62. Kompositionspreis der Landeshauptstadt Stuttgart

Der Kompositionspreis der Landeshauptstadt Stuttgart 2017 geht an die Komponistin Juliana Hodkinson und den Komponisten Malte Giesen.

Juliana Hodkinson wird für ihr Werk "Can modify completely/in this case/not that it will mack any difference" mit dem 1. Preis ausgezeichnet. Sie erhält 7.000 EUR Preisgeld. Malte Giesen wird für sein Werk "$88 or the poetry of capitalism" mit dem 2. Preis ausgezeichnet. Er erhält 5.000 EUR Preisgeld. Um den 62. Kompositionspreis 2017 der Landeshauptstadt Stuttgart hatten sich 13 Komponistinnen und 68 Komponisten mit insgesamt 157 Werken beworben.

Die beiden ausgezeichneten Kompositionen werden beim Preisträgerkonzert im Rahmen des Festivals Neue Musik Stuttgart ECLAT 2018 aufgeführt. Im Rahmen des Preisträgerkonzerts findet auch die Preisverleihung mit der Übergabe der Urkunde an den Preisträger statt.

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Juliana Hodkinson

Juliana Hodkinsons Komposition "Can modify completely / in this case / not that it will make any differences" überzeugte die Jury in vielfacher Hinsicht: "Aus der Differenz der sehr unterschiedlichen instrumentalen Provinienzen - die solistische E-Gitarre auf der einen und das Orchester auf der anderen Seite - erzeugt die Komponistin eine Musik von höchster energetischer Dichte und großem klanglichen Reichtum. Nicht nur musikalische Traditionslinien wie Solo-Konzert, Virtuosität und Klanggewalt werden äußerst überzeugend einer Neubewertung unterzogen", begründete die Jury ihre Entscheidung.

Juliana Hodkinson wurde 1971 in Exeter (England) geboren. Sie studierte Musikwissenschaft und Philosophie am King's College Cambridge sowie Japanese Studies an der University of Sheffield. 2007 promovierte sie an der Universität Kopenhagen mit einer musikwissenschaftlichen Arbeit über "Constitutive silences in music and sound art since the mid 20th century".

Hodkinson ist als freischaffende Komponistin tätig und lebt seit 2009 in Berlin. Sie hat an der Universität Kopenhagen und der Technischen Universität Berlin Musikwissenschaft (Klangkunst, Musik und Medien, Musikästhetik) studiert und an der Musikhochschule in Kopenhagen Komposition unterrichtet. Sie hielt Gastvorträge an vielen Universitäten und Hochschulen, unter anderem an der Kunstuniversität Graz, der University of York, der Oxford Brookes University und dem European Film College und Sonic College. Neben ihrer kompositorischen Tätigkeit leitete sie 2008 bis 2010 die Ausschüsse für Rock, Pop und klassisch­zeitgenössische Musik und Klangkunst des dänischen Staatlichen Kunstfonds und wirkte in etlichen Gremien und Jury mit.
1997 bis 1998 war sie Composer-in-residence beim Orchestre Royal de Chambre de Mons, 2004 bis 2005 beim Odense Symphonieorchester. Porträtkonzerte mit ihrer Musik wurden von Scenatet, Esbjerg Ensemble und Schallfeld Ensemble in Kopenhagen, Esbjerg, Graz und lstanbul gespielt. Sie erhielt zahlreiche Kompositionsaufträge, unter anderem von den Berliner Festspielen/MaerzMusik. Ihre Werke wurden vom Klangforum Wien, ensemble recherche, Ensemble lntercontemporain, lcelandic Symphony Orchestra, dem Shanghai Symphony Orchestra (ur-)aufgeführt. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise.

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Juliana Hodkinson. Foto: Anka Bardeleben Photography

Malte Giesen

Die Komposition "$88 or the poetry of capitalism" von Malte Giesen hingegen zeugt von einem scharfen und zugleich kritischem Denken gegenüber aktuellen gesellschaftlichen Zusammenhängen. Giesens Stück ist im besten Sinne politisch informiert, verliert dabei aber in keiner Weise die musikalische Gestaltung aus den Augen. Aus seinem präzisen Denken formt der Komponist eine sehr eigenwillige und dringlich befremdende Erfahrung unserer Zeit", urteilte die Jury.

Malte Giesen studierte Komposition/Computermusik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart bei Marco Stroppa und Oliver Schneller, es folgten weitere Studien am CNSM Paris bei Gerard Pesson und Hanspeter Kyburz sowie elektroakustische Musik bei Wolfgang Heiniger an der HfM Berlin. Er unterrichtet zeitgenössische Improvisation an der HfM Karlsruhe und elektroakustische Musik an der HfM Berlin.

Giesens Werke wurden auf den namhaften Festivals im ln- und Ausland (Donaueschinger Musiktage, Wien Modern, Klangwerkstatt Berlin, AchtBrücken Köln, Ars Nova Rottweil, blurred edges Hamburg und den Wittener Tagen für neue Kammermusik) aufgeführt, unter anderem in Zusammenarbeit mit den Ensembles Sonar Quartett, Quatuor Diotima, Sonic.Art Saxophon-Quartett, Ensemble Ascolta, ensemble recherche, ensemble mosaik und ensemble adapter.
Giesen erhielt zahlreiche Preise, unter anderem den Carl-von-Ossietzky-Kompositionspreis der Stadt Oldenburg und den ersten Preis beim Deutschen Musikwettbewerb Komposition.

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Malte Giese. Foto: Agathe Poupeney

Die Jury

Mitglieder der Jury waren

  • Björn Gottstein (Vertreter des Südwestrundfunks)
  • Prof. Martin Schüttler (Vertreter der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart)
  • Prof. Dr. Angela Ina De Benedictis (Musikwissenschaftlerin)
  • Prof. Frédéric Durieux (Komponist)
  • Dr. Michael Kunkel (Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Hochschule für Musik Basel)
  • Prof. Younghi Pagh-Paan (Komponistin)
  • Prof. Mike Svoboda (Komponist und Posaunist). 
Den Vorsitz hatte Bürgermeister Dr. Fabian Mayer.