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Maßnahme gegen Insektensterben: Steinbruch Wenninger erstrahlt in neuem Glanz

19.02.2018 Umwelt
Der ehemalige Muschelkalksteinbruch Wenninger ist ein wichtiger Rückzugsraum für seltene Insekten- und Pflanzenarten. Deshalb schützt die Stadt Stuttgart das Biotop durch aufwändige Pflegemaßnahmen. Der Bürgermeister für Städtebau und Umwelt, Peter Pätzold, und der Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, Andre Baumann, haben sich am Montag, 19. Februar, vor Ort informiert. Die Maßnahmen zur Pflege des Steinbruchs werden von der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg gefördert.

Maßnahme gegen Insektensterben: Steinbruch Wenninger erstrahlt in neuem GlanzEin Zeichen für die Artenvielfalt: Dr. Hans-Wolf Zirkwitz (Leiter Amt für Umweltschutz, links), Andre Baumann (Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, Mitte) und Umweltbürgermeister Peter Pätzold (rechts) beim Besuch des ehemaligen Steinbruchs Wenninger, der heute ein wichtiger Rückzugsort für seltene Pflanzen- und Tierarten ist. Foto: Franziska KraufmannBürgermeister Pätzold sagte: "Mit dieser Maßnahme setzen wir ein Zeichen für die Artenvielfalt. Trockenwarme Standorte wie hier besitzen eine hohe Bedeutung für viele Insekten wie z. B. Bienen, Schmetterlingen und Käfer. Der Bürgermeister unterstrich, wenn diese Lebensräume verschwinden, verschwinden auch die Insekten mit unabsehbaren Folgen.  

Pätzold weiter: "Alle Insekten leisten wichtige Aufgaben in unserem Ökosystem. Einerseits bilden sie die Nahrungsgrundlage für viele andere Tiere wie z. B. Vögel und Reptilien, anderseits tragen sie zur Verbreitung von Blütenpflanzen bei. Durch die Bestäubung von Nutzpflanzen sind Insekten elementarer Bestandteil unserer Nahrungsproduktion. Deshalb ist es in unserem eigenen Interesse, das Insektensterben auf möglichst vielen Ebenen zu stoppen und Rückzugsräume wie den Steinbruch Wenninger zu erhalten."  

Staatssekretär Baumann betonte: "Überall im Land sind wertvolle Lebensräume von Tieren und Pflanzen durch Siedlungs- und Gewerbeflächen, Verkehrsachsen und intensiv landwirtschaftlich genutzte Flächen getrennt. Doch nur wenn die Lebensräume unserer heimischen Tier- und Pflanzenarten in einem engmaschigen Netz miteinander verknüpft sind, können wir das Artensterben aufhalten und unsere einzigartigen Kulturlandschaften in ihrer Vielfalt bewahren." Ein wirksamer Biotopverbund sei darum eine der wichtigsten Aufgaben der Politik. 

"Die Stadt Stuttgart fügt mit der Maßnahme im Steinbruch Wenninger dem landesweiten Biotopverbund wieder einen Baustein hinzu", so Baumann weiter. "Denn auch ein gut strukturiertes Netz von vielen kleinen Maßnahmen trägt zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei. Für den Biotopverbund sind Kommunen die wichtigsten Partner: Biotopverbund muss Hecke für Hecke, Wiese für Wiese und Bach für Bach umgesetzt werden. Dazu brauchen wir Kommunen, die den Lebensraumverbund mitdenken." Das Fachkonzept "Landesweiter Biotopverbund" der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) zeigt für alle Städte und Gemeinden, wo wichtige Biotopverbundflächen liegen."      

Der Muschelkalksteinbruch Wenninger liegt an der Verbindungsstraße zwischen Mühlhausen und Zazenhausen im unteren Feuerbachtal. Nach der Stilllegung im Jahr 1983 siedelten sich seltene Pflanzen- und Tierarten im Steinbruch an, die trockenwarme, magere Flächen und offene Steinwände brauchen. Hier finden beispielsweise die Blauschillernde Sandbiene und der Schöne Pippau ihren zum Teil letzten Rückzugsort in Stuttgart.  

Dieser seltene Lebensraum ist durch die Ausbreitung von Gehölzen beeinträchtigt, weil sie die Felswände beschatten. Eines der Ziele des vom Amt für Umweltschutz betreuten Projekts "Wiederherstellung und Erhalt offener trockenwarmer Felswände als isolierte Trittsteine im Biotopverbund" ist daher der Erhalt magerer trockenwarmer Standorte.  

Um den seltenen Lebensraum im Verbund zu den offenen Weinbergen des Neckars und weiteren Felswänden aufrecht zu erhalten, fördert die Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg die Pflegemaßnahmen in den Jahren 2017 und 2018 im Steinbruch Wenninger, im Steinbruch Stephan und an der Felswand im Friedhof Zuffenhausen mit mehr als 100.000 Euro aus Erträgen der Privatlotterie Glücksspirale.

Hintergrundinformation zum Fachkonzept "Landesweiter Biotopverbund"

Der Fachplan Landesweiter Biotopverbund ist seit 2015 im baden-württembergischen Naturschutzgesetz als Planungsgrundlage eingeführt. Alle öffentlichen Planungsträger haben bei ihren Planungen und Maßnahmen die Belange des Biotopverbundes zu berücksichtigen. Informationen zum Biotopverbund sind auf der LUBW-Homepage abrufbar. 

Das Umweltministerium und die LUBW haben zudem gemeinsam die Broschüre "Grüne Infrastruktur - Biotopverbund in Baden-Württemberg" herausgegeben, die das Thema allgemein verständlich und mit zahlreichen Bildern erläutert. Sie wendet sich insbesondere an die Kommunen in Baden-Württemberg, aber auch an interessierte Dritte. Die Broschüre kann hier heruntergeladen oder bestellt werden.