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Winterzeit ist Holzerntezeit

13.11.2017 Umwelt
Wer aufmerksam durch den Wald in Stuttgart geht, dem sollten die Zeichen nicht entgangen sein: hier ein Punkt an einem Baumstamm, da ein schräger Strich oder ein doppelter Querbalken. "Während die Waldbesucher noch den Herbstwald genießen, bereiten wir uns schon auf die Arbeit im kommenden Herbst und Winter vor. Die Farbmarkierungen an den Bäumen dienen unseren Forstwirten zur Orientierung bei der Waldarbeit", erklärt Fabian Schulmeyer, Dienststellenleiter Stadtwald und untere Forstbehörde beim Garten-, Friedhofs- und Forstamt der Stadt Stuttgart.

Die Kennzeichnungen, die die Forstleute auf die Bäume gesprüht haben, sagen den Mitarbeitern, ob ein Baum gefällt werden soll oder ob er ein Zukunfts- oder ein Habitatbaum ist. Das Anbringen der Symbole mit spezieller Sprühfarbe nennt das Forstpersonal "Auszeichnen". Ein Schrägstrich bedeutet, dass ein Baum bei der nächsten Waldpflegemaßnahme gefällt wird.

Zukunftsbäume und Habitatbäume

"Beim Auszeichnen richtet sich der Blick in die Baumkrone und auf den Baumstamm", sagt Schulmeyer. "Es geht in erster Linie nicht darum, welcher Baum gefällt, sondern welcher Baum gefördert werden soll. Die sogenannten Zukunftsbäume sind meist besonders kräftige und vitale Bäume mit schönem geradem Stamm, die später einmal wertvolles Holz für den Möbelbau liefern."

Die Forstleute achten aber nicht nur auf die zukünftige Holzverwendung, sondern auch auf den Naturschutz. Besonderes Fachwissen setzt die Kennzeichnung der Habitatbäume voraus. Das sind Bäume, die ökologisch bedeutsam sind, beispielsweise als Specht-, Höhlen- oder Horstbäume. Sie sind wichtiger Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Pilze und werden deshalb nicht gefällt. "Die Markierungen sind auch für die Sicherheit unserer Forstwirte sehr wichtig, da in den Kronen der Habitatbäume häufig starke abgestorbene Äste hängen, die bei Erschütterungen herabfallen können", erläutert Schulmeyer.

Rückegassen als Wegweiser

"Mit einem waagerechten Strich werden die Rückegassen markiert", so Schulmeyer. Das sind Fahrlinien im Wald, auf denen das Holz an den Waldweg gezogen wird. Die Forstspezialmaschinen fahren ausschließlich auf den Rückegassen. So wird der empfindliche Waldboden geschont. Rückegassen sind also keine Waldwege und werden auch nicht befestigt oder freigehalten.

Sicherheit beim Waldspaziergang

Die Sicherheit der Waldbesucherinnen und Waldbesucher ist den Forstleuten sehr wichtig. Dort, wo Bäume gefällt werden, müssen daher die Waldwege zeitweise gesperrt werden. "Wir bemühen uns aber immer, die Sperrungen auf das notwenige Maß zu beschränken und die Wege möglichst schnell wieder freizugeben. Im eigenen Interesse bitten wir die Waldbesucherinnen und Waldbesucher, Absperrungen zu beachten und die Arbeitsbereiche auch nicht abseits der Wege zu betreten", betont Schulmeyer.