Presse
  •  

Bürgermeister Dr. Fabian Mayer hat Else-Josenhans-Straße eingeweiht

29.09.2017 Aktuelles
Der Bürgermeister für Allgemeine Verwaltung, Kultur und Recht, Dr. Fabian Mayer, hat am Freitag, 29. September, die Else-Josenhans-Straße in Stuttgart-Mitte eingeweiht. Elke Banabak von der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber sprach ein Grußwort. Anschließend gab es eine Ansprache des Bürgermeisters. "Stolperkunst" mit Theater Lokstoff zeigte die Performance "Ich, Du, Er, Sie, Es, Wir!" Den musikalischen Rahmen gestaltete Wilma Heuken am Akkordeon.

Einweihung Else Josenhans Straße mit BM MayerVon links: Dr. Fabian Mayer, Bürgermeister für Allgemeine Verwaltung, Kultur und Recht, sowie Thomas G.Hermann, Enkel von Else Josenhans und Elke Banabak, Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber, bei der Einweihung. Foto: Kraufmann/Thomas Hörner Im Rahmen der Vergabe von Straßennamen im neuen Dorotheenquartier wurde die bisherige Lederstraße zwischen der Karl- und Holzstraße in Else-Josenhans-Straße umbenannt.
 
Die Straßenfläche befindet sich im Eigentum der Landeshauptstadt Stuttgart. Eigentümerin des Gebäudes ist die Baden-Württemberg Stiftung. Die
Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber hatte die neue Bezeichnung zusammen mit dem Bezirksbeirat vorgeschlagen.

Über Else Josenhans

Else Josenhans wurde 1896 als Else Meyer in Heilbronn geboren. Sie war die Tochter einer jüdischen Bankiersfamilie. In ihrem Heimatort heiratete sie den evangelischen Beamten Wilhelm Josenhans und bekam mit ihm zwei Töchter. 1922 zog die Familie nach Stuttgart um. 1933 bezog sie in der neu errichteten Kochenhofsiedlung ein Einfamilienhaus. Bald nach der Machtübernahme bekam auch die Familie Josenhans die Repressalien gegen jüdische Mitbürger zu spüren. Wilhelm Josenhans verlor wegen seiner jüdischen Ehefrau seine Arbeit als Verwaltungsbeamter und versuchte danach, seine Familie mit der Produktion und dem Vertrieb von Werbegeschenken über Wasser zu halten.

Am 9. November 1933 wurde das Haus der Familie mit Lehm und Dreck beworfen und mit dem Schriftzug "Jude" denunziert. Im Herbst 1941 wurde Else Josenhans der Name Sarah zugewiesen, und sie bekam einen Judenpass ausgestellt. Damit war der Judenstern verbunden und das Verbot, aus Deutschland auszureisen. Ein Teil des Familienvermögens wurde als sogenannte Judensteuer eingezogen. Auf dem Killesberg, der nahe am Wohnort der Familie lag, begannen die ersten Judentransporte in den Osten. Zunächst waren sogenannte Mischehepartner noch ausgenommen. Bei Bombenalarm wurde Else Josenhans als Jüdin der Zutritt zum Bunker verweigert. Als das Haus der Familie nach einem Bombenangriff in Flammen stand, brannte es nieder, weil Juden nicht beim Löschen geholfen wurde.

Inhaftierung und Ermordung

Ende Januar 1945 erhielt Else Josenhans den Bescheid zur Deportation in den Osten. Damit war ihr klar, dass ihre Lebenszeit dem Ende zuging. Allerdings war inzwischen schon offensichtlich, dass der Krieg verloren und die Rettung nahe war. Nach einer Behandlung durch eine befreundete Ärztin ließ sich Else Josenhans als transportunfähig ins Robert-Bosch-Krankenhaus einweisen. Während ihrer Genesung bekam sie dort Besuch von einem Mann, der ihr anbot, die ganze Familie gegen Auslieferung des Familienschmucks über die Schweizer Grenze zu bringen. Als sich die Familie am vereinbarten Treffpunkt einfand, entpuppte sich der scheinbare Helfer als Polizeispitzel. Die Familie wurde von der Gestapo verhaftet und in verschiedene Gefängnisse gebracht.

Else Josenhans kam in das Gestapo-Gefängnis im ehemaligen Hotel Silber. Dort befahl der Stuttgarter Gestapochef die Tötung aller verbliebenen Gefangenen, als die alliierten Truppen auf dem Vormarsch nach Stuttgart waren. Else Josenhans wurde am 11. April 1945 auf grausame Weise ermordet. Ihr Leichnam wurde im jüdischen Teil des Steinhaldenfriedhofs ohne Sarg verscharrt. Nach Kriegsende wurde sie in das Familiengrab auf dem Waldfriedhof umgebettet. Eine dreifach gelegte Schnur hatte sie noch um den Hals.