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Hegel-Preis 2018 an Professor Michael Stolleis verliehen

12.06.2018 Ehrungen
Oberbürgermeister Fritz Kuhn hat bei einer feierlichen Preisverleihung am 11. Juni im Stuttgarter Rathaus den mit 12.000 Euro dotierten Hegel-Preis 2018 an Michael Stolleis, Professor für Öffentliches Recht und Neuere Rechtsgeschichte an der Johann Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main, überreicht.

Hegel-Preis 2018 an Professor Michael Stolleis verliehenVergrößernOB Fritz Kuhn (re.) hat den Hegel-Preis 2018 der Landeshauptstadt Stuttgart an Professor Dr. Michael Stolleis verliehen. Foto: Leif Piechowski/LHSOB Fritz Kuhn (re.) hat den Hegel-Preis 2018 der Landeshauptstadt Stuttgart an Professor Dr. Michael Stolleis verliehen. Foto: Leif Piechowski/LHS
OB Kuhn sagte in seiner Begrüßung: "Stuttgart ist Hegel, seinem großen philosophischen Sohn, eng verbunden. Wir feiern im Jahr 2020 seinen 250. Geburtstag und werden dazu das Museum in seinem Geburtshaus ganz neu konzipieren." An den diesjährigen Preisträger Michael Stolleis gewandt, sagte der OB: "Als Jurist, Rechtshistoriker und Rechtsphilosoph haben Sie uns in Ihren Werken gezeigt, wo unser Recht und unser Rechtsstaat herkommen und das mit großer Tiefe und Präzision. Ihr Lebenswerk zeigt uns, dass es sich lohnt, ein Leben lang nachzudenken."

Die Laudatio hielt Professor Wolfgang Klein. Der Sprachwissenschaftler und gute Freund des Preisträgers war bis zu seiner Emeritierung 2015 Direktor des Max-Planck-Instituts für Psycholinguistik im niederländischen Nijmegen. Klein ging auf Hegels Schrift zur Rechtsphilosophie von 1820 ein. Von dort schlug er eine Brücke zum Werk von Michael Stolleis, der "einerseits sein Standbein in der Geschichte des öffentlichen Rechts hat, andererseits auch immer wieder über die Grenzen dieses Fachs hinaus gedacht und geschrieben hat".

Preisträger Michael Stolleis sprach über seine persönliche Auseinandersetzung mit Hegel. 1941 geboren, sei er der Philosophie Hegels skeptisch gegenübergestanden, da sie oftmals von linken wie rechten Ideologen für sich vereinnahmt worden sei. Inzwischen habe sich das geändert: "Heute sind die Kämpfe um Hegel abgeflaut. Hegel steht im historischen Rahmen der Philosophie als Riesenfigur da." Stolleis schloss seine Rede mit einer Verbeugung vor dem großen Philosophen und einem Dank an die Landeshauptstadt Stuttgart: "Einen nach Hegel benannten Preis in seiner Geburtsstadt Stuttgart entgegenzunehmen, ist für einen Geisteswissenschaftler und Rechtshistoriker eine außergewöhnliche Ehre. Ich bin sehr dankbar, dass mir diese Ehre zuteilgeworden ist."

Begründung der Jury

Michael Stolleis ist der 17. Preisträger des 1970 erstmals verliehenen Hegel-Preises. Die Jury hatte ihre Entscheidung am 29. November 2017 mit der folgenden Begründung getroffen: "Prof. Dr. Michael Stolleis, von 1974 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2006 Professor für Öffentliches Recht und Neuere Rechtsgeschichte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main sowie von 1992 bis 2009 Direktor am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte, ist einer der fruchtbarsten und scharfsinnigsten Rechtsdenker der Gegenwart. In seinen zahlreichen Arbeiten zur Rechtsgeschichte, zum Verfassungs- und Verwaltungsrecht sowie zum Staatskirchenrecht verbindet sich ein Höchstmaß an Tiefenschärfe mit einem souveränen Überblick über die ideengeschichtliche, politische und gesellschaftliche Verwobenheit der Rechtsnormen und Rechtstexte. Sein vierbändiges opus magnum 'Geschichte des öffentliches Rechts in Deutschland', das einen Zeitraum von vier Jahrhunderten umfasst, setzt mit der detailgenauen Verschränkung von Wissenschaftsgeschichte, Geistesgeschichte, Rechtsgeschichte und politischer Geschichte Maßstäbe und eröffnet damit zugleich neue Horizonte zu einem tieferen Verständnis auch der Rechtskultur der Gegenwart. In dieser wie in anderen Arbeiten offenbart sich eine bewundernswerte Fähigkeit, differenzierte historische und systematische Zusammenhänge auf höchstem wissenschaftlichen Niveau in einer Weise darzustellen, die die Lektüre zu einem fesselnden Erlebnis macht. In diesem integrativen, den Geist der Epochen in mehreren Dimensionen spiegelnden Werk, das sich ebenso durch große gedankliche Kraft wie durch selbstlose Hingabe an ein schier überwältigendes Tatsachenmaterial auszeichnet, erblickt die Jury eine Leistung, die es aufgrund ihrer beeindruckenden Originalität in besonderem Maße verdient, mit dem Hegel-Preis der Stadt Stuttgart ausgezeichnet zu werden."

Über den Preisträger Michael Stolleis

Michael Stolleis wurde am 20.Juli 1941 in Ludwigshafen am Rhein geboren. Er absolvierte ein Studium der Rechtswissenschaften, Germanistik und Kunstgeschichte in Heidelberg und Würzburg, woraufhin er 1965 das erste und 1969 das zweite Staatsexamen ablegte. 1967 promovierte er in München bei Sten Gagnér.

1973 habilitierte Stolleis sich in München für die Fächer Staats- und Verwaltungsrecht, Neuere Rechtsgeschichte und Kirchenrecht. Daraufhin wurde er ein Jahr später zur Professur für Öffentliches Recht und Rechtsgeschichte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main berufen, welche er bis zu seiner Emeritierung 2006 ausübte.

Ab 1991 war Stolleis Direktor des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte; nach seiner Emeritierung im Jahr 2006 übernahm er aber die kommissarische Leitung bis Ende 2009. Hauptbereiche seiner Arbeiten sind das Öffentliche Recht (vor allem Sozialrecht), Juristische Zeitgeschichte und Neuere Rechtsgeschichte (vor allem Wissenschaftsgeschichte des öffentlichen Rechts). Des Weiteren ist Stolleis Mitglied in verschiedenen Akademien der Wissenschaft in Deutschland sowie im Ausland und Mitherausgeber diverser Schriftreihen und Zeitschriften.

Preise und Auszeichnungen

  • 1991 Leibniz-Preis der DFG
  • 2000 Balzan-Preis, Ehrendoktorale Lund, Toulouse, Padua, Helsinki, Mitglied der Akademien in Mainz, Berlin, Göttingen, Darmstadt, Halle, Kopenhagen, Helsinki
  • 2014 Pour le Mérite

Wichtigste Werke

Geschichte des öffentlichen Rechts, 4 Bde. München 1988, 1992, 1999, 2012, mit englischer, französischer, italienischer und chinesischer Übersetzung, Geschichte des Sozialrechts in Deutschland. Stuttgart 2003 (englisch 2013), Das Auge des Gesetzes, 2 Auflagen. München 2004 (vielfach übersetzt), Rechtsgeschichte schreiben. Rekonstruktion, Erzählung, Fiktion?. Basel 2008, Ausgewählte Aufsätze und Beiträge, hrsg. Von Stefan Ruppert und Milos Vec, 2 Teilbände. Frankfurt (Klostermann) 2011, Öffentliches Recht in Deutschland. München 2014, Nahes Unrecht, fernes Recht. Göttingen 2014, Margarethe und der Mönch. Rechtsgeschichte in Geschichten. München 2015, Verfassungs(ge)schichten. Tübingen 2017, Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte. Materialien, Methodik, Fragestellungen. Berlin 2017

Die Jury

Den Vorsitz der Jury hat der Bürgermeister für Allgemeine Verwaltung, Kultur und Recht, Dr. Fabian Mayer. Der Jury gehören weiterhin vier Fachjurorinnen und Fachjuroren an, derzeit Martin Bauer, Hamburger Institut für Sozialforschung, Prof. Dr. Dina Emundts, Präsidentin der Internationalen Hegel-Vereinigung, Prof. Dr. Dres. h.c. Ulfrid Neumann, Goethe-Universität Frankfurt am Main, und Prof. Dr. Reinhard Steiner, Institut für Kunstgeschichte Stuttgart. In der Jury sind außerdem Vertreterinnen und Vertreter des Stuttgarter Gemeinderates, derzeit Petra Rühle, Bündnis 90/DIE GRÜNEN-Gemeinderatsfraktion, Hans-Peter Ehrlich, SPD-Gemeinderatsfraktion, Jürgen Sauer, CDU-Gemeinderatsfraktion, Guntrun Müller-Enßlin, SÖS-LINKE-PluS und die Leiterin des Kulturamtes, Dr. Birgit Schneider-Bönninger.

Weitere Informationen zum Hegel-Preis finden Sie unter www.stuttgart.de/hegelpreis