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Freiheit 2.0: Was hat Big Data mit Freiheit zu tun?

01.06.2018 Kultur
Die experimentelle Installation FREIHEIT 2.0 von Florian Mehnert spielt mit dem erweiterten Kunstbegriff und fordert vom 2. bis 24. Juni 2018 zum Mitmachen auf - im Gerberviertel, mit dem Smartphone, auf der Straße und im StadtPalais.

Google kennt unsere Sorgen, unsere Interessen und unser nachstes Urlaubsziel. WhatsApp weiß, mit wem wir kommunizieren und Youtube erfasst, welche Videos wir betrachten. Instagram kennt unser gepostetes Leben. Facebook kennt uns besser als unsere Freunde und Amazon weiß schon heute, was wir morgen kaufen werden. Das System Big Data registriert unser Leben. Erhoben werden personliche und private Daten permanent, immer und uberall.

Die Big Data Industrie strebt nach einem Echtzeitmodell unseres taglichen Lebens. Die daraus resultierenden Geschaftsmodelle schaffen Milliardengewinne. Gleichzeitig verandern diese Prozesse tiefgreifend unsere Gesellschaft. Die Auseinandersetzung mit der Digitalisierung unseres Lebens und dem Spannungsverhaltnis zu unserer Privatsphare ist das zentrale Thema von FREIHEIT 2.0.

"Das Kunstprojekt FREIHEIT 2.0. steht im Kontext des Zukunftslabors Kultur, das kulturelle Zukünfte und damit auch die digitale Welt von heute und morgen untersucht. In der Sintflut der Daten brauchen wir heute mehr denn je eine Navigation, eine Orientierung und eine digitale Aufklärung. All das leistet das Projekt auf eine Art und Weise, die einerseits Denkanstöße gibt und anderseits auch Spaß macht, so dass möglichst viele Menschen zum Mitmachen animiert werden", beschreibt Dr. Birgit Schneider-Bonninger, Leiterin des Kulturamts der Landeshauptstadt Stuttgart, die Intension des Projekts.

Vier Elemente

FREIHEIT 2.0 ist eine aus vier Elementen bestehende partizipative experimentelle Kunstinstallation. Die Big Data Kolloquien mit Vortragen und Diskussionen sind ein zentraler Baustein: An vier Wochenenden diskutieren Burgerinnen und Burger mit Referenten aus den Bereichen Wirtschaft, IT, Soziologie, Philosophie und Psychologie uber die ganze Bandbreite der Digitalisierung.

Ein weiteres Element ist die Ausstellung im Zukunftssalon des StadtPalais: Mit einer Self Tracking App, die die GPS Funktion des Smartphones nutzt, um die geografische Position zu bestimmen, sind die Bewegungsprofile der User dort als interaktive Projektionen zu sehen. Museumsdirektor Dr. Torben Giese schätzt an FREIHEIT 2.0 besonders die Möglichkeit der Partizipation aller Stuttgarterinnen und Stuttgarter selbst. "Alle können mitmachen: Mit Florian Mehnerts Self Tracking App wird jeder, der möchte, ganz einfach Teil eines Kunstwerks. So wird ein Bewusstsein für die Sensibilität der eigenen Daten geschaffen", so Giese.

Die temporare Umfirmierung von Geschaften durch den Begriff FREIHEIT ist das dritte Element. 26 Geschafte im Stuttgarter Gerberviertel nehmen an FREIHEIT 2.0 teil. Durch die Umfirmierung von Geschaften im offentlichen Raum entsteht eine Plattform fur Diskussion. Das vierte Element ist ein auf der Straße aufgebrachtes temporares Leitsystem. Es fuhrt von den teilnehmenden Geschaften hin zum StadtPalais. Das Leitsystem visualisiert den unsichtbaren Datenfluss der digitalen Welt.

Experiementeller Zugang zu digitaler Bildung

Das Projekt FREIHEIT 2.0 wird unter anderem in Kooperation mit Dr. Stefan Brink, Landesbeauftragter fur Datenschutz und Informationsfreiheit Baden-Wurttemberg  realisiert. "Seit dem 25.5. gilt im Datenschutz europaweit einheitliches Recht, die Datenschutz-Grundverordnung. Damit werden unsere Bürgerrechte im digitalen Zeitalter erheblich gestärkt, der Datenschutz bekommt durch Schadensersatzansprüche und massive Bußgelder 'Zähne'. Damit dieses neue Recht anschaulich und bekannt wird, unterstützen wir das großartige Kunstprojekt von Florian Mehnert", so Brink bei der Pressekonferenz im StadtPalais.
 
Ziel des Projekts ist es einen experimentellen und ungewohnten Zugang zur digitalen Bildung zu eroffnen. FREIHEIT 2.0 arbeitet dabei mit einem erweiterten Kunstbegriff, in dem jeder auf seine Weise Gestalter und einflussnehmendes Element ist. "Hinter FREIHEIT 2.0 steht eine künstlerische Fragestellung:  Wie wirkt sich ein künstlerischer Eingriff in den öffentlichen Raum aus? Es ist wichtig FREIHEIT 2.0 nicht mit einer politischen Aktion zu verwechseln", stellt Konzept-Künstler Florian Mehnert klar.  

Das Projekt FREIHEIT 2.0 wird realisiert in Kooperation mit dem Landesbeauftragten fur Datenschutz und Informationsfreiheit Baden-Wurttemberg sowie dem StadtPalais - Museum fur Stuttgart und wird unter anderem vom Ministerium fur Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden- Wurttemberg und dem Kulturamt der Landeshauptstadt Stuttgart gefördert.

Über den Künstler

Florian Mehnert ist am 1. Juli 1970 in Koln geboren, er lebt und arbeitet im Markgraflerland in Baden-Wurttemberg. Mehnert entwickelt konzeptuelle Projekte, die sich mit gesellschaftlichen oder politischen Themen auseinandersetzen. Er arbeitet mit dem erweiterten Kunstbegriff, der die Partizipation des Rezipienten in den Mittelpunkt stellt.

Freiheit 2.0: 2. bis 24. Juni 2018
Verschiedene Orte: Geschafte im Gerberviertel, Kirche St. Maria, StadtPalais - Museum fur Stuttgart
Weitere Infos: www.freiheit2-0.de