Le Corbusier Häuser in Stuttgart

Die beiden Häuser von Le Corbusier in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung sind zusammen mit weiteren Bauten des weltberühmten Architekten zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt worden. Die Entscheidung fiel am 17. Juli 2016 auf der Tagung des Welterbekomitees in Istanbul. Den Antrag hatten Frankreich, Argentinien, Belgien, Japan, die Schweiz, Deutschland und Indien gemeinsam eingereicht. Der schweizerisch-französische Architekt Le Corbusier, der 1965 verstorben ist, hat den Städtebau weltweit nachhaltig beeinflusst.

Die beiden Stuttgarter Häuser stehen seit 1927 in der Weissenhofsiedlung auf dem Killesberg und sind bedeutende Zeugnisse des Neuen Bauens. Der schlichte, geometrische Stil setzte auf Glas, Stahl, Beton und Backstein. Dabei waren Licht und Luft in den Räumen wichtige gestalterische Elemente. Anstelle eines Steildachs verwendete Le Corbusier fast ausschließlich Flachdächer. Die Herangehensweise entsprach den technischen Möglichkeiten und dem Lebensgefühl der Zeit. Zugleich entwarf der Architekt Häuser für Menschen in einer schnell wachsenden Großstadt: kostengünstig, standardisiert und zweckmäßig.

Modernes Wohnen ohne Pomp und Protz

Der Öffentlichkeit wurden die beiden Häuser erstmals 1927 auf der Internationalen Werkbund-Ausstellung "Die Wohnung" in Stuttgart präsentiert - sie zeigen zwei Wege zur Standardisierung. Das Einfamilienhaus am Weissenhof gilt als "Citrohan-Typ". Es handelt sich von außen betrachtet um einen weißen, würfelförmigen Baukörper, der einfach vervielfältigt werden kann. Im Inneren öffnet sich eine zweigeschossige Wohnhalle mit hellen Räumen und breiter Fensterfront. Das Haus ist im Bundesbesitz und auch heute noch bewohnt.

Das zweite Gebäude von Le Corbusier in der Weissenhofsiedlung setzt seine "Fünf Punkte zur neuen Architektur" besonders beispielhaft um: sichtbare Stützen, lange Fensterbänder, großer Dachgarten, freier Grundriss und gestaltbare Fassade. In dem "transformablen" Doppelhaus, das zwei spiegelbildliche Wohneinheiten hat, lassen sich die Räume durch verstellbare Einbauten unterschiedlich nutzen. Wie in einem komfortablen Schlaf- und Salonwagen verschwinden die Betten tagsüber in den Schränken. Das "Haus Le Corbusier" beherbergt seit 2006 das Weissenhofmuseum. 

Die Le Corbusier-Häuser in Stuttgart standen Ende der 1920er Jahre im Mittelpunkt der architektonischen Debatte und wurden vielfach in Magazinen und Fachbüchern veröffentlicht. Sie begeisterten die Menschen, sorgten aber auch für große Kontroversen, weil Le Corbusier vielen zu "radikal" war. Noch heute beeindrucken die Häuser durch ihre Modernität, Direktheit und Kompromisslosigkeit.

Ein weltumspannender Welterbe-Antrag
Bislang war kein Werk von Le Corbusier auf der Welterbeliste der UNESCO vertreten. Deshalb hatten sich sieben Staaten zusammengetan, in denen wegweisende Entwürfe von Le Corbusier realisiert wurden: Argentinien, Belgien, Frankreich, Deutschland, Indien, Japan und die Schweiz. Den Welterbentrag hat Frankreich federführend eingereicht, er umfasst eine Auswahl von 17 Bauten und Bauensembles, die gut erhalten sind und sich in einem geschützten Umfeld befinden. Die Bandbreite reicht von der Pionierzeit der entstehenden Moderne in den 1920er Jahren bis zur Mitte der 1960er Jahre, in der die Architektur  von Le Corbusier zunehmend kritisiert wurde. 

Bei einer Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste verpflichten sich die sieben Staaten zu hohen Schutzstandards. Hierzu gehören ein Managementplan, der den Erhalt für zukünftige Generationen sicherstellt und die Ausweisung einer Pufferzone, die die Stätte schützend umgibt. Damit will die UNESCO den außergewöhnlichen universellen Wert des Weltkulturerbes schützen und die Einzigartigkeit, Unversehrtheit und Echtheit für die ganze Menschheit erhalten. Deutschland verzeichnet mehr als 40 UNESCO-Welterbestätten, darunter den Kölner Dom, die Hamburger Speicherstadt und die Altstadt von Bamberg. Die UNESCO hat das "Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt" 1972 verabschiedet.

Weitere Informationen

Broschüre: Bewerbung der "Le Corbusier-Häuser" für die UNESCO-Welterbeliste (PDF)

Hintergründe zum Architekten Le Corbusier und den Häusern in Stuttgart (PDF)

Website

www.weissenhofmuseum.de