Tino Sehgal

Der Hans-Molfenter-Preis der Landeshauptstadt Stuttgart geht 2016 an Tino Sehgal. Für den 1976 in London geborenen Künstler entschied sich eine Fachjury aus den Bereichen Kunst, Kultur und Politik unter Vorsitz von Kulturamtsleiterin Dr. Birgit Schneider-Bönninger.

Tino Sehgal (Großansicht)Tino Sehgal ist der 12. Preisträger des Hans-Molfenter-Preises, der alle drei Jahre vergeben wird. Foto: Asad Raza

Tino Sehgal verbrachte seine Kindheit in Böblingen und Sindelfingen, wo er in der Schule mit dem Theater in Kontakt kam. Im Anschluss studierte er Choreographie und Volkswirtschaftslehre in Berlin und Essen.

Tino Sehgal gehört zu den wichtigsten Künstlern seiner Generation. Mit seinen Arbeiten, die er »Situationen« oder »Aufführungen« nennt, erprobt er einen gänzlich neuartigen Ansatz aktionistischer Kunst. So gibt es zu seinen Werken keine Foto- oder Videoaufnahmen; das ist Programm für den Künstler, denn im Sinne Konzeptueller Kunst möchte er der mit Gegenständen überladenen Welt keine neuen Dinge hinzufügen.

Dadurch haben seine Arbeiten einerseits den Charakter von flüchtigen Momenten, die sich nicht fassen und dokumentieren lassen. Andrerseits sollen sie wie Objektkunst auch skulptural in ihrem Verhältnis zum Raum betrachtet werden. Sehgals Situationen sind museal, seine Werke sind verkäuflich und jederzeit wieder aufführbar, jedoch nur in der jeweiligen Aufführungsdauer am jeweiligen Aufführungsort zu erleben.

Der Ablauf von Sehgals Werken ist nicht vollständig kontrolliert und durchgeplant. Die Arbeiten werden zwar vom Künstler genauestens konzipiert und die Akteure akribisch eingewiesen, doch die Situationen entwickeln eine Eigendynamik, reagieren auf den Ort und das Publikum. Das macht sie zu einmaligen, unwiederholbaren Erlebnissen. Soziale Interaktion, tänzerische Bewegungen sowie der Einsatz von Musik und menschlicher Stimme sind dabei wesentliche Elemente von Sehgals Werken.

2005 bespielte Tino Sehgal mit Thomas Scheibitz den Deutschen Pavillon auf der Venedig Biennale. 2012 nahm er an der dOCUMENTA (13) teil. Sein Werk wurde in Einzelausstellungen in zahlreichen internationalen Museen präsentiert, so im Kunsthaus Zürich (2009), im Guggenheim Museum, New York (2010), in der Tate Modern, London (2012) und im Martin-Gropius-Bau, Berlin (2015). 2013 wurde er mit dem Goldenen Löwen auf der Venedig Biennale ausgezeichnet.