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Naturschutz im Greutterwald: Springfrösche erhalten neue Heimat und Vicinalweg für Autos dauerhaft gesperrt

15.01.2018 Aktuelles
Der Springfrosch im Greutterwald erhält ein neues Zuhause. Derzeit lässt das Garten-, Friedhofs- und Forstamt, die Tümpel in diesem Gebiet neu herrichten, wie die Stadt am 15. Januar mitteilte.

"Der Springfrosch ist eine besonders schützenswerte Tierart und besiedelt bevorzugt lichte und gewässerreiche Laubmischwälder. Wenn Tümpel verlanden, ist das schwierig für die Tiere. Jetzt helfen wir ihnen sozusagen auf die Sprünge", erklärte Fabian Schulmeyer, Leiter der Dienststelle Stadtwald und untere Forstbehörde. Die im Tümpelbereich aufwachsenden Erlen und Eschen werden daher gefällt und Bagger formen die Tümpel neu. "Während der Arbeiten ist der Tübinger Weg zeitweise aus Sicherheitsgründen gesperrt. Radfahrer und Spaziergänger bitten wir daher, den Umweg über den für den Kfz-Verkehr gesperrten Vicinalweg zu nehmen", so Schulmeyer. Nach Abschluss der Arbeiten im Januar wird der Tübinger Weg gereinigt und möglichst umgehend wieder freigegeben. 

Der Vicinalweg zwischen Weilimdorf und Zuffenhausen ist seit November 2017 für den Autoverkehr gesperrt. "Ein Erfolg für den Naturschutz, der aufgrund der kooperativen Zusammenarbeit mit den Firmen Nokia und Porsche, möglich war", so der Bürgermeister für Städtebau und Umwelt, Peter Pätzold.  

Bislang war der Weg temporär als Zufahrt von Weilimdorf aus an die dort ansässigen Firmen geöffnet. Die Vereinbarung wurde 1963 von der Stadt Stuttgart mit der Firma SEL (deren Rechtsnachfolger Nokia ist) getroffen. Als der Greutterwald 1984 als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde, blieb die Vereinbarung unangetastet. Nachdem die Stadt die Anbindung des Gewerbegebiets über die Schwieberdinger Straße und Lorenzstraße durch eine Erneuerung der Kreuzung mit neuer Lichtsignalanlagen, geänderten Signalprogrammen und Fahrspuren im Sommer 2017 verbessert hatte, konnte der Vertrag im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst werden.  

Die Tümpel am nördlichen Rand des Schutzgebietes dienen den dort vorkommenden Amphibienarten als Fortpflanzungs- und Laichgewässer. Die Amphiben nutzen allerdings den gesamten Greutterwald, von dem der Großteil südlich des Vicinalwegs liegt, in ihrer Zeit an Land als Lebensraum. Da darunter auch das Vorkommen europarechtlich streng geschützter Arten bekannt war, wurde 2016 eine ökologische Untersuchung vom Amt für Umweltschutz beauftragt, in der die Barrierewirkung der Straße auf die zum Laichgewässer wandernden Tiere untersucht wurde. Es wurde nachgewiesen, dass durch eine erlaubte Durchfahrt in den Morgen- und Abendstunden zahlreiche Tiere während der Wanderzeit überfahren werden. 

Das Naturschutzgebiet Greutterwald zwischen Weilimdorf, Zuffenhausen und Feuerbach ist eine wichtige Ausgleichsfläche im stark bebauten Norden Stuttgarts. Die zahlreichen Wasserflächen und feuchten Bereiche machen den Wald einzigartig. Er ist ein wertvoller Lebensraum zahlreicher seltener und besonders gefährdeter Tiere, vor allem von Fledermäusen, Vögeln, Amphibien und Insekten.