sind.

Kann es zu Grenzwert-Überschreitungen kommen, obwohl die Stadt keinen Feinstaubalarm ausgelöst hat?

Ja, das ist durchaus möglich. Die Meteorologie ist nur ein steuernder Faktor, wenn es um die Höhe der Feinstaub-Belastung geht. Zu Grenzwertüberschreitungen tragen neben den meteorologischen Einflüssen auch ein erhöhtes Verkehrsaufkommen oder starke Emissionen durch Heizungsanlagen bei. Die Stadt löst den Feinstaubalarm allein auf Basis der Meteorologie aus: Anhand von schadstoffrelevanten Kriterien, die zusammen mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) erarbeitet wurden, wird das Austauschvermögen der Atmosphäre bewertet. Ist dieses an zwei aufeinanderfolgenden Tagen stark eingeschränkt, löst die Stadt den Feinstaubalarm aus.

Dieses Verfahren liefert keine absolute Vorhersage-Sicherheit, da die Feinstaub-Belastung nicht vorhergesagt werden kann. Dennoch kann mit sehr großer Wahrscheinlichkeit vorhergesagt werden, ob die Wetterbedingungen zu erhöhten Feinstaub-Werte beitragen oder nicht.

Warum treten austauscharme Wetterlagen vorrangig im Winter auf?

Austauscharme Wetterlagen können das ganze Jahr über auftreten. In der kälteren Jahreszeit sind diese Wetterlagen jedoch andauernder und intensiver. Das liegt vor allem daran, dass die Sonne nicht die Kraft hat die Wetterlage tagsüber aufzulösen.

Wie viele Autos sind in Stuttgart täglich unterwegs? (Neu)

Die Gemarkungsgrenze von Stuttgart wird innerhalb von 24 Stunden rund 890.000 Mal von ein- oder ausfahrenden Fahrzeugen überquert. Unter der vereinfachten Annahme, dass jedes Auto nur einmal in jede Richtung fährt, sind das rund 445.000 Fahrzeuge. Darunter sind schätzungsweise rund 225.000 Berufspendler (157.000 Einpendler und 67.000 Auspendler), der Rest ist Schwerlast-, Einkaufs- und Freizeitverkehr, oder Fahrzeuge, die die Markungsgrenze innerhalb von 24 Stunden mehr als zwei Mal überqueren. Weitere schätzungsweise rund 81.000 Autos werden jeden Tag von Berufstätigen gefahren, die innerhalb Stuttgarts wohnen und arbeiten. Diese überqueren die Grenzen der Gemarkung zwar nicht, tragen aber ebenfalls erheblich zum Verkehrsaufkommen in Stuttgart bei.

Alle zwei Jahre führt die Stadt zudem die sogenannte Kesselrandzählung durch. Bei dieser Erhebung wird der Verkehr an 21 markanten Stellen am Innenstadtrand gezählt, unter anderem an der B14 Cannstatter Straße und an der B27 Obere Weinsteige. Bei der neuesten Messung (Mai 2015) wurden am "Kesselrand" 430.612 Kraftfahrzeuge gezählt, die nach Stuttgart ein- und ausfahren. Die Zahl ist seit 2005 leicht rückläufig.

Gleichzeitig wächst die Zahl der Fahrzeuge in der Stadt. Aktuell sind in Stuttgart 297.128 Pkw (Stand 30.6.2016) registriert. Da 614.080 Personen mit Haupt- oder Nebenwohnsitz in der Stadt gemeldet sind, bedeutet dies eine Kfz-Dichte von 484 Pkw auf 1.000 Einwohner.

Wird die Stadt die Zufahrt für Autos beschränken? (Neu)

Deutschland überschreitet in mehreren Städten, u.a. in Stuttgart, die Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid seit Langem. Deshalb hat die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik Deutschland eingeleitet. Sofern keine Abhilfe geschaffen wird, wäre der nächste Schritt eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH). Im Falle einer Verurteilung kann der EuGH Sanktionen wie zum Beispiel Zwangsgelder für jeden Überschreitungstag verhängen.

In einem gerichtlichen Vergleich hat sich das Land Baden-Württemberg im April 2016 zudem verpflichtet, ab dem 1. Januar 2018 verkehrsbeschränkende Maßnahmen für das Neckartor zu ergreifen, sollten die Immissionsgrenzwerte 2017 weiterhin überschritten werden. Diese Maßnahme muss laut Vergleich geeignet sein, eine Reduzierung des Verkehrsaufkommens am Neckartor um ca. 20 Prozent zu bewirken.



Führt die Stadt eine City-Maut ein?

Für die City-Maut gibt es aktuell keine rechtliche Grundlage. Erst wenn diese vom Bund geschaffen wird, kann über die Einführung einer City-Maut diskutiert werden.

Was verursacht Feinstaub?

Feinstäube (PM10) bestehen aus winzigen Partikeln, die nicht einmal ein Zehntel des Durchmessers eines Haares erreichen. PM steht für Particulate Matter und 10 für die größte Staubpartikelgröße in Mikrometer - also ein Hunderttausendstel eines Meters -, die im Feinstaub vorkommt. Feinstaub wird vor allem durch menschliches Handeln erzeugt: Er entsteht unter anderem durch Emissionen aus Kraftfahrzeugen, bei der Energieerzeugung sowie aus Öfen und Heizungen in Wohnhäusern. Es gibt aber auch natürliche Quellen wie z.B. die Staubaufwirbelung auf Ackerflächen oder Pollen.

In Großstädten ist der Straßenverkehr eine wichtige Feinstaubquelle (Anteil in Stuttgart 45%). Der Feinstaub aus dem Verkehr entsteht überwiegend durch Brems- und Reifenabrieb sowie durch die Aufwirbelung des Staubes von der Straßenoberfläche und nachrangig durch den Auspuff aus konventionell betriebenen Verbrennungsmotoren.

Die Wirkung dieser mikroskopisch feinen Teilchen ist groß: Über die Lunge dringen sie in den menschlichen Organismus ein und können neben Atemwegproblemen auch Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems verursachen. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass die allerfeinsten Staubpartikel sogar in die Blutzirkulation, das Herz, die Leber und andere Organe transportiert werden und sogar bis ins Gehirn vordringen können. Besonders für Kinder kann Feinstaub schwerwiegende Folgen haben.

In Stuttgart wird der Tagesmittelwert für Feinstaub von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft häufiger als an den von der EU erlaubten 35 Tagen überschritten. So wurde der Grenzwert an der Messstelle Neckartor 2015 an 72 Tagen überschritten. Die Überschreitungen sind dort jedoch schon deutlich zurückgegangen: Die Zahl der Überschreitungstage lag etwa im Jahr 2005 noch bei 187. An allen weiteren Messstellen im Stuttgarter Stadtgebiet werden die Feinstaub-Grenzwerte inzwischen eingehalten.

Was verursacht Stickstoffdioxid?

Stickstoffdioxid (NO2) entsteht wie Feinstaub bei Verbrennungsprozessen, allerdings nur bei hohen Verbrennungstemperaturen durch Oxidation von Luftstickstoff. Hauptquellen sind konventionell betriebene Verbrennungsmotoren, insbesondere Dieselmotoren ohne wirksame Entstickungstechniken. Auch Feuerungsanlagen für Kohle, Öl, Gas, Holz und Abfälle stoßen Stickstoffdioxid aus. Aber in Ballungsgebieten wie Stuttgart ist der Straßenverkehr ein bedeutender NO2-Verursacher (Anteil in Stuttgart 52%, an Hotspots auch bis zu 86%).

Stickstoffdioxid kann zu Entzündungsreaktionen in den Atemwegen führen und die Reizwirkung anderer Luftschadstoffe verstärken. Bei längerer Einwirkung können höhere Konzentrationen zu chronischer Bronchitis oder auch zu einer Erhöhung der Empfindlichkeit gegenüber Atemweginfektionen führen. Eine hohe NO2-Konzentration ist vor allem für Asthmatiker ein Problem, da sie zu einer Bronchienverengung führen kann. Alle Stickstoffoxide haben auch eine toxische Wirkung auf Pflanzen, da sie beispielsweise bei Bäumen die Oberschicht von Blättern und Nadeln schädigen. Sie spielen auch bei der Bildung von sogenanntem Sommersmog eine entscheidende Rolle. Sie reagieren bei entsprechender Wärme und Sonnenstrahlung zu Ozon, einem Reizgas wie NO2 selbst auch.

Europaweit wurden auch für Stickstoffdioxid Grenzwerte festgelegt. In Bezug auf die Stickstoffdioxid-Belastung gab es an der Messstelle Neckartor im Jahr 2015 61 Überschreitungsstunden, erlaubt sind 18 Stunden bei einem Grenzwert von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. An allen weiteren Messstellen wird dieser Grenzwert inzwischen eingehalten.

Die Überschreitungsstunden für 2015 sind damit in etwa auf dem Niveau der Jahre 2011 bis 2013, wo die Überschreitungsstunden zwischen 76 und 63 lagen. Im Jahr 2014 gab es am Neckartor 36 Überschreitungsstunden. Ursachen sind meteorologische Schwankungen.

Und was hat es mit Kohlenmonoxid auf sich?

Kohlenmonoxid (CO) ist ein farb-, geruch- und geschmackloses Gas, das bei der unvollständigen Verbrennung von Brenn- und Treibstoffen entsteht. Es bildet sich, wenn bei Verbrennungsprozessen zu wenig Sauerstoff zur Verfügung steht.

Im Gegensatz zu Feinstaub und Stickstoffdioxid kann CO zu einer akuten Vergiftung führen. In höheren Konzentrationen wirkt es als starkes Atemgift mit Wirkung auf Blut und Zellen, das vom Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) sehr viel besser gebunden wird als Sauerstoff. Dadurch kann der Sauerstofftransport im Blut behindert werden, wodurch die Funktionen des Zentralnerven- und Herzkreislaufsystems beeinträchtigt werden können. Bei erhöhter Kohlenmonoxid-Konzentration kann die Herzfunktion geschwächt und die Aufmerksamkeitsleistung verringert werden.

2005 ist zum Schutz von Mensch und Umwelt der Grenzwert für Kohlenmonoxid in Kraft getreten. Danach darf der höchste 8-Stunden-Mittelwert eines Tages 10 mg/m3 nicht überschreiten. Dieser Grenzwert wird im gesamten Stuttgarter Stadtgebiet nicht überschritten. Die CO-Belastung befindet sich generell auf einem sehr niedrigen Niveau.

Was tut die Stadt Stuttgart bereits jetzt gegen die Luftschadstoffe?

Aufgrund der besonderen topografischen Lage ist das Thema Luftreinhaltung schon lange ein wichtiges Thema in Stuttgart. Im Vordergrund steht dabei das Recht jedes einzelnen Menschen auf gute Luft. Mit der Verabschiedung der EU-Richtlinie 96/62/EG und deren Umsetzung in nationales Recht (39. Bundes-Immissionsschutzverordnung) gelten in der EU bereits einheitliche lufthygienische Kriterien, die die Luftqualität dauerhaft verbessern sollen.

Ein wichtiger Schritt für Stuttgart war im Jahr 2006 die Verabschiedung des Luftreinhalte-/Aktionsplans, den das Regierungspräsidium Stuttgart und die Stadt Stuttgart  zusammen erarbeitet haben. Fast 40 Maßnahmen sollen die Luft in Stuttgart auf Dauer verbessern. Dazu zählen beispielsweise das Lkw-Durchfahrtsverbot, die Einführung der Umweltzone, der fortwährende Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, die Förderung des Fuß- und Radverkehrs, Tempo 40 auf Steigungsstrecken und das Jobticket. Im November 2014 wurde der Luftreinhalteplan zum zweiten Mal fortgeschrieben. Für 2017 ist die Fertigstellung der nächsten Fortschreibung mit weiteren Maßnahmen geplant.

2013 hat Oberbürgermeister Fritz Kuhn zudem den Aktionsplan "Nachhaltig mobil in Stuttgart" vorgelegt, der die Maßnahmen noch einmal deutlich erweitert. Hauptziel ist die Verbesserung der Luftqualität insbesondere in der Innenstadt, zum Beispiel durch die Reduzierung des konventionell angetriebenen Autoverkehrs um 20 Prozent im Talkessel.

Um die Öffentlichkeit weiter für das Thema Luftreinhaltung zu sensibilisieren, hat Oberbürgermeister Fritz Kuhn im September 2015 die Mobilitätskampagne "Stuttgart steigt um" vorgestellt. Die Werbe-Kampagne wirbt für eine nachhaltigere Mobilität in Stuttgart und will dazu anregen, das eigene Mobilitätsverhalten zu überdenken.

Dabei helfen auch die Investitionen, die die Stadt in den nächsten Jahren tätigen wird: Zur Förderung nachhaltiger Mobilität hat der Gemeinderat  für 2016 und 2017 rund 14 Millionen bereitgestellt. Schwerpunkte sind die Elektromobilität, die Verstetigung des Verkehrs und die Verbesserung des Stadtklimas durch mehr Bäume und Sträucher. Auch der Ausbau des Fahrradnetzes und der Stäffele sind wichtige Bausteine für die innerstädtische Mobilität.

Zudem wird die Stadt in einer Pilotstudie untersuchen, ob sich Mooswände dazu eignen, die Feinstaub-Belastung in urbanen Gebieten zu reduzieren. Dazu wird bis Ende März 2017 eine Mooswand entlang der Cannstatter Straße aufgebaut. Erste Messungen an einem Teilstück starten bereits im Oktober 2016.

Ist die Luft wirklich so schlecht in Stuttgart?

Durch die topografische Lage der Stadt gibt es relativ wenig Luftbewegung im Innenstadtbereich. Ohnehin gilt die ganze Region als windarm. Besonders in der kälteren Jahreszeit tritt deshalb häufig das Problem der sogenannten austauscharmen Wetterlagen auf: Die Luft kann nicht mehr zirkulieren und die Luftschadstoffe können nicht abtransportiert werden. Die Luftbelastung in Stuttgart bewegt sich - je nach Schadstoff - auf einem sehr unterschiedlichen Niveau. So werden etwa die Grenzwerte für Schwefeldioxid oder Kohlenmonoxid deutlich unterschritten. Bei diesen Luftschadstoffen sind die Belastungen unkritisch. Das Problem sind insbesondere die stärker verkehrsbedingten Schadstoffe Feinstaub (PM10) und Stickstoffdioxid (NO2).

Am Neckartor wurde im Jahr 2015 an 72 Tagen der Grenzwert für Feinstaub von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten - laut EU-Recht erlaubt sind 35 Überschreitungstage. An der Hohenheimer Straße, wo es bis 2011 ebenfalls noch Überschreitungstage gab, wurde der Wert im Jahr 2015 an 24 Tagen überschritten. Dort gilt inzwischen bergauf Tempo 40.

Die Überschreitungen sind auch am Neckartor schon deutlich zurückgegangen: Die Zahl der Überschreitungstage lag 2005 noch bei 187 im Jahr. An den weiteren Messstellen im Stuttgarter Stadtgebiet werden die Feinstaub-Grenzwerte inzwischen eingehalten.

In Bezug auf die Stickstoffdioxid (NO2) Belastung gab es an der Messstelle Neckartor 2015 61 Überschreitungsstunden, erlaubt sind laut EU-Recht 18 Stunden bei einem Grenzwert von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. An der Hohenheimer Straße, wo es bis 2013 ebenfalls noch Grenzwertüberschreitungen gab, wurden 15 Überschreitungsstunden gemessen.

Die Überschreitungsstunden für 2015 sind damit in etwa auf dem Niveau der Jahre 2011 bis 2013, wo die Überschreitungsstunden zwischen 76 und 63 lagen. Im Jahr 2014 gab es am Neckartor 36 Überschreitungsstunden. Ursache dürften meteorologische Schwankungen sein.

Im Gegensatz zum Feinstaub ist bei Stickstoffdioxid auch der Jahresmittelwert problematisch. Der Grenzwert liegt im Jahresmittel bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Am Neckartor ist das Jahresmittel aktuell etwa doppelt so hoch. Der Grenzwert im Jahresmittel beim Feinstaub beträgt ebenfalls 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Dieser wird inzwischen an allen Messstellen in Stuttgart eingehalten.

Abseits der stark befahrenen Straßen im Talkessel ist die Belastung durch Luftschadstoffe deutlich geringer. Es herrscht also bei weitem nicht in der gesamten Stadt "dicke Luft".

Was bedeutet die grüne Plakette am Auto?

Stuttgart ist seit dem 1. März 2008 Umweltzone. Das bedeutet, es dürfen inzwischen nur noch Kraftfahrzeuge der Schadstoffklasse 4 ins Stadtgebiet Stuttgart fahren. Diese besitzen eine grüne Umwelt-Plakette. Mit dieser Plakette dürfen alle Umweltzonen ohne Einschränkung befahren werden. Fahrzeuge, die der Schadstoffgruppe 1, 2 und 3 angehören (Fahrzeuge mit roter oder gelber Plakette), haben Fahrverbot in Stuttgart.

Was hat Parkraummanagement mit Feinstaub zu tun?

In den inneren Stadtbezirken konkurrieren Bewohner, Besucher, Beschäftigte, Kunden, Dienstleister und Lieferanten um Parkplätze. Das Parkraummanagement sorgt dafür, dass Parkflächen optimal ausgelastet und die Bewohner bevorzugt werden. Das Parkraummanagement hat aber noch einen wichtigen zweiten Vorteil: Es reduziert den Parksuchverkehr, der die Umwelt zusätzlich belastet.

Seit Anfang 2011 gibt es das Parkraummanagement in Stuttgart-West. Am 1. Oktober 2015 wurde es in einer ersten Umsetzungsstufe auf Teile der Innenstadtbezirke Mitte, Süd und Nord ausgedehnt. Seither sind alle betroffenen Parkplätze im Bezirk Mitte (M1, M2 und Ci1 bis Ci3), Süd (S1 bis S4) und Nord (N1) im öffentlichen Straßenraum gebührenpflichtig. Ausnahme ist die Gebührenzone City. Dort sind seit 1. Oktober alle Parkplätze montags bis samstags, 8 bis 22 Uhr kostenpflichtig - auch die bislang kostenlosen. Die Parkdauer bleibt auf eine Stunde beschränkt.

In einer zweiten Umsetzungsstufe folgten im Juni 2016 weitere Bereiche von Mitte (M3 und M4), Süd (S4 und S5) und Nord (N2 bis N4) sowie ein Teilgebiet von Ost (O1). In der dritten und vorerst letzten Umsetzungsstufe, die voraussichtlich zum 1. November 2017 in Betrieb genommen wird, soll das Parkraummanagement nach derzeitigem Planungsstand auf Teile von Stuttgart-Bad Cannstatt und weitere Gebiete des Stuttgarter Ostens ausgedehnt werden.

www.stuttgart.de/item/show/565271

In welchen Bereichen gilt der Feinstaubalarm?

Wird Feinstaubalarm ausgelöst, gilt dieser im gesamten Stuttgarter Stadtgebiet.