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Landeshauptstadt Stuttgart verleiht Hegel-Preis an Professor Michael Stolleis

25.01.2018 Aktuelles
Die Landeshauptstadt Stuttgart verleiht den mit 12.000 Euro dotierten Hegel-Preis 2018 an Professor Michael Stolleis. Das beschloss der Gemeinderat in seiner Sitzung am 25. Januar. Oberbürgermeister Fritz Kuhn wird den Preis am 11. Juni um 19 Uhr im Großen Sitzungssaal des Stuttgarter Rathauses überreichen.

Hegel-Preisträger 2018: Prof. Michael StolleisLandeshauptstadt Stuttgart verleiht Hegel-Preis an Professor Michael Stolleis. Foto: Christiane Birr
Die Jury hat ihre Entscheidung am 29. November 2017 mit der folgenden Begründung getroffen: "Herr Prof. Dr. Michael Stolleis ist einer der fruchtbarsten und scharfsinnigsten Rechtsdenker der Gegenwart. In seinen zahlreichen Arbeiten zur Rechtsgeschichte, zum Verfassungs- und Verwaltungsrecht sowie zum Staatskirchenrecht verbindet sich ein Höchstmaß an Tiefenschärfe mit einem souveränen Überblick über die ideengeschichtliche, politische und gesellschaftliche Verwobenheit der Rechtsnormen und Rechtstexte. Sein vierbändiges opus magnum 'Geschichte des öffentliches Rechts in Deutschland', das einen Zeitraum von vier Jahrhunderten umfasst, setzt mit der detailgenauen Verschränkung von Wissenschaftsgeschichte, Geistesgeschichte, Rechtsgeschichte und politischer Geschichte Maßstäbe und eröffnet damit zugleich neue Horizonte zu einem tieferen Verständnis auch der Rechtskultur der Gegenwart."

Die Jury weiter: "In dieser wie in anderen Arbeiten offenbart sich eine bewundernswerte Fähigkeit, differenzierte historische und systematische Zusammenhänge auf höchstem wissenschaftlichen Niveau in einer Weise darzustellen, die die Lektüre zu einem fesselnden Erlebnis macht. In diesem integrativen, den Geist der Epochen in mehreren Dimensionen spiegelnden Werk, das sich ebenso durch große gedankliche Kraft wie durch selbstlose Hingabe an ein schier überwältigendes Tatsachenmaterial auszeichnet, erblickt die Jury eine Leistung, die es aufgrund ihrer beeindruckenden Originalität in besonderem Maße verdient, mit dem Hegel-Preis der Stadt Stuttgart ausgezeichnet zu werden."

Vita

Michael Stolleis wurde am 20. Juli 1941 in Ludwigshafen am Rhein geboren. Er absolvierte ein Studium der Rechtswissenschaften, Germanistik und Kunstgeschichte in Heidelberg und Würzburg, das er 1965 mit dem ersten und 1969 mit dem zweiten Staatsexamen abschloss. 1967 promovierte er in München bei Sten Gagnér.

1973 habilitierte Stolleis sich in München für die Fächer Staats- und Verwaltungsrecht, Neuere Rechtsgeschichte und Kirchenrecht. Ein Jahr später wurde er zur Professur für Öffentliches Recht und Rechtsgeschichte an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main berufen, welche er bis zu seiner Emeritierung 2006 innehatte. Ab 1991 war Stolleis Direktor des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte. Nach seiner Emeritierung im Jahr 2006 übernahm er die kommissarische Leitung bis Ende 2009.

Hauptbereiche seiner Arbeiten sind das Öffentliche Recht (vor allem Sozialrecht), Juristische Zeitgeschichte und Neuere Rechtsgeschichte (vor allem Wissenschaftsgeschichte des öffentlichen Rechts). Des Weiteren ist Stolleis Mitglied in verschiedenen Akademien der Wissenschaft in Deutschland sowie im Ausland und Mitherausgeber diverser Schriftreihen und Zeitschriften.

Preise und Auszeichnungen

  • 1991 Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
  •   2000 Balzan-Preis
  •   Ehrendoktorate Lund, Toulouse, Padua, Helsinki
  •   Mitglied der Akademien in Mainz, Berlin, Göttingen, Darmstadt, Halle, Kopenhagen, Helsinki
  • 2014 Pour le Mérite

Wichtigste Werke

  •   Geschichte des öffentlichen Rechts, 4 Bde. München 1988, 1992, 1999, 2012, mit englischer, französischer, italienischer und chinesischer Übersetzung
  • Geschichte des Sozialrechts in Deutschland. Stuttgart 2003 (englisch 2013)
  • Das Auge des Gesetzes, 2 Auflagen. München 2004 (vielfach übersetzt)
  • Rechtsgeschichte schreiben. Rekonstruktion, Erzählung, Fiktion?. Basel 2008
  • Ausgewählte Aufsätze und Beiträge, hrsg. Von Stefan Ruppert und Milos Vec, 2 Teilbände. Frankfurt (Klostermann) 2011
  • Öffentliches Recht in Deutschland. München 2014
  • Nahes Unrecht, fernes Recht. Göttingen 2014
  • Margarethe und der Mönch. Rechtsgeschichte in Geschichten. München 2015
  • Verfassungs(ge)schichten. Tübingen 2017
  • Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte. Materialien, Methodik, Fragestellungen. Berlin 2017

Jury

Der Jury gehören vier Fachjurorinnen und Fachjuroren an. Dies sind derzeit: Martin Bauer, Hamburger Institut für Sozialforschung, Prof. Dr. Dina Emundts, Präsidentin der Internationalen Hegel-Vereinigung, Prof. Dr. Dres.h.c. Ulfrid Neumann, Goethe-Universität Frankfurt am Main und Prof. Dr. Reinhard Steiner, Institut für Kunstgeschichte Stuttgart. Außerdem Vertreterinnen und Vertreter des Stuttgarter Gemeinderates, zurzeit Petra Rühle, Hans-Peter Ehrlich, Jürgen Sauer und Guntrun Müller-Enßlin, sowie die Leiterin des Kulturamtes, Dr. Birgit Schneider-Bönninger.

Der Hegel-Preis der Landeshauptstadt Stuttgart wurde am 8. Juni 1967 mit Beschluss des Gemeinderats von der Landeshauptstadt Stuttgart gestiftet und wird alle drei Jahre an Persönlichkeiten verliehen, die sich um die Entwicklung der Geisteswissenschaften verdient gemacht haben. Der Hegel-Preis wurde erstmals 1970 anlässlich Hegels 200. Geburtstag vergeben und ist mit 12.000 Euro dotiert. Über die Verleihung entscheidet eine Jury. Eine Bewerbung ist nicht möglich.

Weitere Informationen unter www.stuttgart.de/hegelpreis