Trägerinnen des 1. Hannsmann-Poethen Literaturstipendium: Gerhild Steinbuch und Jagoda Szmytka

Das Hannsmann-Poethen Literaturstipendium der Landeshauptstadt Stuttgart wird an die Autorin Gerhild Steinbuch und die Komponistin Jagoda Szmytka verliehen. Um das Stipendium hatten sich dreizehn Künstler-Tandems beworben.

Gerhild Steinbuch

Gerhild Steinbuch (Großansicht)Gerhild Steinbuch lebt in Berlin. Foto: privat
Gerhild Steinbuch wurde 1983 in Mödling (Österreich) geboren. Sie studierte Szenisches Schreiben in Graz und Dramaturgie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, Berlin.
Von 1994 bis 1998 war Gerhild Steinbuch Mitglied der Jugendliteraturwerkstatt Graz und einige Male Preisträgerin der zugehörigen Wettbewerbe. 2003 wurde sie mit dem Retzhofer Literaturpreis ausgezeichnet. Im Jahr darauf gewann sie den Stückewettbewerb der Schaubühne Berlin mit »kopftot«.

Steinbuch nahm an den Werkstatttagen des Wiener Burgtheaters, der International Residency am Royal Court Theatre, London und an der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquium Berlin teil. 2005 war sie für den Ingeborg-Bachmann-Preis nominiert.
Die Autorin erhielt zahlreiche Stipendien, unter anderem eines des Schloss Solitude, Stuttgart (2007/2008).

In der Spielzeit 2008/09 war sie Hausautorin am Schauspielhaus Wien. Für die Arbeit an ihrem ersten Roman "Berge und Täler mit Männern und Frauen" erhielt sie das Staatsstipendium 2009/2010 des österreichischen Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur.

Neben ihrer Arbeit als Autorin, Dramatikerin arbeitet Steinbuch als Übersetzerin, als freie Dramaturgin und entwickelt gemeinsam mit dem Autor Jörg Alb-recht Lecture-Performances, zuletzt »You´re not the same, Batman!« für den Steirischen Herbst 2014. Ihre Stücke werden vom Rowohlt Theater Verlag vertreten. Gerhild Steinbuch lebt in Berlin.

Jagoda Szmytka

Jagoda Szmytka (Großansicht)Jagoda Szmytka lebt in Frankfurt. Foto: Andoz Krishnadas
Jagoda Szmytka wurde 1982 in Legnica (Polen) geboren. Sie studierte Kunstgeschichte, Philosophie, Musiktheorie und anschließend Komposition in Wroclaw, Graz, Frankfurt am Main und Karlsruhe.

Ihre Musik fand internationale Anerkennung und wurde u.a. beim Warschauer Herbst, dem ECLAT Festival Stuttgart, den Darmstädter Ferienkursen, dem Ultraschall-Festival Berlin, dem Lucerne Festival, Wien Modern, beim Deutschlandfunk Köln, Royaumont Paris, der Akademie der Künste Berlin und der Nationaloper in Warschau gespielt.

Sie erhielt für Ihre Musik unter anderem das Staubach Honorarium und den Stipendienpreis der Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik, Stipendien des DAAD und der Kunststiftung Baden Württemberg, sowie Arbeitsstipendien am Herrenhaus Edenkoben, La Muse en Circuit Paris und der Villa Serpentara (Italien).
Jagoda Szmytka Jagoda Szmytka komponiert "für Menschen, mit Menschen und über Menschen". Szmytkas "soziales Komponieren" (social composing) untersucht gesellschaftliche und interpersonelle Prozesse wie Kommunikation und Identität in Referenz zur gesellschaftlichen Dimension des Musik-Machens (Musiktheater Projekte: LIMBO LANDER, LOST, LOVE LABEL). Ihre "intertextuelle Musik" ist geschrieben für "Augen, Ohren und Denken" - unter Einbeziehung von mixed-media, trans-media und cross-genre Formaten. Die Kompositionen sind Mixturen von Texten, Bildern und Klängen, welche komplexe Strukturen und Referenzen zu Hoch- und Popkultur, Philosophie und Realität aufbauen.

Szmytka ist Gründerin und Leiterin der Projekte: "PLAY - Plattform für Kunst- und Kulturinitiativen" und "ENTER - Collecthief", das sich auf Aufführungen referenzieller Musik spezialisiert hat. Sie arbeitet regelmäßig als Gastkünstlerin am ZKM in Karlsruhe. 2014 erschien eine Porträt-CD in der "Edition zeitgenössische Musik" des deutschen Musikrats (WERGO). Jagoda Szmytka lebt in Frankfurt am Main.

Das Projekt

Mit dem Stipendium realisieren die Autorin Gerhild Steinbuch und die Komponistin Jagoda Szmytka ein gemeinsames Projekt, das sich mit dem Werk "Die Geschichte vom Soldaten" des Komponisten-Schriftsteller-Tandems Igor Strawinsky / Charles Ferdinand Ramuz auseinandersetzt.

Gerhild Steinbuch unterzieht den ursprünglichen Text von Ramuz über den Pakt zwischen Mensch und Teufel einer zeitgenössischen Revision, die auch die Geschichte vom Soldaten im einundzwanzigsten Jahrhundert neu denken will. Die Autorin sucht Antworten auf Fragen rund um den Begriff von menschlicher und moderner Gewalt in einer Zeit, in der visuelle und akustische Medien immer häufiger die Kraft haben, zu den eigentlichen Waffen zu werden.

Jagoda Szmytka sucht aktuelle Erklärungen auf diese Fragestellungen in ihrer Musik und entwirft dabei Überschreibungen der historischen Vorlage. So wie Strawinsky den akustischen Alltag in seine Partitur integriert hat, arbeiten auch Jagodas Szmytka und Gerhild Steinbuch mit dem Einbruch des Realen in die Welt der Kunst und nehmen auf ihre Umgebung Bezug.

Die Zeit in Stuttgart wollen sie nutzen, Interviews mit ortsansässigen Initiativen zu führen. Aus der Recherche und den Gesprächen vor Ort entwickelt sich eine gemeinsame Gesamtdramaturgie. Die Premiere des Stückes ist im Frühjahr 2017 in Stuttgart geplant.

Die Jury

Mitglied der Fachjury waren

  • Uta-Maria Heim (Autorin und Hörspiel-Redakteurin des SWR)
  • Adrienne Braun (Kulturjournalistin und Autorin)
  • Prof. Elisabeth Schweeger (Geschäftsführerin und Direktorin der Hochschule für Darstellende Kunst in Ludwigsburg)
  • Prof. Boris Michalski (Inhaber des Lehrstuhls für narrative Forschung an der Hochschule der Medien in Stuttgart)
  • Andreas Läsker (Musikmanager und Verleger).