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Studie "Öffentliche Sicherheit in Stuttgart" im neuen Monatsheft

13.03.2018 Aktuelles
Die Studie des Statistischen Amts zur öffentlichen Sicherheit in Stuttgart aus der Bürgersicht ist im neuen Monatsheft Nr. 2/2018 erschienen. Der Bürgermeister für Sicherheit, Ordnung und Sport, Dr. Martin Schairer, sagt: "Die wichtigste Erkenntnis vorweg: Die sprunghaft angestiegene Sorge über Terroranschläge, das Gefühl der Bedrohung durch Terrorismus in der Bevölkerung, wie es in zahlreichen bundesweiten Meinungsumfragen zum Ausdruck kommt, schlägt sich nicht im lokalen subjektiven Sicherheitsgefühl nieder."

Die Studie beruht auf früheren Bürgerumfragen und der aktuellen Bürgerumfrage 2017 des Statistischen Amts, die als ein Schwerpunktthema die öffentliche Sicherheit hatte. Rund 4000 Befragte bilden die Grundlage für ein repräsentatives Meinungsbild, das neben der Gesamtstadt auch für die 23 Stuttgarter Stadtbezirke erstellt wurde.

"Zunächst einmal zeigt sich bei allen Kriminalitätsbelastungsindikatoren der Bürgerumfrage ein spürbarer Rückgang des allgemeinen Bedrohungsgefühls in der Stuttgarter Bevölkerung", erklärt der Leiter des Statistischen Amts, Thomas Schwarz. Das persönliche Sicherheitsgefühl der Stuttgarter im Alltag, konkret in verschiedenen Gefahrenräumen, ist ein weiterer Untersuchungsgegenstand der Sicherheitsstudie. Es wird deutlich, dass die eigene Wohngegend als weitestgehend sicher empfunden wird, wohingegen die Bevölkerung "Fußgängerunterführungen", "Parkhäuser/Tiefgaragen", "Parks/Grünanlagen" und "unterirdische Haltestellen" eher als unsichere Lokalitäten empfindet. Während Frauen bei der allgemein sozialen Kriminalitätsfurcht kaum eine andere Wahrnehmung als Männer haben, fühlen sie sich in der konkret wahrgenommenen Bedrohung an bestimmten "kritischen Örtlichkeiten" und auch in der eigenen Wohngegend unsicherer, in "Parkhäusern/Tiefgaragen" sogar weitaus unsicherer als Männer. Innerhalb des Stadtgebiets Stuttgart sind die Wahrnehmungsunterschiede der Sicherheit im eigenen Wohngebiet nicht allzu groß. Ein hohes Sicherheitsempfinden liegt in den südlichen Stadtbezirken sowie in West und Süd, ein niedrigeres im nördlichen Stadtgebiet vor.

Des Weiteren wurde der Frage der persönlichen Risikoeinschätzung, Opfer einer Straftat oder eines unangenehmen Ereignisses zu werden, nachgegangen. Die Gefahr wird alles in allem als recht gering eingestuft. Höher, als die Gefahr Opfer eines Gewaltdelikts oder einer sexuellen Belästigung zu werden, wird die Gefahr bewertet, von einem terroristischen Anschlag betroffen zu sein. Am wahrscheinlichsten wird eine "Pöbelei oder Beleidigung" oder ein "Verkehrsunfall" angesehen; im Unterschied zu früheren Bürgerumfragen (1999, 2009) ist dabei die Risikoeinschätzung einer "Pöbelei oder Beleidigung" markant zurückgegangen.

Hoher Anteil der Einwohnerschaft meidet es "bei Dunkelheit auszugehen"

Die persönliche Risikoeinschätzung schwankt nicht nach dem Geschlecht (außer bei sexueller Belästigung) und ist nur bei einzelnen Deliktarten ("Diebstahl, Einbruch", "Internet-Straftaten") altersabhängig. Auch innerhalb Stuttgarts unterscheidet sich die Risikoeinschätzung der Bevölkerung in den Stadtbezirken nur wenig; sie folgt dabei dem Verteilungsmuster der realen Delikt- und Problembelastung.

Ein weiterer Aspekt der Untersuchung beschäftigt sich mit Abwehr- und Vermeidungsreaktionen der Bevölkerung, um zu verhindern, selbst Opfer zu werden. Eine große Rolle beim Vermeidungsverhalten spielt für die Stuttgarter insbesondere der Schutz vor Wohnungseinbrüchen. Ein beachtlich hoher Anteil der hiesigen Einwohnerschaft meidet auch "abends bei Dunkelheit auszugehen" oder geht "nur in Begleitung aus". "Bestimmte Straßen, Plätze und Parks in meiner Wohngegend" meiden sogar die Hälfte der Befragten. Noch mehr gemieden werden "abends bei Dunkelheit bestimmte Straßen, Plätze oder Parks in der Innenstadt". Öffentliche Verkehrsmittel sind für die große Mehrheit abends bei Dunkelheit hingegen kein Problem.

Abwehr- und Vermeidungsstrategien werden eindeutig eher von Frauen als von Männern praktiziert, altersspezifische Unterschiede sind geringer; nur hinsichtlich des Aufsuchens der Innenstadt abends bei Dunkelheit und bei Großveranstaltungen zeigten sich stärkere Effekte mit steigendem Alter.

Hohes lokales Sozialkapital innerhalb der Nachbarschaften

In der Untersuchung wurde auch aufgezeigt, dass das subjektive Sicherheitsgefühl am meisten bei Opfern von Gewaltdelikten leidet, konkret fühlen sich diese Menschen vor allem in der "eigenen Wohngegend", der "Stuttgarter Innenstadt" und in "Parks/Grünanlagen" unsicherer als Nicht-Opfer, aber auch als Opfer von Sachdelikten oder Wohnungseinbrüchen. Auch schätzten Befragte mit eigener Opfererfahrung das Gefährdungsrisiko vor allem gegenüber Gewaltdelikten signifikanter höher ein, als Nicht-Opfer. Zudem neigen sie verstärkt zu Vermeidungsstrategien. Bei Opfern von Gewaltdelikten ist auch das Vertrauen in die Nachbarschaft deutlich niedriger ausgeprägt. Interessanterweise leidet bei Opfern eines Wohnungseinbruchs die Einschätzung der Nachbarschaft nicht.

"Ein weiterer Aspekt der vorliegenden Sicherheitsstudie befasst sich mit dem lokalen Sozialkapital in Stuttgart und seinen Stadtbezirken", führt Thomas Schwarz weiter aus. Der Nachbarschaft in der Wohngegend wird in der neueren Kriminalitätsforschung in Bezug auf die Kriminalitätsfurcht der Bewohner Bedeutung beigemessen. Für Stuttgart kann ein sehr hohes lokales Sozialkapital innerhalb der Nachbarschaften nachgewiesen werden. Gleiches trifft auch auf die nachbarschaftlichen Kontakte, den sozialen Zusammenhalt und die informelle soziale Kontrolle zu. Auch auf der Ebene der 23 Stadtbezirke streut das vorhandene Sozialkapital kaum. Zu den Stadtbezirken mit dem höchsten Sozialkapital gehören Vaihingen, Sillenbuch und Degerloch.

Das Monatsheft Nr. 02/2018 ist beim Statistischen Amt, Eberhardstraße 39, Telefon 216-98587, Fax 216-98570, E-Mail komunis@stuttgart.de sowie unter www.stuttgart.de/statistik-infosystem erhältlich. Es kostet vier Euro.