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"Tatort: Boden": Europäisches Bodenbündnis tagt im Stuttgarter Rathaus

21.06.2018 Aktuelles
Die Städte wollen ihren Boden besser schützen, dafür wollen sie ihren Austausch vertiefen. Gerade wenn es um Fragen des Baus neuer Wohnungen oder Straßen geht. Rund 100 Vertreterinnen und Vertreter von Städten Gemeinden, Landkreisen und anderen Organisationen aus elf europäischen Länder trafen sich am Mittwoch, 20. Juni, im Stuttgarter Rathaus.
Das Motto der Jahrestagung des Europäischen Bodenbündnisses lautete "Tatort Boden". Ziel ist es, Synergien zwischen den Fachbereichen Naturschutz, Bodenschutz und Landwirtschaft zu finden und zu nutzen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehen den Schutz des Bodens als Existenzgrundlage im Sinne der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen an und arbeiten unter dieser Prämisse zusammen.

Der Bürgermeister für Städtebau- und Umwelt Peter Pätzold sagte zu Beginn, dass der Stuttgarter Gemeinderat die große Bedeutung einer nachhaltigeren Entwicklung am 3. Mai bekräftigt habe: "Boden ist eine endliche, eine wertvolle Ressource. Wir müssen naturnahe Böden erhalten, eine Zersiedelung können wir uns nicht leisten. Der Boden ist Wasserspeicher und dient dem Artenschutz, außerdem ist er die Grundlage für die 250 landwirtschaftlichen Betriebe in Stuttgart. Wir brauchen Freiflächen auch als Erholungsflächen und zur Bildung von Kaltluft. Deshalb achten wir beim Neubau ganz besonders auf ein effizientes, dichtes Bauen."

Die Stadt hat 2006 das Bodenschutzkonzept eingeführt, um den Neuverbrauch naturnaher Böden besser zu steuern. Dabei hat die Bedarfsdeckung an Nutzflächen im Innenbereich Vorrang. Das Konzept soll den Stellenwert des Bodenschutzes in der städtebaulichen Entwicklung hervorheben.

Staatssekretär Andre Baumann begrüßte die Anstrengungen der Stadt Stuttgart zum Schutz des Bodens: "Böden bilden das zentrale Fundament aller Landökosysteme und erbringen vielfältige Ökosystemleistungen, ohne die wir Menschen nicht leben könnten. Böden bilden nach den Meeren auch den zweitgrößten Treibhausgas-Speicher."

Gerade weil Böden wichtige Funktionen für den Menschen, den Naturhaushalt und das Klima erfüllten, sei es notwendig, die Schädigung und Vernichtung von Böden einzudämmen und dabei stärker als bislang die Qualität, sprich die Leistungsfähigkeit unserer Böden zu berücksichtigen, betonte Baumann. "Die Landesregierung ist sich ihrer Verantwortung bewusst und hat den Bodenschutz als eines ihrer obersten Ziele definiert."

Wie Einwirkungen von Infrastruktur- und Siedlungsprojekten auf Böden und Natur derzeit in Niedersachsen ausgeglichen werden, erläuterte Wilhelm Breuer vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Innovative Ansätze des Ausgleichs werden im Forschungsvorhaben "Regionale Ausgleichsstrategien als Motor einer nachhaltigen Landnutzung" entwickelt. Prof. Frank Lohrberg von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen berichtete über das Vorhaben, an dem Landeshauptstadt und Verband Region Stuttgart, Stadt Filderstadt, Universität Hohenheim, Naturschutzbund Deutschland e.V. und Flächenagentur Baden-Württemberg mitwirken.

Über die unterschiedlichen Strategien und Erfahrungen deutscher Großstädte mit dem Bodenschutz bei der Ausweitung von Siedlungs- und Verkehrsflächen informierte Dr. Hans-Wolf Zirkwitz als Leiter des Stuttgarter Amts für Umweltschutz und als Vorsitzender der Fachkommission Umwelt des Deutschen Städtetags. Über ein interessantes Instrument verfügt die Schweiz mit dem "Sachplan Fruchtfolgeflächen". Ueli Strauss-Gallmann, Leiter des Amts für Raumentwicklung und Geoinformation im Kanton St. Gallen, berichtete über Erfahrungen beim Schutz und Erhalt landwirtschaftlicher Flächen in der Schweiz.

Drei Arbeitsgruppen befassten sich mit den Aspekten "Bodenschutz in der Eingriffs- und Ausgleichsregelung", "Schutzgutübergreifenden Konzepten" und "Landwirtschaft und Bodenschutz". Das angestrebte Ziel bleibt die Verbesserung der Zusammenarbeit von Bodenschutz, Naturschutz und Landwirtschaft bei Eingriffen in den Naturhaushalt. Die Abschlussdiskussion zeigte, wie wichtig dabei ein gegenseitiges Verständnis ist. Dazu trug auch die gemeinsame Exkursion am 21. Juni zu Ausgleichsmaßnahmen von Naturschutz und Landwirtschaft in Feuerbach und Möhringen bei.

"Die Tagung war ein wichtiger Schritt zur besseren Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, insbesondere beim Schutz wertvoller Bodenressourcen", so das Fazit von Christian Steiner, Vorstandsvorsitzender des Europäischen Bodenbündnisses.